Panorama

100.000 Häftlinge auf freiem FußIran will Urlaub für Gefangene verlängern

19.04.2020, 19:39 Uhr
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Verlassener Basar in Teheran: Auch im Iran ruht momentan das öffentliche Leben größtenteils. (Foto: imago images/Xinhua)

Gefängnisse sind weltweit wegen des hohen Infektionsrisikos aktuell noch gefährlichere Orte als ohnehin schon, besonders brenzlig ist die Lage im Iran: Das Land ist das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene im Nahen Osten, die Gefängnisse überfüllt - der Präsident zieht Konsequenzen.

Zur Eindämmung der Coronavirus-Ausbreitung in iranischen Gefängnissen will die Regierung in Teheran den Sonderurlaub für 100.000 Gefangene verlängern. Der heute endende Freigang werde bis zum 20. Mai verlängert, sagte Präsident Hassan Ruhani im iranischen Fernsehen. Die Justizbehörde solle diese Maßnahme umsetzen. Der Sprecher der Justizbehörde bestätigte die Ankündigung Ruhanis nicht direkt, verwies aber auf die Anwendung von "Milde".

Seine Behörde gehe davon aus, dass "eine beträchtliche Anzahl" von beurlaubten Gefangenen nicht ins Gefängnis zurückkehren werde "und sogar viele der derzeit Inhaftierten freigelassen werden", sagte der Behördensprecher. Eine endgültige Entscheidung werde am 29. April getroffen.

Im März hatte die Justizbehörde 100.000 Gefangenen die Erlaubnis erteilt, die Gefängnisse wegen der Corona-Pandemie vorläufig und für einen festgelegten Zeitraum zu verlassen, um die Überlastung der Einrichtungen zu verringern und die Ausbreitung des Virus weiter einzudämmen.

Der Iran ist bei Weitem das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land im Nahen Osten. Mit 87 neuen Todesfällen binnen eines Tages stieg die offiziell registrierte Zahl der Toten auf 5118. Obwohl die Zahl der Todesopfer am Sonntag um 14 höher sei als am Vortag, lägen die Totenzahlen den sechsten Tag in Folge unter hundert, erklärte das Gesundheitsministerium.

Bislang haben sich im Iran rund 82.200 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Von den ins Krankenhaus eingewiesenen Patienten sind laut Gesundheitsbehörden bereits mehr als 57.000 genesen, rund 3450 hingegen noch schwer erkrankt.

Quelle: ntv.de, jve/AFP

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