Panorama

Noch keine Trendwende erreicht Epidemiologe: Lockdown noch lange nötig

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Einzelhandel, Schulen, Kitas, Kneipen - die Deutschen werden wohl noch eine Weile mit Einschränkungen leben müssen.

(Foto: dpa)

Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen sinkt, in den Augen des Epidemiologen Zeeb allerdings nicht deutlich genug. Ob der Lockdown noch volle Wirkung entfaltet, hängt laut Zeeb von mehreren Faktoren ab - und er dürfte vermutlich noch bis zu zwei Monate andauern.

Nach Einschätzung des Epidemiologen Hajo Zeeb muss der bestehende Lockdown noch mehrere Wochen durchgehalten werden. Entscheidend für seine Dauer sind nach Ansicht des Bremer Professors vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie eine Trendwende mit deutlich sinkenden Corona-Zahlen, gleichzeitig intensives Testen und besonders die breite Akzeptanz sowie erfolgreiche Durchführung der Impfung. "Da gerade der letzte Teil noch dauert nach den letzten Nachrichten, gehe ich von mindestens weiteren sechs bis acht Wochen aus." Falls eine Trendwende vorher gelinge, könnte auch vorher schon etwas geändert werden - "aber immer mit vorsichtigen und gut monitorierten Lockerungen".

Die im Januar verschärften Corona-Regeln gelten erst seit rund einer Woche und können daher noch keine große Wirkung auf die gemeldeten Zahlen haben. Ungeachtet dessen ist eine sanfte Abwärtstendenz zu erkennen - auch wenn unklar ist, wie nachhaltig dieser Trend ist. Die Zahlen liegen etwas unter denen der Vorweihnachtszeit. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist zuletzt von 166,6 am 10. Januar auf 136,0 am Sonntag gefallen. Der Höchstwert war mit 197,6 am 22. Dezember erreicht worden, danach schwankte die Zahl. Zudem sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern weiter groß. Das RKI bleibt in seinem Lagebericht vom Samstagabend jedenfalls vorsichtig: "Nach einem starken Anstieg der Fallzahlen Anfang Dezember, einem Rückgang während der Feiertage und einem erneuten Anstieg in der ersten Januarwoche scheinen sich die Fallzahlen wieder zu stabilisieren."

Zeeb ist sicher, die bisherigen Einschränkungen hätten Deutschland vor einer Situation wie in Irland oder anderen Ländern bewahrt, "aber eben nicht die erhoffte deutliche Trendwende gebracht". "Dazu ist die Kontaktreduzierung in der Bevölkerung insgesamt offensichtlich nicht ausreichend gewesen." Das private Verhalten spiele neben dem Beruf und den damit verbundenen Wegen, etwa im öffentlichen Nahverkehr, die entscheidende Rolle. "Und da sind wir nicht mehr so konsequent wie in den frühen Zeiten der Pandemie."

Im Vergleich zur ersten Corona-Welle im Frühjahr sind die aktuellen Zahlen extrem hoch, auch wenn die Zeiträume durch die weitere Verbreitung der Viren im Herbst und die verschiedenen Testanordnungen nicht exakt vergleichbar sind. Am 26. März lag der Höchstwert bei rund 6300 Neuinfektionen. An diesem Sonntag meldete das RKI 13.882 Corona-Neuinfektionen - und sonntags sind die Zahlen immer recht gering, unter anderem, weil am Wochenende weniger getestet wird. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert schwankt seit Monaten um eins herum. Ein Infizierter steckt demnach etwa einen weiteren Menschen an. Erst wenn er längere Zeit unter 1 liegt, flaut das Infektionsgeschehen ab.

*Datenschutz

Zu den wichtigsten Ansatzpunkten gegen die Pandemie zählt Zeeb "wieder deutlich und entschieden mehr Homeoffice", temporäre Betriebsschließungen zumindest in stark betroffenen Regionen und die verstärkte, angeordnete Nutzung von FFP-2 Masken - finanziell schlechter gestellte Menschen sollten sie bezahlt bekommen. Bei den Schulen sieht Zeeb eine sehr schwierige Balance zwischen "Nutzen und Kosten". Insgesamt stieg die Zahl der seit Beginn der Pandemie bekanntgewordenen Infektionen auf 2.033.518. Zudem wurden laut RKI insgesamt 46.419 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona verzeichnet. Die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle ist insgesamt bislang nicht erkennbar gesunken.

Quelle: ntv.de, jog/dpa