Panorama

Lebenslänglich für Denaro Größter Cosa-Nostra-Boss muss hinter Gitter

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So sah Denaro einst aus - diese Fahndungsfotos wurden 2007 gezeigt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seit 1993 wird der Boss der sizilianischen Mafia Cosa Nostra gesucht - gefasst ist Matteo Messina Denaro noch immer nicht, nun aber immerhin rechtskräftig verurteilt. Es ist die Strafe für zwei Bombenanschläge, die Italien Anfang der 90er Jahre erschütterten.

Italiens meistgesuchter Mafia-Boss Matteo Messina Denaro ist von einem Gericht in Sizilien zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 58-Jährige gilt als mächtigster Mann der sizilianischen Mafia, auch wenn unklar ist, ob er die gesamte Cosa Nostra kontrolliert. Das Gericht in der Stadt Caltanissetta verurteilte Denaro am Dienstagabend wegen seiner Beteiligung an Bombenanschlägen im Jahr 1992, bei denen die gegen die Mafia vorgehenden Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino sowie weitere Menschen getötet wurden, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Denaro ist 1993 untergetaucht und seither auf der Flucht. Er wurde in Abwesenheit verurteilt.

Das Gericht habe den Angehörigen der Opfer außerdem Beträge zwischen 10.000 und 500.000 Euro zugesprochen, die drei Überlebenden der Bombenanschläge sollen 100.000 Euro bekommen, hieß es weiter. Denaro gilt als Nachfolger des 2017 im Alter von 87 Jahren in einem italienischen Hochsicherheitsgefängnis gestorbenen Mafia-Paten Salvatore "Totò" Riina. Die Polizei hat bereits Dutzende seiner Verwandten und Helfer festgenommen. Zuletzt gelang dies im Juni, als zwei enge Mitarbeiter Denaros in Sizilien in Haft kamen. Dort durchsuchten die Ermittler auch den offiziellen Wohnsitz Denaros in der Kleinstadt Castelvetrano.

In der Mafia-Hochburg Palermo wehrten sich erst vergangene Woche Unternehmer und Händler gegen kriminelle Clans und erstatteten Anzeigen. Anti-Mafia-Einheiten schlugen mithilfe dieser Aussagen am Dienstag zu und nahmen 20 Bandenmitglieder fest, wie italienische Medien schrieben. Den Verdächtigen werden Drogenhandel, Diebstahl und Hehlerei vorgeworfen sowie Mordversuch und Erpressung. Die sizilianische Mafia, die Cosa Nostra, soll zahlreiche Geschäfte im Hafenviertel Borgo Vecchio kontrollieren, das auch von Touristen besucht wird.

Die Cosa Nostra ("Unsere Sache") ist die ursprüngliche "Mafia" aus Sizilien. Seit ihrem Entstehen im 19. Jahrhundert gründeten andere Verbrecher ebenfalls Organisationen wie die Camorra oder die 'Ndrangheta. Die Cosa Nostra operiert weltweit und hat auch Kontakte bis in Regierungskreise. Vergangenes Jahr musste ein Staatssekretär im Verkehrsministerium zurücktreten, weil er bestechlich gewesen sein soll. Dem Lega-Politiker sollen 30.000 Euro von einem Lobbyisten eines Windenergie-Geschäftsmannes angeboten worden sein, der wiederum eine Verbindung zu Denaro haben soll. Auch in Deutschland ist die Verbrecherorganisation aktiv. Im Juli führten deutsche und italienische Ermittler gemeinsam eine Großrazzia an mehreren Orten durch. Dabei wurde auch ein mutmaßlicher Mafioso in Wolfsburg gefasst.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa