Panorama

Frostiges Wochenende steht bevor Dezember wird wohl zu trocken für weiße Weihnacht

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In den kommenden Tagen sinken die Temperaturen auf zwischen minus 2 und plus 6 Grad.

(Foto: imago images/Rolf Poss)

Mit einem beträchtlichen Überschuss an Sonnenstunden verabschiedet sich der Herbst und macht Platz für frostigere Temperaturen. So beginnt der Dezember vielerorts mit kaltem Wind und Schneeschauern. Ob und wo von einer weißen Weihnacht geträumt werden darf, weiß ntv-Meteorologe Björn Alexander.

ntv: Für die Meteorologen beginnt am 1. Dezember der Winter und damit geht der Herbst zu Ende. Wie ist der Herbst 2022 in der Wetterstatistik einzuordnen?

Björn Alexander: Weil der November analog zum Oktober ebenfalls zu warm, zu trocken und insgesamt überdurchschnittlich sonnig verlief, gab es ebenso für den Herbst 2022 einen Wärme- und Sonnenüberschuss.

Mit welchen Temperaturen?

In den letzten drei Monaten lag die Mitteltemperatur in Deutschland bei gut 10,8 Grad, was wiederum eine Abweichung von 2 Grad überm langjährigen Mittel bedeutet. Das hält auch das Gesamtjahr mit einem Plus von etwa 2,4 Grad weiter auf Rekordkurs. Zum Vergleich: Das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist das Jahr 2018 mit 2,21 Grad über langjährigen Mittelwert.

Was sagen die übrigen Kenngrößen für den Herbst?

In Sachen Sonne konnten sich Betreiber von Fotovoltaik-Anlagen im deutschlandweiten Schnitt über rund 370 Sonnenstunden freuen. Das entspricht knapp 120 Prozent. Beim Regen hat uns der viel zu nasse September nach dem Dürre-Sommer sprichwörtlich das Hinterteil gerettet. Denn obgleich der Oktober und der November zu trocken ausgefallen sind, hat es am Ende im Schnitt doch für fast 200 Liter Regen je Quadratmeter gereicht. Das entspricht etwas mehr als 100 Prozent.

Der Herbst kommt, der Winter geht - wie sind die langfristigen Trends für die kalte Jahreszeit?

Die experimentelle Langfrist sieht für den Dezember erst einmal reichlich Spannung. Hier liegen die Prognosen bei einem durchschnittlichen bis zu kalten Verlauf. Besonderes Augenmerk liegt hierbei in Sachen Winterwetter mit Frost und Schneechancen auf dem ersten und auf dem letzten Monatsdrittel.

Mit Schnee zum Fest?

Das Thema der weißen Weihnacht könnte - wenn es so kommt, wie es die Langfrist-Computer derzeit berechnen - höchstens am fehlenden Niederschlag scheitern. Denn unterm Strich wird der Dezember aktuell zu trocken bewertet. Vor allem eben im letzten Monatsdrittel.

Wie sieht es mit Schnee am zweiten Advent und zum Nikolaustag nächste Woche aus?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Zunächst einmal wird es mit dem meteorologischen Winteranfang von Osten deutlich kälter. Zutat Nummer 1 mit entsprechenden Temperaturen wäre somit schon mal im großen Wettertopf. Die zweite Zutat wären auch hier die Wolken mit entsprechenden Niederschlägen. Doch gerade dabei könnte es zuerst hapern. Blickt man auf sämtliche Wettermodelle, dann gibt es aber durchaus noch Hoffnung für die Freunde von Eis und Schnee.

Das heißt?

Dass es insbesondere im Bereich der Mittelgebirge zum zweiten Advent Neuschnee geben dürfte und dass auch im Flachland die ein oder andere Flocke tanzen könnte. Einen richtigen Wintereinbruch mit nahezu landesweitem Schnee bis zum Nikolaus hat allerdings nur das kanadische Wettermodell am Start. Unterm Strich ist somit ein schneebeladener Wintereinbruch zum Wochenwechsel zwar nicht auszuschließen, die Wahrscheinlichkeit ist aber gegenüber den schneearmen Varianten geringer.

Bleibt die Wetterspannung auch in den nachfolgenden Wintermonaten erhalten?

Hier verfolgen die Berechnungen noch unterschiedliche Wege. Die experimentellen Trends des amerikanischen Wetterdienstes NOAA sehen sowohl den Januar 2023 als auch den Februar zu warm. Basierend auf dem europäischen Wettermodell gibt es aber auch Ansätze für zwei weitere, zu kalte Monate. Demnach würden am Ende sogar alle drei Wintermonate zu kalt ausfallen. Das ist eine Situation, die wir in Deutschland zuletzt im Winter 2009/2010 erlebt haben.

Von der Glaskugel zurück zum konkreten Wettergeschehen: Was bringen uns die nächsten Tage?

Am Rand des kräftigen Russlandhochs "Erik" strömt frühwinterlich kalte Luft aus Ost und Nordost zu uns. Das bedeutet in den kommenden Tagen nur noch Höchstwerte zwischen minus 2 und plus 6 Grad und nachts wird es verbreitet frostig. Weil gleichzeitig ein teilweise lebhafter bis stürmischer Wind aufkommt, fühlt sich das Ganze sogar nochmals deutlich kälter an. In exponierten Bereichen liegen die gefühlten Temperaturen, der sogenannte Windchill, damit locker mal im zweistelligen Minusbereich.

Welche Wetteraussichten haben wir dabei zu erwarten?

Nach einem vielfach grauen Donnerstag mit 0 bis 7 Grad zum Start in den Winter, erwarten uns am Freitag abermals viele Wolken, die rund um die Mittelgebirge und herunter nach Bayern Schneeregen, Schnee und entsprechend Glätte im Gepäck haben. Dazu werden es maximal minus 2 bis plus 6 Grad. Gefühlt ist es durch den mitunter eisigen Wind vielfach frostig.

Und am Wochenende?

Bleibt es ähnlich kalt, mit Frost oder Bodentrost in den Nächten. Dazu erwartet uns insbesondere im Nordosten und Osten etwas Schneeregen oder Schnee. Und auch entlang der Landesmitte sind weitere Schneeschauer möglich. Sonst ist es oft wolkig, aber überwiegend trocken.

Welche Route nimmt die Entwicklung nächste Woche?

Die Entwicklung ist auf jeden Fall noch mit einigen Fragezeichen versehen. Hierbei ist es aber durchaus wahrscheinlich, dass wir auf eine Grenzwetterlage zusteuern. Dabei dürfte die Nordosthälfte eher im Bereich der kälteren Luft verbleiben, während es im Südwesten etwas milder werden könnte. Dazwischen springen ab der Wochenmitte auch andere Wettermodelle auf den Winterzug mit Schneechancen auf. Eine weiße Überraschung ist zum dritten Adventswochende ist definitiv nicht auszuschließen.

Quelle: ntv.de

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