Panorama

Auch Politiker unter Opfern "Falscher Minister" ergaunert Millionen Euro

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Der echte Jean-Yves Le Drian ist mittlerweile Außenminister.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass auch Politiker und Geschäftsleute auf Trickbetrüger hereinfallen, beweist ein Fall in Frankreich: Als Minister verkleidet erschleicht sich dort ein Mann über 50 Millionen Euro für "geheime Operationen" im Namen des Staats. Bevor er verhaftet wird, plant er bereits wessen Identität er als nächstes stehlen möchte.

Wegen einer besonders dreisten Betrugsmasche müssen sich mehrere Männer in Frankreich vor Gericht verantworten. Den Angeklagten wird vorgeworfen, sich vor rund fünf Jahren als Frankreichs damaliger Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian ausgegeben und Millionen Euro von Geschäftsleuten, Stiftungen oder politischen Persönlichkeiten ergaunert zu haben, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Dabei sollen die Betrüger sich sogar mit Silikonmaske als Le Drian - heute Außenminister - verkleidet und für Videogespräche ein Büro inklusive Fahnen nachgebaut haben.

Die Masche funktionierte wie folgt: Die Betrüger sollen bei ihren Opfern um finanzielle Unterstützung für geheime Operationen - wie Geiselbefreiung in Syrien oder Terrorbekämpfung - gebeten haben. Sie hätten dann versprochen, das Geld so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Und um ihre Opfer zu überzeugen, schreckten sie vor keiner Dreistigkeit zurück: Gefälschte Schreiben mit täuschend echten Briefköpfen und Stempeln, seriös anmutende Mailadressen und schließlich der falsche Le Drian, schilderte die Anwältin von Le Drian, Delphine Millet, dem Sender France Inter.

"Der Nährboden, auf dem diese Betrüger operieren, ist ein Kontext von Terrorismus und Angst. Stellen Sie sich vor: Jemand ruft Sie aus dem Verteidigungsministerium an und sagt: "Wären Sie bereit, Frankreich einen Gefallen zu tun?"", so Anwältin Millet. "Man erwartet, Jean-Yves Le Drian zu sehen, und schließlich sieht man ihn. Die Mitarbeiter, die Sie anrufen, haben die Namen der wirklichen Mitarbeiter des Ministers. Es gibt also einen Anschein von Wahrheit, der einen zwangsläufig mitreißt."

Zwei Hauptverdächtige stehen in Paris vor Gericht: der 54-jährige Gérard Chikli, der die französische und israelische Staatsbürgerschaft hat, sowie der 35-jährige Anthony Lasarevitsch. Beide sollen den Coup in den Jahren 2015 bis 2017 mit Hilfe von fünf Komplizen durchgezogen haben. Sie sollen vor ihrer Verhaftung außerdem schon den nächsten Betrug vorbereitet haben: Dabei wollten sie sich demnach als Fürst Albert II. von Monaco ausgeben. Sie weisen die Vorwürfe Berichten zufolge zurück. Der Prozess am Pariser Strafgericht geht noch bis zum 12. Februar.

Quelle: ntv.de, agr/dpa/AFP

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