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Maue Wetteraussichten "Für den Hochsommer wird es ziemlich eng"

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Die nächsten Tage bleiben weiterhin wechselhaft.

(Foto: imago images / Jan Eifert)

Nach den extremen Hitzewellen im Juni und Juli haben sich die Temperaturen zuletzt merklich abgekühlt. Warum sich die Wetterlage bereits im Herbstmodus befindet und wo Sie den Sommer noch in seiner ganzen Pracht genießen können, erklärt n-tv Meteorologe Björn Alexander im Interview.

Wind, Regen und kühle Temperaturen. Irgendwie scheint das Wetter schon jetzt auf Herbst umzustellen. Wie kann das sein?

Die Wetterlage ist derzeit tatsächlich schon eher im Herbstmodus. Ausgehend von mehreren Tiefdruckgebieten über Nordeuropa und Skandinavien liegen wir im Bereich der westlichen bis nordwestlichen Winde, die uns kalte Luft polaren Ursprungs beschert. Eigentlich eine Lage für die Übergangsjahreszeiten und nicht unbedingt für den Hochsommer.

Macht der Hochsommer denn nur mal eine kurze Pause oder hat es ihn jetzt vollständig verschreckt?

Für den Hochsommer wird es tatsächlich ziemlich eng. Die nächsten Tage bleiben nämlich tendenziell wechselhaft und zu kalt. Erst am Wochenende wird es mancherorts wieder Höchstwerte in Richtung 30 Grad geben. Allerdings dürfte das Gefühl aufgrund der kürzer werdenden Tage und der längeren Nächte doch schon eher in Richtung Spätsommer gehen.

Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Wie lange können bei uns eigentlich noch 30 Grad und mehr auf den Wetterkarten auftauchen?

Bis weit in den September sind flächendeckend Spitzenwerte um oder über 30 Grad möglich. Auch das erste Oktoberdrittel hat in der Vergangenheit schon mal 30 Grad und mehr gebracht. Allerdings war das räumlich begrenzt auf den Südwesten unseres Landes, wo die mediterranen Luftmassen auch im Herbst noch nahe sind.

Aber ist das denn nicht ungewöhnlich? Im Juni und Juli werden reihenweise Hitzerekorde gebrochen und jetzt ist der Sommer schon wieder vorbei.

Zumindest waren die zwei Hitzewellen extrem außergewöhnlich. Erst die sehr frühe Hitze im Juni, die dafür gesorgt hat, dass der Juni 2019 am Ende der heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurde. Gleich reihenweise wurden Rekorde pulverisiert und schlussendlich war der Juni rund 4,5 Grad zu warm. Im Vergleich: Selbst im Jahrhundertsommer 2003 war es "nur" eine Abweichung von knapp 4 Grad. Anschließend folgte ja die Julihitze, die uns am 25. Juli an Dutzenden Wetterstationen Rekordwerte von 40 Grad und mehr gebracht hat. Das war ebenfalls ein absolutes Novum. 

Warum?

Weil bis dahin höchstens mal an einzelnen Wetterstationen die 40-Grad-Marke erreicht wurde, noch nie zuvor in solch flächenhaften Ausmaßen. Gleichzeitig wurden an drei aufeinanderfolgenden Tagen in Deutschland die 40 Grad erreicht. Auch das war bis dahin noch niemals dagewesen. Dementsprechend wurde auch der deutschlandweite Allzeit-Temperaturrekord gebrochen.

Wie hoch war der? 

Bis zu Beginn der Megahitze lag der Rekord bei 40,3 Grad (Kitzingen im Jahr 2015). Am Mittwoch, den 24. Juli 2019 gab es dann in Geilenkirchen schon mal ein erstes Ausrufezeichen mit 40,5 Grad. Doch dieser Rekord währte nicht lange: bereits am Folgetag wurde der Rekord auf 42,6 Grad hochgeschraubt. Zwar ist dieser Fabelwert aus Lingen an der Ems aufgrund der Umgebung der Wetterstation höchst diskutabel. Aber auch die 41,2 Grad in Tönisvorst oder die 41,1 Grad in Duisburg-Baerl und Köln-Stammheim hätten am 25. Juli für einen neuen Temperaturrekord gereicht. Ebenso lagen auch die Wetterstationen in Kleve, Bonn-Roleber, Düsseldorf-Flughafen, Nörvenich, Trier, Weilerswist-Lommersum und in Geilenkirchen oberhalb der 40,5 Grad vom Vortag. 

