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Millionen für wenig Aufwand? KV verdient bei Corona-Tests kräftig mit

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Die 17 Kassenärztlichen Landesvereinigungen rechneten bislang mehr als 730 Millionen Euro für Schnelltests ab.

(Foto: picture alliance / Marco Wolf)

Kostenlose Bürgertests sollen helfen, das Pandemiegeschehen einzudämmen. Zahlreiche private Testzentren steigen in das Projekt ein, weil es dort Geld zu verdienen gibt. Die Abrechnung führen Kassenärztliche Vereinigungen durch - die mit wenig Aufwand Millionen umsetzen.

In Deutschland sprießen private Corona-Teststationen nur so aus dem Boden. Der Bund zahlt den Betreibern Millionensummen für die Beschaffung und Durchführung von Antigenschnelltests, die Abrechnung muss lediglich über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Bundeslandes erfolgen. Die KVen werden mit einem "Verwaltungskostenersatz" entschädigt, der sich bislang (Stand 17. Mai) auf 20,5 Millionen Euro beläuft. Das berichtet "Business Insider". Dabei scheint der Aufwand überschaubar zu sein, denn weder werden die Ergebnisse, noch die Stationen selbst von der KV kontrolliert.

Wird ein Corona-Schnelltest an einer Station durchgeführt, muss kein medizinisches Personal eingesetzt werden, vergütet wird er dennoch recht ordentlich. Die Beschaffung lässt sich mit 6 Euro abrechnen (bis März waren es 9 Euro), der Abstrich bringt weitere 12 Euro. Wenn ein Arzt den Test durchführt, liegt der Betrag sogar bei 15 Euro. Die mindestens 18 Euro pro Test werden über die KV abgerechnet, der dann ein "Verwaltungskostenersatz" in Höhe von 3,5 Prozent zusteht.

Für die Verwaltung mussten die Kassenärztlichen Vereinigungen als Basis für die Abrechnungen der einzelnen Testzentren ein IT-System bauen und Mitarbeiter mit der Pflege betreuen. Dabei ist die Abrechnung simpel. Monatlich müssen nur Zahl der gekauften Tests, die Zahl der Abstriche und die Betreibernummer gemeldet werden.

Je nach Bundesland ist der Aufwand unterschiedlich. Während in Berlin 450 Anbieter bei der KV registriert sind, sind es in Bayern rund 4000. Die KV in Niedersachsen erklärte gegenüber "Business Insider", dass die Investitionskosten von mehr als einer Million Euro bislang nicht gedeckt seien. Grund dafür sind demnach die Kosten für Personal und IT-Infrastruktur. Angaben über die Zahl der zuständigen Mitarbeiter machen die Kassenärztlichen Vereinigungen aber nicht.

Nach Fällen mutmaßlichen Abrechnungsbetrugs in Corona-Testzentren wollen Bund und Länder, dass künftig kontrolliert wird - doch die potenziellen Stellen dafür wiegeln alle ab. Die Tests überprüfen können die KVen laut dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, auch gar nicht. "Mehr als zu prüfen, ob die Rechnungen formal korrekt sind, können wir nicht tun", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Das sieht die Testverordnung nicht vor, und es wäre für die KVen auch nicht leistbar." Er meinte, die Städte und Gemeinden sollten die Zulassung strenger handhaben. "Es gilt, die Vorauswahl der Marktteilnehmer dringend zu verbessern."

Quelle: ntv.de, mba

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