Panorama

683 Tage unschuldig im Gefängnis Justizopfer Kuß erhält Schmerzensgeld

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Das mangelhafte Gutachten einer Psychologin führte dazu, dass Norbert Kuß zwei Jahre zu Unrecht im Gefängnis saß.

(Foto: dpa)

Ein "grob fahrlässiges" Gutachten bringt Norbert Kuß zwei Jahre unschuldig ins Gefängnis - wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf seine Pflegetochter. Seit seiner Freilassung kämpft der 74-Jährige um Schmerzensgeld - und hat endlich Erfolg.

Der 74-jährige Norbert Kuß, der wegen eines mangelhaften Gutachtens einer Psychologin zwei Jahre zu Unrecht im Gefängnis gesessen hat, hat nun den jahrelangen Rechtsstreit gegen sie gewonnen. Das Saarländische Oberlandesgericht sprach ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 60.000 Euro zu. "Ich bin erleichtert, aber wäre froh, wenn all das nicht geschehen wäre", sagte Kuß spontan nach der Entscheidung.

Auf der Grundlage des Gutachtens, das ein Experte als "grob fahrlässig" bezeichnet hatte, war Kuß im Mai 2004 vom Landgericht Saarbrücken wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner ehemaligen Pflegetochter zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Gutachterin hatte die Aussagen des lernbehinderten Mädchens als "mit hoher Wahrscheinlichkeit glaubhaft" eingestuft. Fast zwei Jahre saß Kuß unschuldig im Gefängnis, bevor das Urteil in einem Wiederaufnahmeverfahren aufgehoben wurde.

Der Rechtspsychologe Max Steller, mit dem das Gericht nach Ansicht des Richters "eine exzellente Gutachterwahl" getroffen und nun "in jedem Fall eine ordentliche Entscheidungsgrundlage" habe, hatte der Arbeit der Kollegin ein vernichtendes Urteil ausgestellt. "Es tut mir leid, das so grob zu sagen", räumte Steller ein, aber er habe "erhebliche ergebnisrelevante Mängel" bei der Beurteilung festgestellt. "Auf allen Ebenen fehlen Argumentationen, was dafür und was dagegen spricht." Die Schlussfolgerung, dass die Zeugin eine hohe Glaubwürdigkeit habe, stimme nicht mit dem Bericht überein. Stellers Einschätzung des Gutachtens: "grob fahrlässig".

Bereits Anfang 2015 war die Gutachterin vom Landgericht Saarbrücken zu 50.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Dagegen hatte sie Berufung eingelegt. In einem weiteren Verfahren wird es nun auch noch um einen geforderten Schadenersatz in Höhe von 41.000 Euro gehen.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa