Panorama

Ein Netzwerk von Bordellen Fünf Menschenhändler stehen vor Gericht

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In Hessen stehen fünf Männer vor Gericht, die Frauen zur Prostitution zwangen.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Hessen werden fünf Männer angeklagt, weil sie als Teil einer Menschenhändlerbande thailändische Frauen zur Prostitution gezwungen haben sollen. Zudem geht es auch um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.

Vor dem Landgericht Hanau in Hessen hat ein Prozess gegen einen Deutschen und vier Thailänderinnen begonnen, die thailändische Frauen und transsexuelle Frauen zur Prostitution gezwungen haben sollen. Zudem wird den fünf Angeklagten im Alter zwischen 49 und 63 Jahren nach Gerichtsangaben Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen. Die fünf Angeklagten sollen Teil einer bundesweit agierenden Menschenhändlerbande gewesen sein. Insgesamt wird noch gegen 49 weitere mutmaßliche Mitglieder ermittelt.   

Die Ermittler werfen den Angeklagten das bandenmäßige Einschleusen von Ausländern, Ausbeutung, Zuhälterei, Veruntreuung und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor. Sie sollen zwischen Juli 2012 und Dezember 2017 mit weiteren Tätern ein bundesweit agierendes Netzwerk aufgebaut haben, um Frauen und transsexuelle Frauen nach Deutschland einzuschleusen und zur Prostitution zu zwingen. Bis Mitte Dezember sind 41 Verhandlungstermine angesetzt.

Im April 2018 wurden 62 Bordelle, Wohnungen und Büros in zwölf Bundesländern durchsucht. Bei dem Einsatz mit mehr als 1500 Beamten wurden knapp 250.000 Euro Bargeld gefunden. Die Angeklagten sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Daneben wurden noch zwei weitere Tatverdächtige festgenommen, gegen die separat ermittelt wird. Seit 2016 wurde gegen die Gruppe ermittelt. Bei einer Kontrolle eines Bordells in Maintal wiesen sich damals drei Prostituierte mit einem thailändischen Reisepass und einem abgelaufenen Schengenvisum aus.

Die 60-jährige Hauptangeklagte soll in Thailand gezielt transsexuelle Frauen angeworben haben. Laut Anklage wurden ihnen Schengenvisa für Touristen gegeben. In Deutschland seien die Opfer in drei Bordellen in Siegen für sexuelle Dienstleistungen eingesetzt worden. Die Bordelle seien von der 60-Jährigen und ihrem 63-jährigen Lebensgefährten geführt worden. Die Einnahmen habe die 60-Jährige für sich behalten, um die angeblich durch die Schleusung verursachten Kosten zu begleichen.

Großes Bordellnetzwerk

Später seien die Frauen im Rotationsverfahren in andere Bordelle des Netzwerks gebracht worden. Die 60-Jährige habe den Austausch maßgeblich organisiert, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. 39 eingeschleuste Frauen und Transsexuelle konnten bisher ermittelt werden. Insgesamt seien bundesweit aber noch viele weitere Menschen eingeschleust worden.

Der 60-Jährigen wirft die Anklage Veruntreuung von Arbeitsentgelt vor. Sie soll die in Siegen beschäftigten Prostituierten und weitere Mitarbeiter nicht zur Sozialversicherung angemeldet haben. Den Schaden beziffert die Generalstaatsanwaltschaft auf 1,7 Millionen Euro. Hinzu kommt der Vorwurf der Steuerhinterziehung, bei dem es um einen Schaden in Höhe von insgesamt 2,73 Millionen Euro geht. Den drei weiteren Angeschuldigten werden das Einschleusen von Ausländern, Ausbeutung und Zuhälterei vorgeworfen. Eine 49-Jährige soll die Prostituierten überwacht und die Einnahmen kassiert haben. Zwei 51- und 53-jährigen Schwestern wird die Veruntreuung von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Die beiden Betreiberinnen eines Bordells im hessischen Maintal sollen damit einen Schaden von 135.000 Euro verursacht haben.

Quelle: n-tv.de, sgu/AFP

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