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Die Jacke ist Teil einer Kollektion, die sich mit Hass befasst.
Die Jacke ist Teil einer Kollektion, die sich mit Hass befasst.(Foto: Screenshot de.diesel.com)
Freitag, 09. November 2018

"Schwuchtel"-Aufdruck: Diesel empört mit provokanter Jacke

Die Modemarke Diesel bringt diesen Herbst eine Jacke auf den Markt, auf der das englische Wort "Faggot" prangt. Übersetzt heißt das "Schwuchtel". Im Internet erntet das Unternehmen zum Teil heftige Kritik. Doch Diesel hält dagegen und verweist auf eine Botschaft.

Eine neue Jacke von Diesel stößt im Internet auf heftige Kritik. Denn auf der schwarzen Bomberjacke prangt groß das Wort "Faggot", zu deutsch "Schwuchtel". In den sozialen Netzwerken bekommt das italienische Modeunternehmen dafür viel Kritik. "Geschmacklos", "eklig" und "homophob" sei ein solches Kleidungsstück, kritisieren manche User. Die Kollektion ist seit dem Herbst auf dem Markt, die Produkte werden in mehreren Ländern verkauft. Besonders in Großbritannien muss sich das Unternehmen viel Kritik für die 350 Pfund teure Jacke anhören.

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Twitter-Nutzer Matt Bagewell schreibt: "Menschen erleben diese Belästigungen jeden Tag kostenlos." Ein anderer wird noch deutlicher: "Sagt mir bitte, dass das ein Scherz ist. Ich bin schwul und seit langem auch Diesel-Kunde. Doch jetzt bin ich wirklich entsetzt."

Aber hinter diesem Fall steckt eine ganze Kampagne, die sich der Konzern gut überlegt hat. Unter dem Motto "Ha(u)te Couture", also Hass-Mode, hat Diesel mehrere Kleidungsstücke mit Beleidigungen produziert. Das Ganze wird sogar von Prominenten aus dem Show-Geschäft unterstützt. Sie inspirierten den Modekonzern dazu. So sollten in der Kollektion Beleidigungen auftauchen, die Stars wie Tommy Dorfman, Bella Thorne und Nicki Minaj selbst erhalten haben. Deshalb gibt es auch Shirts mit einem Schlampen-Aufdruck. Weitere Beispiele sind unter anderem "Sugar Baby" und "Betrüger". "Es geht darum, den Hass nicht zu verstecken", sagte Kreativdirektor Bruno Bertelli.

Hass und Mobbing als Kollektionsthema

In der Beschreibung der kritisierten "Faggot"-Jacke heißt es: "Mit dem Canvas-Streifen und dem großflächigen 'FAGGOT'-Aufdruck auf der Vorderseite zieht der Style die Aufmerksamkeit auf sich, der ebenfalls den Klettpatch und das Diesel-Label in Jacquard-Optik ziert."

Eigentlich wollte Diesel damit wohl auf den zunehmenden Hass in der Gesellschaft aufmerksam machen, doch die Art der Umsetzung geht manchen Menschen zu weit. Ein Konzernsprecher verteidigt den Schritt trotzdem: "Diesel fühlt, dass Mobbing eines der stärksten Themen unserer Zeit ist. Wir wollen mit unserer Plattform darauf aufmerksam machen, dass das Millionen Menschen auf der ganzen Welt etwas angeht." Außerdem erklärt Diesel, dass sie einen Teil der Einnahmen an ein LGBT-Projekt für Homosexuelle gespendet haben.

Modeunternehmen geraten wegen umstrittener Kollektionen immer wieder in die Schlagzeilen. In der Vergangenheit wurden Konzerne wie Zara oder C&A dafür kritisiert, dass sie beispielsweise Hakenkreuze und Nazi-Symbole auf Kleidungsstücke druckten. H&M provozierte mit einem Sweatshirt eine Rassismus-Debatte. Regelmäßig werden diese Fälle heftig kritisiert. In manchen Fällen entschuldigen sich die Modefirmen und verbannen die Produkte aus dem Handel.

Quelle: n-tv.de