Panorama

Tagelanger Sturm steht bevor Deutschland drohen schwere Orkanschäden

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Zum Ende der Woche erwartet uns reichlich Wind und Regen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland stehen ungemütliche Tage bevor. Zum Ende der Woche sollen heftige Stürme über das Land fegen. Wo die Böen am stärksten wüten und wie lange das Unwetter anhält, verrät ntv-Meteorologe Björn Alexander im Interview.

ntv.de: Ein Sturm zieht auf Europa zu. Wann wird er uns treffen?

Besonders heftig wird es nach jetzigem Stand am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag. Zuerst einmal zieht der Warmsektor heran und sorgt für einen eher gleichmäßigen und stürmischen Südwest- bis Weswind. Die heftigsten Böen gibt es anschließend, wenn die Kaltfront von Nordwest nach Südost über uns hinwegzieht. Damit haben wir eine deutschlandweite Sturmlage vor uns. Anders als zum Beispiel zu Beginn dieser Woche, als nur Süddeutschland und der Alpenraum betroffen waren.

Wie heftig wird es?

Mit dem Kaltfrontdurchgang in der Nacht zum Montag dürften die stärksten Böen im Flach- und Binnenland bei 90 bis 130 km/h liegen. Das sind also Sturmböen bis hin zu einzelnen Orkanböen. Noch heftiger ist es an der Nordsee bei 100 bis 140 km/h mit Sturmflutgefahr im Bereich der nordfriesischen Küste bis zur Elbe-Mündung und Hamburg. Die intensivsten Böen bekommen die Mittelgebirge bei 120 bis 180 km/h.

Wo wird es denn die höchsten Windgeschwindigkeiten geben?

Am extremsten dürfte es auf dem Brocken beziehungsweise im Oberharz stürmen. Da die Wälder aufgrund der Trockenheit in den letzten Monaten bis zurück ins Jahr 2018 nach wie vor stark geschwächt sind, muss hierbei leider noch mit einem zusätzlich erhöhten Schadenspotenzial gerechnet werden.

Wird der Sturm stärker als beispielsweise Orkan "Kyrill"?

Bisher sieht das zum Glück nicht so schlimm aus. Zum Vergleich: "Kyrill" brachte uns im Januar 2007 verbreitet Böen um 130 km/h. Köln-Bonn bekam damals sogar eine Böe bis Tempo 140. Aber wie gesagt: Diese Größenordnung sehen wir momentan nicht. Damals lag das Tiefzentrum knapp vor Sylt, jetzt fast 1000 Kilometer weiter nördlich.

Also eine kleine Entwarnung?

Schadenträchtig ist die Lage auf jeden Fall. Wenn es mit den Böen über 100 km/h in Richtung 120 oder 130 km/h geht, dann sind schwere Schäden durch umstürzende Bäume oder Gerüste sowie Schneisen in den geschwächten Wäldern sehr wahrscheinlich. Außerdem wird es ein sehr lange dauerndes Sturmereignis. Und das heißt: Schwache oder angeschlagene Bäume haben genug Zeit, umzustürzen und die Sturmflut-Lage an der Nordsee wird sich ebenfalls länger halten. Im Prinzip stürmt es nämlich von Sonntag bis mindestens Dienstag. Wobei uns der Höhepunkt in der Nacht zum Montag erwartet.

Da erübrigt sich ja fast schon die Frage nach dem Wetter. Denn schön wird es wahrscheinlich nicht, oder?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Am Samstag sieht es für viele von uns noch sehr gut aus. Hoch "Frank" wird dann zwar schon weiter ostwärts gezogen sein. Dennoch bekommen der Süden und der Osten noch viel Sonne. Der Norden startet ebenfalls freundlich ins Wochenende, während die Wolken im Westen dichter werden und ersten Regen oder Nieselregen mitbringen.

Bei welchen Temperaturen?

Es wird milder als zuletzt bei 6 bis 13 Grad. Am Sonntag bekommen wir im Bereich der Warmfront 8 bis 16 Grad mit Tauwetter bis in die Mittelgebirgslagen. Gleichzeitig breitet sich teils kräftiger Regen aus. Lediglich der Alpenrand bleibt am Sonntag noch länger schön.

Und am Montag?

Meldet sich hinter der Kaltfront auch wieder kältere Luft zurück. Im Norden sind es maximal noch 5 Grad, und hier muss auch mit Graupelgewittern gerechnet werden. In den Mittelgebirgen mischen sich bei ebenso wechselhaftem Wetter Schneeflocken unter. Der Süden zeigt sich dagegen grau und nass bei bis zu 12 Grad am Oberrhein.

Wie geht es anschließend weiter?

Unbeständig und wiederholt windig bis stürmisch. Am Dienstag mit 2 bis 8 Grad, bevor es anschließend wahrscheinlich wieder etwas milder wird. Ein stabiles Hoch ist vorerst nicht in Sicht.

Drohen dann auch neue Hochwasser?

Hier am Rhein ist derzeit der Hochwasserscheitel bei einem Pegelstand von um die 8 Meter durch. Und so oder ähnlich sieht es auch an den anderen Flüssen aus, die zuletzt noch im Hochwasserbereich lagen. Eine durchgreifende Entspannung also. Das Problem ist allerdings: Sollten die Tiefs in der nächsten Woche größere Regenmengen bringen, dann wäre die Ausgangslage für ein größeres Hochwasser gegeben. Denn das Ausgangsniveau ist vergleichsweise hoch.

Quelle: ntv.de