Panorama

Boxer-Freunde werden zu Rettern Die Helden von Wien

Recep Gültekin und Mikail Özen haben in der vergangenen Nacht zwei Menschen aus der Schusslinie des Attentäters von Wien gerettet. Jetzt werden sie als Helden gefeiert.

Die beiden türkischstämmigen Wiener Recep Gültekin und Mikail Özen sind während des Terrorangriffs am Montagabend in der österreichischen Hauptstadt unfreiwillige Zeugen der Gewalt geworden - aber freiwillig "Helden der Stadt". Sie setzten dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel: Gültekin wurde angeschossen.

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Recep Gültekin und Mikail Özen (v.l.).

(Foto: Instagram)

Die Freunde schilderten, wie sie im 1. Bezirk unterwegs waren, um vor der Ausgangssperre noch ihren letzten Kaffee zu trinken. "Dabei sind wir mitten im Gefecht gelandet", erzählt Mikail Özen. Es seien plötzlich Schüsse gefallen, Menschen hätten blutend am Boden gelegen. Die beiden Boxer stießen auf eine alte Frau. "Wir haben einer alten Dame Hilfe geleistet, dass sie sich in Sicherheit bringt. Wir haben sie an einen sicheren Platz gebracht." Dabei hätten sie auch gesehen, dass ein Polizist schwer getroffen wurde. "Er lag am Boden. Wir konnten einfach nicht zuschauen und sind hingelaufen und haben den Polizeibeamten geschultert und zum Krankenwagen befördert."

Recep Gültekin meldet sich über Instagram selbst zu Wort. Dort teilt er in seiner Story Video-Sequenzen, in denen zu sehen ist, wie sie der Frau und dem Polizisten zu Hilfe kommen. Kurz danach meldet er sich aus einer Wohnung, mit blutverschmierten Händen. Und er zeigt seine Schusswunde am Bein, die jedoch nicht so gravierend sei: "Leute, mir geht es gut, ihr braucht euch keine Sorgen machen. Wir sind gerade sicher. Es ist alles okay."

"Wir dachten, es wäre ein Film"

Sein Begleiter Mikail Özen sagte zum türkischen News-Portal Hürriyet.com.tr: "Wir hörten Schüsse, als wir aus dem Auto stiegen. Wir dachten, es wäre ein Film." Sie seien auf die U-Bahn-Station zugegangen. Plötzlich hätten sie nur noch fünf oder sechs Meter vom Angreifer entfernt gestanden. "Die Polizei rannte auf den Angreifer zu. Es war ein einzelner Mann", so Özen.

Auch Özen äußerte sich selbst bei Twitter. Am Ende seines Posts sagt er: "Wir türkisch abstammende Muslime verabscheuen jegliche Art von Terror. Wir stehen zu Österreich. Wir sind jederzeit zur Hilfe bereit."

"Respekt an die beiden Wiener Jungs Mikail und Recep, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens einen verletzten Polizisten zur Rettung getragen haben", schreibt Mustafa Durmus von der Partei Junge SPÖ Steiermark bei Twitter. Und er fährt fort: "Schande über alle, die diese Videos verbreiten, in denen diese tapferen Jungs als Terroristen bezeichnet werden."

Zunächst war nämlich in den sozialen Netzwerken darüber spekuliert worden, dass die beiden selbst zur Tätergruppe gehörten. Denn sie sprachen während der Schießerei Türkisch. Nun ist klar, dass sich Recep Gültekin und Mikail Özen gegenseitig auf Türkisch zuriefen: "In Deckung".

Quelle: ntv.de, tar

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