Doch danach folgt der Absturz. Gab es solch ein enormes Gefälle auch schon einmal?

Beispielsweise im Sommer 2006. Der Juli brachte uns das Sommermärchen mit einer positiven Temperaturabweichung von über 5 Grad. Dann folgte das rasche Sommerende mit einem August, der über ein Grad zu kalt ausfiel. Solche Abstürze sind also definitiv schon mal vorgekommen und hängen eben mit der nachhaltigen Umstellung der Großwetterlage zusammen. Außerdem sind die monatlichen Extreme in diesem Jahr gar nicht so weit auseinander wie im Sommer 2006. Der vergangene Juli war aufgrund der kühlen erste Hälfte schließlich nur 2 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Und selbst dieser durchwachsene August ist - gemessen am Durchschnittsaugust - sogar bisher noch deutlich über 2 Grad zu warm. 

Wo muss man denn jetzt hinreisen, um hohe Temperaturen zu bekommen?

Kurzentschlossenen sind die klassischen Urlaubsregionen im gesamten Mittelmeerraum zu empfehlen. Dort überwiegt die Sonne bei ganz gelegentlichen Schauern und hochsommerlichen Werten um die 27 bis 35 Grad. Mittendrin in dieser Spanne liegt beispielsweise in nächster Zeit Mallorca. Allerdings dürften viele Menschen am Mittelmeer auch mit Unbehagen auf den makellosen Dauersommer blicken. Denn besonders in Griechenland wüten derzeit sehr viele Waldbrände, die durch das trocken-heiße und teils windige Wetter mitunter kaum in den Griff zu bekommen sind. 

Das sieht bei uns in Sachen Waldbrandgefahr wohl anders aus, oder?

Das kann man wohl sagen. Zwar herrschen aktuell im Bereich Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg gebietsweise noch die Waldbrandgefahrenstufen 4 und 5 (von 5) vor. Doch das wird sich ändern, so dass wir alsbald deutschlandweit in den unteren Gefahrenstufen von 1 bis 3 liegen. Und das ist - wenn wir es zum Beispiel mit der Situation vor einem Jahr vergleichen - total entspannt.

Denn das Wetter gestaltet sich ebenfalls ganz anders. Wie sind die Details für die nächsten Tage?

Nachdem uns der Mittwoch vorübergehend mal ein kleines Zwischenhoch gebracht hat, folgt am Donnerstag schon das nächste Tief. Von Nordwesten breiten sich bei einem teilweise stark bis stürmisch auffrischenden Wind die nächsten, zum Teil kräftigen und gewittrigen Regengüsse aus. Lediglich von Bayern bis herauf in die Lausitz bleibt es noch lange trocken, freundlich und ansatzweise sommerlich warm bei bis zu 25 Grad. Ansonsten werden es meist nur 18 bis 23 Grad.

Und am Freitag?

Ziehen die Schauer ostwärts ab und der meist trockene Sonne-Wolken-Mix bringt etwas Beruhigung in die Wetterküche. Mehr als 18 bis 24 Grad werden es aber dennoch nicht. Allerdings dürfte sich dies am Wochenende ändern, wenn die sommerlichere Luft ihren Weg vorübergehend nach Mitteleuropa findet. So bringt der Samstag im Westen und Norden zwar viele Regenwolken. Die gehören aber zur Warmfront, mit der uns am Samstag immerhin oft 20 bis 27 Grad erwarten. 

Wird der Sonntag ähnlich warm?

Der wird sogar nochmals wärmer. Zumindest in der Südosthälfte. Denn vom Oberrhein und dem Schwarzwald bis herüber nach Brandenburg wird es verbreitet für sommerliche 25 bis 30 Grad reichen. Ansonsten bringen es die Höchstwerte auf 20 bis knapp 25 Grad.

Welche Variante wird sich in der nächsten Woche durchsetzen: Sommerwärme oder doch wieder Herbstkühle?

Momentan sieht es so aus, als ob uns die wechselhafte Witterung erhalten bliebe. Damit dürfte dann auch die wärmere Luft rasch wieder aus unseren Breiten verschwinden und wir müssen uns - nach jetzigem Stand - häufig auf Werte zwischen 17 und knapp 25 Grad einstellen.

Quelle: n-tv.de