Panorama

"Phänomen wie im letzten Jahr" Dynamikforscherin: Große Welle ist möglich

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Inzidenzen von Nachbarländern streben der Physikerin zufolge tendenziell einem gemeinsamen Mittelwert entgegen.

(Foto: picture alliance / Eventpress)

Die Leiterin einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation erklärt das derzeitige Inzidenz-Plateau - auch in Hinsicht auf Nachbarländer und Pendler. Eine große Corona-Welle im Herbst könne es trotzdem geben, sagt sie. Geimpfte seien aber sehr gut geschützt.

Rund 75 statt 84 in der Vorwoche - die stagnierenden, teils sogar rückläufigen Zahlen bei der bundesweiten Sieben-Tages-Inzidenz sind nach Einschätzung von Experten kein Grund, sich mit Blick auf die kommenden Wochen in Sicherheit zu wiegen: "Das bedeutet überhaupt nicht, dass wir nicht noch im Herbst eine große Welle bekommen können", sagte Viola Priesemann, Leiterin einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die aktuellen Zahlen bedeuteten auch mit Blick auf die mangelnde Impfbereitschaft noch keine Entwarnung. "Israel mit einer ähnlichen Impfquote zeigt uns, dass man trotzdem Inzidenzen deutlich über 500 erreichen kann", sagte Priesemann. Geimpfte Personen seien aber sehr gut geschützt.

Für die aktuell im bundesweiten Schnitt sogar leicht sinkenden Inzidenzzahlen sieht die Physikerin mehrere Gründe. Eine Erklärung seien die nach Ende der Sommerferien hohen Infektionszahlen bei Reiserückkehrern. "Wir haben dasselbe Phänomen im letzten Jahr gesehen. Die Reiseaktivität nimmt ab - und die Zahlen sinken", erklärte Priesemann.

Für die Physikerin spielen auch die Inzidenzen in Deutschlands Nachbarländern eine Rolle, zu denen etwa durch Grenzgängerinnen und Grenzgänger oder Kurzurlauber Kontakt besteht. "Unsere Nachbarn wie etwa Frankreich oder die Niederlande haben aktuell wesentlich niedrigere Inzidenzen als in den letzten Wochen oder Monaten. Da war die Inzidenz dort zwei bis drei Mal höher als jetzt", so Priesemann. Die Inzidenzen benachbarter Länder haben laut Priesemann eine Tendenz, wegen Mobilität und Pendlern zu einem gemeinsamen Mittelwert zu streben. Sprich: Die Inzidenzen der jeweiligen Länder nähern sich an. "Dadurch gehen die Zahlen auch bei uns in Deutschland zurück", meinte die Expertin.

Eine dritte Erklärung für das aktuelle Inzidenz-Plateau sieht die Max-Planck-Physikerin in der fortdauernden Impfkampagne. "Dadurch nähern wir uns einer effektiven Herdenimmunität zumindest an, auch wenn diese noch nicht erreicht ist", sagte Priesemann. Auch dadurch werde die Ausbreitung des Virus weiter abgebremst - auch wenn man sich schon jetzt einen stärkeren Impfeffekt wünschen würde.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gilt aber weiterhin als wichtiger Frühwarnindikator beim Pandemiegeschehen. "Die Sieben-Tage-Inzidenz ist (...) weiter wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren", fasst das Robert-Koch-Institut Einschätzungen von Fachleuten zusammen.

Quelle: ntv.de, mpe

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