Panorama

Notlandung in Israel Kampfjet verliert Cockpithaube

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Bei den Israelis in verschiedenen ein- und zweisitzigen Versionen im Einsatz: Ein Kampfjet vom Typ F-15.

(Foto: © IDF / Photo by Cpl. Eden Briand, IDF Spokesperson's Unit (CC BY-NC-SA))

Bizarrer Zwischenfall im israelischen Luftraum: Mitten im Flug verliert eine Jagdmaschine ohne Vorwarnung das Cockpitdach. Bei minus 45 Grad Außentemperatur müssen sich die beiden Piloten plötzlich ungeschützt im Freien zurechtfinden. Der Flugzeugführer behält die Nerven.

Beim Trainingsflug eines israelischen Kampfjets ist in einer Höhe von rund neun Kilometern plötzlich die Glashaube abgerissen. Die beiden Piloten des F-15-Düsenjägers blieben bei dem Vorfall unverletzt, teilte die israelische Armee mit. Der Besatzung sei es gelungen, die Maschine sicher zu landen.

Im Cockpit des zweisitzigen Jagdfliegers, der in der Spitze bis zu zweieinhalbfache Schallgeschwindigkeit erreichen kann, müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben: Auf einem vom Militär veröffentlichten Audiomitschnitt des Vorfalls sind direkt nach dem Abriss der Schutzhaube laute Schreie im Funkverkehr zu hören.

Plötzlich mit dem Kopf im Freien

Dass die beiden Besatzungsmitglieder den Vorfall unverletzt überlebten, haben sie wohl vor allem ihrer Ausrüstung zu verdanken: Kampfpiloten tragen während des Flugs Helme und spezielle Atemmasken, über die sie mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Die typische Reisegeschwindigkeit eines solchen Militärjets liegt zwischen 400 und 900 Stundenkilometern. Nach dem Abriss der schützenden Haube herrschten in der Flughöhe von neun Kilometern extrem schwierige Bedingungen mit Temperaturen von minus 45 Grad bei einem entsprechend heftigen Fahrtwind, wie die Armee mitteilte.

Nur wenige Sekunden nach dem ungewöhnlich Komplettversagen der Cockpithaube bekam der Pilot die Lage in den Griff: Mit dem zuständigen Kontrollturm konnte er per Funk die sofortige Landung auf der nahe gelegenen Militärbasis Nevatim einleiten. Wie auf dem Funkmitschnitt zu hören ist, gelang es ihm gleichzeitig auch, seinen offensichtlich zutiefst schockierten Copiloten zu beruhigen.

Extrem ungewöhnlicher Vorfall

Das Team habe aber mutig und entschlossen gehandelt, hieß es in der zu Wochenbeginn veröffentlichten Mitteilung des Militärs. Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am vergangenen Mittwoch. Eine ärztliche Untersuchung habe ergeben, dass die beiden Männer "in gutem Zustand" seien, hieß es. Ob sie Erfrierungen erlitten, blieb unklar.

Der Abriss einer Cockpithaube ist extrem ungewöhnlich und stellt selbst für gut ausgebildete Piloten eine lebensgefährliche Notlage dar. Schon allein der plötzlich veränderte Luftwiderstand kann die Maschine unkontrollierbar machen. Im reißenden Luftstrom während des Fluges sind zudem die Instrumente nur noch schwer abzulesen. Sollte in einem solchen Fall auch noch die Atemmaske abreißen oder die Sauerstoffversorgung anderweitig unterbrochen werden, bleiben den Flugzeugführern in dieser Höhe in der Regel nur Sekunden bis zur Bewusstlosigkeit.

Die Unglücksursache ist noch vollkommen unklar. Der Chef der Luftwaffe, General Amikam Norkin, untersagte den Angaben zufolge bis zum Abschluss einer Untersuchung Trainingsflüge mit Jets des Typs "Baz".

Der zweistrahlige Kampfjet F-15 stammt aus US-Produktion und ist in den älteren Basisversionen in Israel unter dem Namen "Baz" (Falke) im Einsatz. Hersteller der Maschine ist der US-Luftfahrtkonzern Boeing, der die Fertigung der F-15 im Zuge der Übernahme des Flugzeugbauers McDonnell Douglas fortführte. Bei der US-Luftwaffe ist das bis zu 30 Tonnen schwere Jagdflugzeug unter dem Beinamen "Eagle" (Adler) bekannt.

Die ersten Kampfjets des Typs F-15 gingen 1974 in Serie. Der Erstflug des Modells fand 1972 statt. Die modernste Version, die den einstigen reinen Luftüberlegenheitsjäger mittels zahlreicher Modifikationen in ein echtes Mehrzweckkampfflugzeug verwandeln soll, fliegt beim US-Militär als F-15E "Strike Eagle" und bei der israelischen Luftwaffe als "Ra'am" (Donner).

Quelle: ntv.de, mmo/dpa