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Rekrutiert und vergewaltigt? Maxwell managte wohl Epsteins Pädo-Ring

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Beide betrieben gemeinsam einen Pädophilen-Ring. Maxwell soll die Mädchen für den Missbrauch rekrutiert haben.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Sie war jahrelang die Vertraute von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein: Ghislaine Maxwell soll im Missbrauchsskandal um den Multimillionär eine zentrale Rolle gespielt haben. Doch ihre Funktion war offenbar noch deutlich größer als zunächst angenommen. Denn auch sie verging sich wohl an Mädchen.

Jeffrey Epstein soll jahrelang unzählige Frauen und minderjährige Mädchen hundertfach sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Als sein riesiger Pädo-Ring aufgedeckt wurde, erzählten immer mehr Opfer, dass vor allem eine Frau den Missbrauch organisierte und das Netz immer weiter spann: Ghislaine Maxwell. Nach ihrer Festnahme werden immer mehr Informationen über ihre Machenschaften bekannt.

Seit den 90er Jahren war sie an der Seite Epsteins, sprach offenbar immer wieder junge Frauen an und brachte sie ihrem Freund Epstein. Sie war seine Vertraute, zeitweise seine Partnerin und nahm laut aktuellen Vorwürfen auch selbst am Missbrauch teil, vergewaltigte wie Epstein. "Sie ist genauso böse wie er", erklärt eine nicht genannte Frau in einem exklusiven Interview bei Fox News.

Sie spricht in dem Interview davon, wie Maxwell sie auf den Geschlechtsverkehr mit Epstein vorbereitet haben soll, sie mit Sexspielzeug penetrierte und sich an ihr verging. Die Frau berichtet außerdem, dass die Epstein-Vertraute ihr drohte, wenn sie je etwas davon erzählen würde.

Epstein und seine Bekannten missbrauchten die Mädchen offenbar an verschiedenen Orten und bauten sich dabei ein riesiges Netzwerk auf. Sowohl in Miami als auch auf einer Ranch in New Mexico und einer Privatinsel in der Karibik soll der Missbrauch der jungen Mädchen stattgefunden haben. Maxwell soll laut den Schilderungen vieler Opfer von allem gewusst haben. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll sie auch Videos besitzen, die die Männer bei ihren Taten zeigen.

Festnahme ist vor allem für die vielen Opfer wichtig

Die 58-Jährige war 2019 nach der Festnahme Epsteins, der sich später in seiner New Yorker Zelle vor seinem Prozess das Leben nahm, untergetaucht. Doch vor wenigen Tagen, am 2. Juli, wurde sie in ihrer abgelegenen Villa in New Hampshire festgenommen. Nun wird Maxwell in sechs Punkten rund um den Missbrauchsskandal von Jeffrey Epstein angeklagt.

Bei der per Videoschaltung abgehaltenen Anhörung am 14. Juli soll es auch um Bedingungen für eine Freilassung der 58-jährigen Britin auf Kaution gehen, wie die zuständige Bundesrichterin Alison Nathan mitteilte. Die Staatsanwaltschaft will sich bei der Anhörung dafür einsetzen, dass Maxwell in Untersuchungshaft bleibt. Sie sieht bei der Angeklagten, die über einen britischen, einen französischen und einen US-Pass sowie über mindestens 15 Bankkonten mit einem Millionenguthaben verfügt, erhöhte Fluchtgefahr. Der Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell drohen bei einer Verurteilung bis zu 35 Jahre Gefängnis.

Netzwerk könnte nervös werden

Für viele Opfer, die Epstein nicht mehr im Gerichtssaal gegenübertreten können, ist nun Maxwell diejenige, die sie konfrontieren und hinter Gittern sehen wollen. Maxwell war vielen Aussagen zufolge so etwas wie eine Zuhälterin ihres Freundes und knüpfte die Kontakte zwischen den jungen Mädchen und den prominenten Freunden von Epstein.

Unter ihnen war auch der britische Prinz Andrew, dem sexueller Missbrauch einer Minderjährigen vorgeworfen wird. Doch der Royal streitet die Vorwürfe vehement ab. Auf einem Foto ist der Prinz mit der damals 17-jährigen Virginia Giuffre zu sehen, im Hintergrund des mittlerweile berühmten Bildes steht Ghislaine Maxwell. Giuffre zeigte sich in einem Interview in der australischen Sendung "60 Minutes" erleichtert über die Festnahme von Maxwell. "Dieser Tag war für mich einer der besten Tage meines Lebens", sie habe andauernd Freudentränen geweint, schildert sie. Aus ihrer Sicht habe die 58-Jährige viele Leben ruiniert. Sie rechnet außerdem damit, dass vor allem Prinz Andrew jetzt zittere, weil Ghislaine Maxwell auspacken könnte.

Dutzende Frauen hatten sich zum Epstein-Prozess zusammengefunden, um vor Gericht gegen ihn auszusagen. Doch nun könnten sie mit ihren Aussagen Ghislaine Maxwell - und möglicherweise andere Täter und Komplizen - für viele Jahre hinter Gitter bringen.

Quelle: sgu/AFP