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Kreative Corona-Hilfe Ein Rettungsschirm für die Zivilgesellschaft

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Von der Seniorenseelsorge bis zur Obdachlosenhilfe: Unter Corona leiden viele Initiativen der Zivilgesellschaft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gemeinnützige Organisationen leiden häufig besonders stark unter der Corona-Krise: Nicht nur die üblichen Einnahmequellen fallen weg, auch dringend benötigte Spenden fließen nicht mehr oder nur noch spärlich. Ein Unternehmen mit langer philantropischer Tradition will retten, was zu retten ist.

Ohne die rund 600.000 Organisationen im gemeinnützigen Sektor, die mehr oder weniger das ausmachen, was man die Zivilgesellschaft nennt, wäre Deutschland ein ärmeres Land. Von der Seniorenseelsorge über Obdachloseneinrichtungen bis hin zur Unterstützung für benachteiligte Kinder: Es sind die unzähligen zumeist kleinen oder mittelgroßen Einrichtungen, die mit ihrem Engagement den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Knapp 100 Milliarden Euro fließen Jahr für Jahr in den gemeinnützigen Sektor. Das ist nicht nur eine gewaltige Summe, anders als in anderen Branchen kommt ein Großteil der Gelder auch aus projektbezogenen Fördermitteln oder aus Spenden von Unternehmen und Stiftungen. Doch"Spenden werden traurigerweise als Erstes gestrichen", weiß Ulrike Garanin, Vorstandsvorsitzende bei Joblinge. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft hilft benachteiligten Jugendlichen, Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden und betreut normalerweise rund 2000 junge Menschen. Seit Beginn der Krise klafft allerdings ein gewaltiges Loch in der Kasse: Über eine Million Euro fehlen. Dabei bräuchten die Joblinge das Geld heute dringender denn je.

Rettungsschirm für die Zivilgesellschaft

Weil es gerade vielen gemeinnützigen Organisationen so geht, soll ein aus privaten Mitteln finanzierter "Corona-Hilfsfonds" Linderung verschaffen. Aufgespannt wird der"Rettungsschirm für die Zivilgesellschaft", wie das Programm nicht unbescheiden heißt, von Phineo, einem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus mit einer langen philanthropischen Tradition. Das Besondere dabei: Phineo verteilt nicht nur Gelder, das Unternehmen wirbt sie auch ein - spenden kann jeder ganz einfach über die Projektseite.

"Als der Finanzminister die Bazooka ausgepackt hat, ist der gemeinnützige Sektor hinten runtergefallen", sagt Andreas Rickert. Der Vorstandschef der gemeinnützigen Aktiengesellschaft bezieht sich damit auf die von Olaf Scholz versprochenen Kredite, die angeschlagenen Unternehmen über die Corona-Krise hinweghelfen sollen. Allerdings "helfen Kredite spendenfinanzierten Organisationen nicht weiter, sie verschieben das Problem nur", so Rickert.

Mittlerweile hat die Bundesregierung zwar eine Überbrückungshilfe auf die Beine gestellt, die bis zu 80 Prozent der Fixkosten von angeschlagenen Unternehmen übernimmt, das reiche aber in vielen Fällen nicht, sagt Rickert: "Die Überbrückungshilfe ist ein tolles Instrument, aber sie ist nicht flexibel genug." Während soziale Dienste wie Kitas und Ähnliches bereits ganz gut aufgestellt seien, fehle es an anderer Stelle. "Wir wollen diese Lücke schließen."

"Die unterstützen, die es nötig haben"

Und zwar so schnell und unkompliziert wie möglich. Bewerben können sich auf der Phineo-Seite alle Einrichtungen, die durch Corona in Schieflage geraten sind. Um sicherzugehen, dass mit dem verteilten Geld kein Schindluder getrieben wird, wird nicht nur im Vorhinein der Bedarf evaluiert, jeder Empfänger muss auch einen umfassenden Bericht über die Verwendung der Gelder abliefern: "Unser Ziel ist es nicht, die großen Player zu unterstützen, sondern die mittleren und kleinen, die es wirklich nötig haben", sagt Rickert - und zwar mit Summen zwischen 10.000 und 50.000 Euro, wobei im Ausnahmefall auch Ausschläge nach oben möglich sein sollen.

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Die fehlende Million bei den Joblingen wird der Phineo-Fonds also nicht komplett übernehmen können, aber das ist auch gar nicht nötig: "Wir sind wahnsinnig dankbar, dass es diesen Hilfsfonds gibt", sagt Ulrike Garanin. Es sei vor allem die Flexibilität bei der Ausschüttung, die überproportional dazu beitrage, die Situation für das Unternehmen und die bedürftigen Jugendlichen gleichermaßen einfacher zu gestalten.

Auch Rickert macht sich keine Illusionen, die Nachfrage übersteigt das (Spenden)Angebot bei weitem: "Wir werden längst nicht allen helfen können." Aber am Ende zählt nicht nur jeder Euro, sondern auch das Zeichen, dass Hilfe abseits staatlicher Förderungen möglich ist, wenn Wille und Konzept stimmen. "Die Hoffnung ist schon, dass mehrere Millionen zusammenkommen", sagt der Phineo-Chef. Während bislang vor allem Großförderer wie 3M, UPS oder auch die amerikanische Nichtregierungsorganisation United Way an Bord gekommen sind, sind im zweiten Teil des Spendenmarathons nun vor allem Privatpersonen und kleinere Unternehmen gefragt, die soziale Verantwortung übernehmen wollen.

Quelle: ntv.de