Panorama

Skandal im Erzbistum Köln Missbrauchszahlen viel höher als bekannt

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Der Kölner Erzbischof Woelki hält eine Studie zum Missbrauch in seinem Bistum weiter zurück.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die Zahlen von Tätern und Opfern im Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln sind wohl mehr als doppelt so hoch als bisher angenommen. Laut Gutachten soll es rund 230 Beschuldigte und 270 Opfer geben. In Köln hält derweil der Ansturm auf Kirchenaustrittstermine an.

Vier Wochen vor der Vorlage eines Rechtsgutachtens zum Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln sind laut einem Zeitungsbericht erste Zahlen zu Tätern und Opfern bekannt geworden, die um mehr als das Doppelte über den bisherigen Angaben des Erzbistums liegen. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete, kam die vom Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki unter Verschluss genommene Studie der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zu ähnlichen Ergebnissen wie das Ersatzgutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke.

Das Münchner Gutachten nennt nach Information der Zeitung rund 230 Beschuldigte und mehr als 270 Opfer. Gercke bestätigte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" für das von ihm im Auftrag des Erzbistums erstellte Ersatzgutachten die zuvor bereits vom "Spiegel" genannten Zahlen von rund 200 beschuldigten Klerikern und rund 300 Opfern. "Es dürften die abschließenden Zahlen sein", sagte Gercke der Zeitung. Die bloßen Zahlen sind ohne Erläuterungen jedoch nur bedingt aussagekräftig.

Seitdem Woelki das Gutachten zurückhält, wächst in Köln die Zahl der Kirchenaustritte. Das enorm gestiegene Interesse an Online-Terminen führte am Freitag zu einer Überlastung des Servers. "Ich kann Ihnen sagen, dass wir mehr oder weniger zeitgleich etwa 5000 Zugriffsversuche hatten", sagte ein Sprecher des dafür zuständigen Amtsgerichts. Das habe den Server zusammenbrechen lassen, sodass die Buchungsseite vorübergehend nicht mehr abrufbar sei. Soweit er sich erinnern könne, sei das noch nie vorgekommen.

Wegen hoher Nachfrage hatte das Amtsgericht diese Woche angekündigt, die Zahl der Online-Termine für Kirchenaustritte nochmals aufzustocken. Fortan stünden pro Monat rund 500 zusätzliche Termine zur Verfügung, insgesamt dann 1500. Die Zusatztermine für März und April wurden am Freitag um 10 Uhr freigeschaltet. Daraufhin kam es zur Überlastung des Servers. Im Januar war die Zahl der Termine auch schon aufgestockt worden.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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