Panorama

Aussichten zum Wochenende Der November wird noch golden

Gute Nachrichten für jene, die schon jetzt vom grauen Herbstwetter die Nase voll haben: Zum Wochenende kommt vielerorts die Sonne durch. Doch die Freude währt nur kurz. Hoffnungen auf eine weiße Adventszeit haben indes eine immer größer werdende Berechtigung.

n-tv.de: Wir befinden uns im letzten Novemberdrittel. Welche Aussichten bringt uns das Monatsende?

Björn Alexander: Insgesamt bleiben wir auf der eher milden Seite des Wetters. Am Wochenende sind sogar Spitzenwerte bis knapp 15 Grad möglich. Außerdem sorgt der auflebende Südostwind dafür, dass es die Sonne leichter hat, sich gegen Nebel oder Hochnebel durchzusetzen. 

Und in der nächsten Woche?

Nimmt das Wetter zwar wieder einen wechselhafteren Verlauf. Mit Höchstwerten bis um die 10 Grad bleibt es aber nach wie vor relativ mild, bevor sich im Dezember was in Sachen Winter tun könnte.

Was heißt das? Schnee zur Adventszeit?

Momentan sind die Vorzeichen für die Winterfreunde gut. Pünktlich zum Monatswechsel mehren sich die Anzeichen, dass es mit den Flocken bis runter reichen könnte. Zumindest sieht das amerikanische Wettermodell die Schneefallgrenze aktuell bis ins Flachland sinken. Das wäre aber nur Schritt eins. Wesentlich nachhaltiger wäre die Einwinterung, wenn auch Schritt zwei eintreten würde, der uns von einigen Wettercomputern prophezeit wird.

Welcher Schritt wäre das?

Eine Erwärmung in der höheren Atmosphäre, die sich auf die Stabilität beziehungsweise auf das Entstehen des Polarwirbels auswirken könnte. 

Was ist der Polarwirbel?

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Am Wochenende sind ausgedehnte Herbstspaziergänge drin.

(Foto: dpa)

Der Polarwirbel entsteht normalerweise in den Wintermonaten. Dann sind die Temperaturunterschiede zwischen der Polregion und den südlichen Breiten besonders groß. In der Regel ist das im Hochwinter, also im Bereich der Wintersonnenwende zum kalendarischen Winterbeginn und dann bis Februar oder März. Dann ist es nördlich des Polarkreises über Wochen beziehungsweise Monate dunkel und ohne Sonne wird es dementsprechend extrem kalt. 

Wie wirkt sich der Polarwirbel bei uns aus?

Ein starker und intakter Polarwirbel hat bei uns zur Folge, dass die westlichen Winde am Rande des Polarwirbels im Vergleich zum Sommer deutlich zulegen. Diese Westwinde sind eher mild und bringen in unseren Breiten immer wieder Regen mit, der normalerweise nur im höheren Bergland in Schnee übergeht. 

Welche Auswirkungen hat ein geschwächter Polarwirbel?

Ein schwacher oder sogar geteilter Polarwirbel (der sogenannte Polarwirbel-Split) kann im Gegensatz dazu zu einer Verlangsamung der Westwinddrift führen und diese sogar umkehren. In solchen Phasen können dementsprechend östliche Winde dominieren. Die sorgen für einen Kaltluft-Import aus Nord- und Nordosteuropa. Und wenn sich diese Wetterlage länger hält, dann kann aus der kalten Schweden-Schelle sogar eine sibirische Kältewelle werden.

Und was hat die Erwärmung der hohen Atmosphäre mit dem Polarwirbel zu tun?

Das Zusammenspiel zwischen der Erwärmung in der Stratosphäre und einem nachfolgenden Wintereinbruch in Mitteleuropa kann sich schon Wochen im Voraus andeuten. Allerdings müssen noch weitere Punkte erfüllt sein. Also: kommt die Erwärmung tatsächlich oder wird sie immer wieder von den Computern rausgerechnet. Und: inwieweit führt das bei uns dann auch wirklich zu einer kalten Wetterlage. Das ist dann schon mal ein Prozess, der sich über Wochen hinziehen kann. Fakt ist aber: es zeichnet sich eine spannende Entwicklung ab, die ein ziemlich kaltes Ende finden könnte.

Das klingt sehr spekulativ. 

Zumindest sind die Unsicherheiten (noch) groß. Jedoch wäre es nicht das erste Mal, das sich aus einer solchen Konstellation ein kalter Winterverlauf bereits im Dezember ergeben würde. Das gab es beispielsweise in den 1980er-Jahren. Und auch im Dezember 2010 erlebten wir ja einen sehr frühen Wintereinbruch mit Schnee zum Monatsbeginn und der letzten, deutschlandweiten „weißen Weihnacht“. Wie gesagt: Es ist momentan einfach eine sehr spannende Phase, die viele Optionen für das Wetter im Dezember aufzeigt. 

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n-tv Meteorologe Björn Alexander

Von den fernen Winterfreuden zurück zum milden November. Welche Aussichten hält unser Wochenende für uns bereit?

Nach einem noch oftmals novembrig-grauen Freitag, steigen die Chancen auf deutlich mehr Sonne. Und das liegt maßgeblich am auflebenden Wind. Der kommt aus der südlichen Richtung und sorgt dafür, dass Nebel- und Hochnebelschwaden immer öfter auflockern. Gleichzeitig kämpft sich die Sonne durch, sodass unser Wochenende verbreitet freundlich oder länger sonnig verlaufen wird.

Gibt es auch Verlierer?

Für den Norden schaut es leider nicht so gut aus. Und auch im Bereich Saarland und Eifel könnte es schwierig werden. Ansonsten steigt die Wahrscheinlichkeit für einen goldenen November aber an.

Was machen die Temperaturen?

Die steigen spürbar an. Nach 5 bis 11 Grad am Freitag kommt mildere Luft heran, die unterstützt von leichten Föhneffekten gerne mal 7 bis 14 Grad bringt. Am Alpenrand sind sogar bis zu 15 Grad drin. 

Wie geht es nächste Woche weiter?

Bereits am Montag kommen in der Nordwesthälfte mit einem auflebenden Wind die nächsten Regenwolken an. Ansonsten bleibt es zuerst noch schöner, bevor das Wetter insgesamt durchwachsen und windig, teils stürmisch weitergeht. Und mit dem Wetterwechsel werden auch die Temperaturen wieder verhaltener. 

Worauf müssen wir uns einstellen?

Der Montag bringt nochmals 7 bis 13 Grad. Anschließend sind es aber meist nicht mehr als 6 bis 11 Grad. Das ist nach wie vor noch über dem jahreszeitlichen Mittel. Allerdings zeigt das Wetterpendel zum Monatsende eher wieder nach unten. Im Flachland tendenziell nasskalt und in den Mittelgebirgen könnte der Winter den nächsten Anlauf wagen. Und dieser Trend könnte sich mit dem Monatswechsel sogar nochmals verstärken.

Quelle: ntv.de