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Prinz von Preußen droht Schlappe Hohenzollern-Chef will Burg Rheinfels zurück

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Früher Familienbesitz der Hohenzollern, heute Eigentum der Stadt St. Goar: Burg Rheinfels liegt gegenüber der Loreley.

(Foto: picture alliance/dpa)

Burg Rheinfels thront hoch über dem Rhein und gehört seit fast 100 Jahren dem Städtchen St. Goar. Doch plötzlich meldet der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Besitzansprüche an. In der Stadt spricht man von einem "Beutezug der Hohenzollern". Dem Prinzen von Preußen droht vor Gericht eine Niederlage.

Der Chef des Hauses Hohenzollern fordert den einstigen Familienbesitz Burg Rheinfels zurück. In dem Rechtsstreit vor dem Landgericht Koblenz zwischen Georg Friedrich Prinz von Preußen und dem Land Rheinland-Pfalz geht es um das riesige Gemäuer hoch über St. Goar im Herzen des Welterbes Oberes Mittelrheintal. Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. erschien nicht persönlich zum Verhandlungstermin, sondern schickte nur seinen Anwalt und seinen persönlichen Berater.

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Der Prinz von Preußen meldet Ansprüche an der Burg Rheinfels an. Das Gericht hat Zweifel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der in Potsdam lebende Prinz von Preußen hatte das Land Rheinland-Pfalz und das an die Ruine angrenzende Burghotel verklagt. Laut dem Stadtbürgermeister von St. Goar, Horst Vogt, wäre ein Verlust der Burg dramatisch: Stadt, Land und Hotel hätten hier Millionen investiert. Die Stadt ist dem beklagten Land in dem Rechtsstreit beigetreten.

"Die Burg Rheinfels ist das Herz von St. Goar", betont der CDU-Politiker Vogt. "Für mich hat das den Anschein eines kleinen Beutezugs der Hohenzollern, die ernten wollen, was sie nicht gesät haben." Auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel, Thomas Bungert, fand deutliche Worte gegen die Klage des Prinzen. Es könne nicht sein, dass die Hohenzollerndynastie nach über 90 Jahren Ansprüche geltend machen wolle, sagte er im Südwestrundfunk. Bungert warf dem Prinzen vor, sich "ins gemachte Nest setzen" zu wollen. Der Prinz habe es auf "die finanziellen Möglichkeiten der jetzigen wunderschönen Burg" abgesehen. Die Berliner Anwaltskanzlei des Prinzen wollte sich vor der mündlichen Verhandlung nicht zur Klage äußern.

Klageschrift umfasst 300 Seiten

Dem Haus Hohenzollern gehörte Burg Rheinfels seit dem 19. Jahrhundert. Nach dem Untergang des Kaiserreichs wurde die Stadt St. Goar 1924 Eigentümerin, mit der Auflage, das Gemäuer nicht zu verkaufen. 1998 schloss das Städtchen mit der Betreibergesellschaft des luxuriösen Hotels direkt neben der Burgruine einen Erbpachtvertrag für 99 Jahre mit der Option auf eine ebenso lange Verlängerung.

Der Prinz von Preußen argumentiert in seiner Klage, dieser Vertrag mit dem Hotelier komme einem untersagten Verkauf gleich. Es gebe eine sogenannte Rückauflassungsvormerkung im Grundbuch. Diese kann in bestimmten Fällen eine Rückübertragung eines Grundstücks an einen Alteigentümer ermöglichen.

Das Mainzer Kulturministerium ging 2018 nicht davon aus, dass die Klage Erfolg haben würde. Auch Bürgermeister Vogt sagte: "Ich bin optimistisch." Er schließe aber eine jahrelange Auseinandersetzung über mehrere Instanzen mit dem Hohenzollern-Chef nicht aus. Schon die Klageschrift umfasse rund 300 Seiten.

Landgericht hat Zweifel an den Ansprüchen des Prinzen

Beim ersten Verhandlungstermin konnten sich der Prinz und die Beklagten nach Gerichtsangaben nicht gütlich einigen. Die Kammer zweifle jedoch am Anspruch des Prinzen, erklärte das Landgericht. Nicht er, sondern das Land Rheinland-Pfalz als Nachfolger des nicht mehr existierenden preußischen Staats habe allenfalls Anspruch auf die Burg. Ein Urteil soll am 25. Juni fallen. Gegen einen Richterspruch wäre eine Berufung beim Oberlandesgericht in Koblenz möglich. Burghotel-Betreiber Gerd Ripp hat nach eigenen Angaben vom Prinzen bereits die mündliche Zusicherung bekommen, unabhängig von rechtlichen Entscheidungen das noble Haus weiter betreiben zu können.

Rheinfels ist eine der größten Burgruinen am Oberen Mittelrhein und soll bei der dort geplanten Bundesgartenschau 2029 zu einem zentralen Schmuckstück werden. Noch ist die Anlage mit einem Gewirr von Tunneln ein Sanierungsfall. Rund 15 Millionen Euro wären dafür laut Bürgermeister Vogt nötig. Fünf Millionen Euro davon habe das Land Rheinland-Pfalz zugesagt. Jetzt stocke die Sanierung wegen des Rechtsstreits: "Das wirft uns zurück." Aus Sicherheitsgründen sind Teile der Burg für Besucher ohne Führung bereits gesperrt. Das Gemäuer war im 13. Jahrhundert erbaut und Ende des 18. Jahrhunderts von französischen Revolutionstruppen gesprengt worden.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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