Panorama

Philippinen globaler Hotspot Mehr sexuelle Kinder-Ausbeutung im Internet

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Experten fordern ein konsequenteres Vorgehen der Behörden gegen Pädokriminielle, die Kinder sexuell ausbeuten.

(Foto: imago/Panthermedia)

Sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet ist eine Form des Missbrauchs, die erst durch die globale Vernetzung möglich wurde. Eine Studie zeigt jetzt, dass sich allein die Fälle auf den Philippinen in kurzer Zeit verdreifacht haben.

Eine neue Studie deckt den dramatischen Anstieg von Fällen sexueller Online-Ausbeutung von Kindern auf den Philippinen auf. Unter der Leitung von International Justice Mission (IJM) in Zusammenarbeit mit 14 Partnern, darunter die philippinische Regierung und Ermittlungsbehörden aus Großbritannien, Kanada, den USA und Australien, wurde erstmals ein Überblick über globale Daten geschaffen.

Sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet - auf Englisch: Online Sexual Exploitation of Children (OSEC) - ist eine neue Form des sexuellen Kindesmissbrauchs, die erst durch die globale Vernetzung des Internets möglich wurde. Die Ausbeutung geschieht dabei in Echtzeit an einem Kind, häufig als live im Internet übertragener sexueller Missbrauch.

Material wird weltweit verkauft

Die Vergewaltigung oder erzwungene sexuelle Beziehungen von oder zwischen Kindern geschieht meistens durch eine ihnen nahe stehende Person - zum Beispiel ein Familienmitglied oder ein enger Freund der Familie. Diese verdienen daran, indem sie die Darstellungen an Pädokriminelle weltweit verkaufen.

Auf den Philippinen hat sich die Anzahl der IP-Adressen, die zu diesem Zweck verwendet werden, innerhalb von drei Jahren mehr als verdreifacht - von 43 auf 149 IP-Adressen von 10.000. Die Studie untersuchte 90 OSEC-Fälle, die zwischen 2011 und 2017 ermittelt wurden, mit 381 Betroffenen. Die Daten zeigen auch, dass die Philippinen ein globaler Hotspot für dieses Verbrechen sind, denn das Land hatte in den Jahren zwischen 2010 und 2017 mehr als achtmal so viele Überweisungen wie jedes andere Land.

Obwohl erstmals Daten aus so vielen unterschiedlichen Quellen ausgewertet wurden, war es dem Forschungsteam nicht möglich, die Prävalenz von sexueller Ausbeutung von Kindern im Internet zu messen. Der Grund: Elektronische Dienste zur Erfassung von internetgestützten Verbrechen gegen Kinder können Missbrauch in Live-Streams derzeit nicht feststellen.

Globale Zusammenarbeit nötig

Samson Inocencio Jr., der Leiter der philippinischen IJM-Büros, macht deshalb deutlich: "Die Hightech-Branche sollte der Aufdeckung aller Materialien zur sexuellen Ausbeutung von Kindern Vorrang einräumen - insbesondere im Fall von Live-Streaming - wegen der Schwere des Schadens, den wiederholte sexuelle Ausbeutung den Opfern zufügt."

Abgesehen davon, dass die Technologie- und Finanzindustrie proaktiv Verbrechen über Live-Streaming erkennt und darüber berichtet, empfiehlt die Studie auch eine größere internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden durch die Vermittlung ausländischer Polizeikontakte in den Herkunftsländern der Pädokriminellen, die für die OSEC-Inhalte bezahlen.

Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland, bestätigt das: "Wir müssen als eine globale Gemeinschaft handeln und die Straflosigkeit sowohl in Herkunftsländern wie den Philippinen als auch in Nachfrage-Ländern beenden. Es braucht von unserer Seite ein konsequenteres Vorgehen der Behörden gegen Pädokriminelle, die von Deutschland aus über das Internet Kinder auf den Philippinen sexuell ausbeuten."

Quelle: ntv.de, nan/dpa