Panorama

"Abstraktes Bild 630-2" von 1987Gemeinde versteigert Richter-Gemälde

13.11.2021, 12:53 Uhr
Gerhard Richter gehört zu den teuersten noch lebenden Künstlern. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Sich einen echten Gerhard Richter ins Wohnzimmer hängen, das konnten die Einwohner von Saint Priest viele Jahre lang. Denn die Gemeindearthotek hat ein Bild des berühmten Malers in ihrem Bestand. Aber vermutlich nicht mehr lange.

Über drei Jahrzehnte fristete es in der Artothek ein Schattendasein, doch nun soll es auf einen Schlag Millionen einbringen: Die französische Gemeinde Saint-Priest hat sich entschlossen, ein Werk des deutschen Künstlers Gerhard Richter zu versteigern. "Ein Experte hat uns geraten, es nicht mehr herumliegen zu lassen", sagte Bürgermeister Gilles Gascon.

Die bei Lyon gelegene Gemeinde hatte 1988 Richters "Abstraktes Bild 630-2" aus dem Jahr 1987 für 100.000 Francs (rund 15.000 Euro) für ihre Artothek erworben, in der Bilder ähnlich wie Bücher in Bibliotheken ausgeliehen werden können. "Wir wollten, dass auch eine Arbeiterstadt Zugang zur Kunst hat", erzählte der damalige Kulturdezernent Robert Rivière der regionalen Tageszeitung "Le Progrès". Lange Zeit wurde das Ölgemälde lediglich von Zeit zu Zeit in der Gemeinde Saint-Priest ausgestellt, während der heute 89-jährige Richter zu einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwartskunst aufstieg.

Doch dann erzielte Richters "Abstraktes Bild 599" 2015 bei einer Auktion von Sotheby's in London den damaligen Rekordpreis von umgerechnet 44,5 Millionen Euro, und der Gemeinde ging auf, dass sie über einen wahren Schatz verfügen könnte. Seit dem Gespräch mit dem Experten hat sie das Bild im Tresor einer dafür spezialisierten Bank deponiert. "Aber sein eigentlicher Platz ist im Museum oder bei einem Sammler", sagte Bürgermeister Gascon.

Am 18. November muss der Gemeinderat nun darüber entscheiden, ob Richters Werk sowie acht weitere weniger wertvolle Gemälde aus der Artothek versteigert werden soll. Die Zahlen, die Experten für das "Abstrakte Bild" nannten, "haben uns ganz schwindelig gemacht", sagte Gascon. Er hofft darauf, dass die großen Auktionshäuser ihm die Tür einrennen werden - und verspricht, den Erlös aus der Auktion wieder in die Kunst zu stecken.

Quelle: ntv.de, sba/AFP

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