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Bei dieser Meeresschnecke handelt es sich um eine Nordische Steinchenschnecke - eine ähnlicher Meeresbewohner hatte sich im Arm des Jungen eingenistet.
Bei dieser Meeresschnecke handelt es sich um eine Nordische Steinchenschnecke - eine ähnlicher Meeresbewohner hatte sich im Arm des Jungen eingenistet.(Foto: imago/blickwinkel)
Mittwoch, 14. Februar 2018

Blinder Passagier im Arm: Junge lebt mit Schnecke unter der Haut

Ein Junge schürft sich beim Spielen den Ellenbogen auf. Zwar versorgen die Eltern die Wunde, aber es bleibt eine kleine Beule zurück, die mit den Tagen weiter und weiter wächst und die Familie dazu bringt, einen Arzt aufzusuchen. Zum Glück.

Als Kinderarzt Albert Khait dem vermeintlichen Pickel seines jungen Patienten zu Leibe rücken will, traut er seinen Augen kaum. Denn anstelle des erwarteten Eiters kommt eine Schnecke zum Vorschein. Genauer gesagt eine Meeresschnecke der Spezies Littorina scutulata. Normalerweise lebt die Meeresschnecke mit ihren Artgenossen auf Felsen im Wasser, wo sich die Tierchen von Algen ernähren.

Das vier Millimeter kleine Tierchen erfreute sich bester Gesundheit, berichtete der Assistenzprofessor der Loma Linda Universität im US-Bundesstaat Kalifornien dem Fachmagazin "BMJ Case Reports". Das sei ziemlich ungewöhnlich. Zwar käme es immer mal wieder vor, dass sich Kleinstorganismen unter die Haut verirrten, allerdings überlebten diese den Ausflug normalerweise nicht.

Dass die Schnecke die Zeit unter der Haut des Jungen gut überstanden hat, ist laut Khait einem besonderen Talent dieser Tierart zu verdanken: Um sich im Alltag vor dem Austrocknen zu schützen, können die Meeresschnecken ihr Schneckenhaus kurzerhand mit dem sogenannten Operculum (lateinisch für Deckel) und etwas Schleim verschließen. Dieser Trick dürfte es dem blinden Passagier ermöglicht haben, in der "feindseligen Umgebung des Hautabszesses" zu überleben, heißt es weiter.

Schneckenei legt sich in Wunde

Wie der kleine Meeresbewohner in den Arm des Elfjährigen gekommen ist, kann nur vermutet werden. Der Junge habe gemeinsam mit seinen Eltern eine Woche zuvor einen Tag am Strand verbracht und sich am Ellenbogen verletzt, so Khait. Deshalb liege die Vermutung nahe, dass Schneckeneier auf dem Felsen lagen, an dem sich der Elfjährige verletzte. Dabei müsse ein Ei in die Wunde geraten sein und habe sich dann wohl eingenistet. Zwar versorgten die Eltern die Wunde sofort, doch eine kleine Beule blieb zurück. Diese wuchs und wuchs und bildete sich schließlich zu einem Abszess. Obwohl der Junge keine anderen Symptome zeigte, suchten die Eltern einen Arzt auf.

Der kleine Patient war von der Meeresschnecke derart fasziniert, dass er das Tier mit nach Hause nehmen durfte, um sie seinen Freunden zu zeigen, schreibt Khaid weiter. Diese Entscheidung sei im Nachhinein betrachtet eine schlechte Idee gewesen. Der Ausflug endete für die Meeresschnecke tödlich.

Quelle: n-tv.de