Panorama

Tiefdruck-Roulette bestimmend Goldener Oktober nur lokal und für einen Tag

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Bis zum Ende der Woche sind stellenweise über 400 Liter pro Quadratmeter mit der Gefahr von Überflutungen möglich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Tag der Deutschen Einheit hat vom Erzgebirge bis rauf an die Ostsee bis zu neun Stunden Sonne im Programm. Im Südwesten hingegen wird es recht frisch. Auch ansonsten bleibt es mit Schauern oder Regen wechselhaft. Ein goldener Oktober lässt auf sich warten, wie ntv-Meteorologe Björn Alexander verrät.

ntv.de: Der Tag der Einheit steht vor der Tür. Wird auch das Wetter einheitlich?

Björn Alexander: Das sieht nicht so aus. Denn es erwarten uns doch einige Wetterkontraste. Das gilt vor allem bei den Temperaturen: Der Osten geht in Sachen Altweibersommer und goldener Oktober weit voran. Hier sind Spitzenwerte bis zu 26 Grad drin, während im Südwesten zum Teil kaum mehr als 10 oder 12 Grad erreicht werden. Es sind also nicht nur große Unterschiede, auch die Verteilung der Wärme ist ungewöhnlich. Normalerweise ist der Südwesten bei uns ja eigentlich die wärmste Ecke. Zumindest ist es aber in der Regel wärmer als im Nordosten.

Woher kommen diese Unterschiede?

Der Auslöser unserer kleinen Wetterkapriolen schlägt über Westeuropa deutlich höhere Wellen. Am Rande des großen Tiefdruckkomplexes "Andrea" über den Britischen Inseln hat sich nämlich nun ein kleines, aber intensives Tief gebildet. Das folgt der wettersteuernden Strömung, dem sogenannten Jet-Stream, bis nach Frankreich. Hier trifft das neu entstandene Tief "Brigitte" mit voller Wucht und Orkanböen bis über 150 Kilometer pro Stunde auf die französische Atlantikküste im Bereich der Bretagne.

Und wie kommt damit die Wärme zu uns?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Auf der Vorderseite dieses Tiefdruck-Haufens strömt warme Luft aus Süden über die Alpen nach Norden. Das sorgt zum einen über den Alpen für einen satten Föhnorkan mit Spitzen, die ebenfalls im Bereich der 150 Kilometer pro Stunde oder darüber liegen dürften. Zum anderen setzt südlich des Alpenhauptkammes im Bereich Südfrankreich, Norditalien, Schweiz und Österreich teils intensiver Dauerregen ein. Bis zum Ende der Woche sind stellenweise über 400 Liter pro Quadratmeter mit der Gefahr von Überflutungen und Erdrutschen möglich.

Erneute Unwetter in den Alpen? Ähnlich wie am letzten Wochenende auch mit Schnee?

Dem Schnee geht es bis in die Hochlagen bis über 2000 Meter jetzt erst einmal an den weißen Kragen. Denn so hoch steigt die 0-Grad- bzw. die Schneefallgrenze vorübergehend an. Übrigens drohen mit dem turbulenten Wetter über Westeuropa auch am westlichen und am zentralen Mittelmeer neue Unwetter. Insbesondere durch teils kräftige Gewitter, stürmische Böen bis hin zu Sturmböen sowie Starkregen und Hagel.

Dann schauen wir mal auf unser Wochenende: Was hat der Tag der Einheit noch auf dem Programm?

Bis zu neun Stunden Sonne und einen durchaus goldenen Oktober vom Erzgebirge bis rauf an die Ostsee. Ansonsten ist es wechselhafter mit ein paar Schauern oder etwas Regen. Der Wind weht dabei teilweise lebhaft und kann außer auf den Bergen im Süden auch in Richtung Erzgebirge sowie im Norden mitunter stark bis stürmisch auffrischen.

Wie sieht es mit den Temperaturen im Detail aus?

Die bringen es Richtung Schwarzwald, Schwäbische Alb und Allgäu zum Teil nur auf 10 bis 12 Grad, während der Osten verbreitet 20 bis 25, vielleicht sogar 26 Grad bekommt. Und vielleicht ist das dann sogar schon der wärmste Tag des Oktobers 2020.

Warum?

Weil es ab Sonntag auch im Osten abwärts geht, und weil die längerfristigen Wettermodelle derzeit einen durchwachsenen Oktober berechnen, bei dem die Temperaturen auch eher verhalten bleiben dürften. Damit wären Werte von 25 oder 26 Grad nach jetzigem Stand eher unwahrscheinlich.

Wie groß ist denn der Absturz am Sonntag?

Um die vier oder fünf Grad. Am Sonntag erwarten den Osten nämlich maximal noch 20 oder 21 Grad. Hierbei geht es im Süden und Osten überwiegend freundlich oder sonnig weiter. Im Westen und Norden verläuft der Tag dagegen wechselhafter und windig bis stürmisch. Am kühlsten zeigt sich dabei die Eifel bei 11 Grad.

Und in der nächsten Woche?

Dreht sich das Tiefdruck-Roulette über Westeuropa munter weiter, und damit bleibt auch unser Oktober 2020 sehr durchwachsen. Zwar sicherlich auch mal mit einer aufgelockerten Phase. Grundsätzlich ist der Trend aber eher auf wechselhaft mit Tiefdruckwetter getrimmt. Zumal ein starkes Hoch für einen goldenen Oktober in ganz Deutschland auch bis zur Monatsmitte momentan nicht in Sicht ist.

Was machen die Temperaturen in der neuen Woche?

Die sind ebenfalls verhalten. Am Montag bei 10 bis 18 Grad. Dienstag und Mittwoch dürften mit höchstens 16 oder 17 Grad sogar nochmal etwas frischer werden. Zum Wochenende zeigen die Zahlen zumindest wieder ein kleines bisschen aufwärts.

Quelle: ntv.de