Panorama

Teenager wie "Sklaven" gehalten? Deutsches Ehepaar in Rumänien angeklagt

c67bf9b2726f7c7e87185b531fe0dded.jpg

Projektgelände in Maramures. Die Betreiber sollen dort Jugendliche schwer misshandelt haben.

(Foto: dpa)

Der deutsche Leiter eines Sozialprojekts und seine Frau müssen sich in Rumänien vor Gericht verantworten. Sie sollen gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Verdächtiger Jugendliche aus Deutschland schwer misshandelt haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von "Bedingungen, die Sklaverei gleichkommen".

Wegen der mutmaßlichen Misshandlung deutscher Jugendlicher in einem Sozialprojekt in Rumänien ist Anklage gegen 14 Verdächtige erhoben worden. Im Zentrum des Falls stehen der 61-jährige deutsche Projektleiter und seine deutsche Ehefrau, wie die rumänische Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Angeklagten sollen deutsche Jugendliche im Rahmen des staatlich finanzierten "Projekts Maramures" "wie Sklaven" behandelt haben.

Ihnen wird Menschenhandel, Freiheitsberaubung, Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Neben dem deutschen Ehepaar sind auch Betreuer des Projekts, ein örtlicher Behördenmitarbeiter und Anwohner, die die Kinder mutmaßlich für sich arbeiten ließen, angeklagt.

Zwischen 2014 und 2019 sollen sie Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren auf einem abgelegenen Bauernhof im Norden Rumäniens "schwer misshandelt" haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Jugendlichen waren laut Staatsanwaltschaft in das Programm aufgenommen worden, weil sie Verhaltensstörungen aufwiesen und aus "Problemfamilien" stammten.

In der Einrichtung in Rumänien erhielten sie jedoch keine Hilfe, sondern waren "harten und brutalen, sogenannten Erziehungsmethoden ausgesetzt", teilte die Staatsanwaltschaft mit. "Sie wurden unter Bedingungen festgehalten, die Sklaverei gleichkommen." Zudem seien sie ausgebeutet und dazu gezwungen worden, "über ihre physische Kraft hinaus bis zur Erschöpfung zu arbeiten". Auch mit Nahrungsentzug seien sie bestraft worden.

Leiter kann 137.000 Euro nicht erklären

Die Ermittlungen waren im vergangenen August aufgenommen worden. Zum Zeitpunkt der Durchsuchungen befanden sich laut dem rumänischen Jugendamt 20 Kinder und Jugendliche in der Einrichtung. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte damals, der Bundesregierung seien in den vergangenen 20 Jahren keine Probleme mit dem "Projekt Maramures" bekannt geworden.

Die vom deutschen Staat für das Projekt gezahlten Gelder wurden laut Staatsanwaltschaft "hauptsächlich für andere Zwecke" als die angedachten verwendet. Bei Durchsuchungen im vergangenen Sommer beschlagnahmten Ermittler in der Wohnung des Projektleiters 137.000 Euro, deren Herkunft er nicht erklären konnte. Weitere knapp 9000 Euro wurden im Haus eines rumänischen Mitarbeiters gefunden.

Quelle: ntv.de, kst/AFP