Panorama

Ganze Landstriche auf den Philippinen sind verwüstet Opfer von Taifun "Haiyan" bitten um Hilfe

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Blick auf die besonders betroffene Stadt Tacloban: Viele Menschen fühlen sich nach Taifun "Haiyan" an die Zerstörungen durch den Tsunami 2004 erinnert.

(Foto: REUTERS)

"Wir haben nichts, hier kommt nichts an": Die Opfer von Taifun "Haiyan" sind verzweifelt. Ihnen fehlt es an Trinkwasser und Essen. Weil Plünderungen um sich greifen, entsendet die Regierung weitere Sicherheitskräfte. Langsam laufen internationale Hilfsmaßnahmen an. Der inzwischen abgeschwächte Taifun fegt derweil über Vietnams und Chinas Küstenregionen hinweg.

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Im Taifun-verwüsteten Katastrophengebiet auf den Philippinen ist die Not weiter groß. "Wir haben nichts, hier kommt nichts an", berichtete Gilda Mainao aus der fast ganz zerstörten Stadt Tacloban im Rundfunk. "Bitte, bitte schickt uns Hilfe." Die Bilder aus der Region in den Zentralphilippinen erinnern an die Verwüstung nach dem verheerenden Tsunami 2004.

Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, Geduld zu üben. Viele hatten in ihrer Verzweiflung am Wochenende Geschäfte geplündert. Ein Hilfskonvoi wurde nach Angaben des Roten Kreuzes gestoppt und ausgeraubt.

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Langsam läuft auch die Nothilfe für die Taifunopfer an.

(Foto: REUTERS)

Tausende Menschen sind nach Schätzung der Behörden ums Leben gekommen. Ersten Angaben zufolge soll es allein in der Region um Tacloban mehr als 10.000 Tote geben. Überlebende suchten in Trümmerwüsten verzweifelt nach Essbarem und Trinkwasser. Einige Gebiete waren weiterhin überschwemmt. Die Hilfe kommt nur schleppend an, weil Flughäfen und Straßen zerstört sind. Mehrere Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen.

"Haiyan" erreicht Vietnam

Derweil erreichte Taifun "Haiyan" am späten Sonntagabend deutscher Zeit die Küste Vietnams. Der Wirbelsturm traf etwa 160 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Hanoi auf Land, wie das US-amerikanische Taifun-Warnzentrum JTWC mitteilte. Mehrere Provinzen meldeten heftigen Wind, starken Regen und Überschwemmungen, berichtete die Wetterbehörde. Ob und wie viele Menschen starben, wurde zunächst nicht bekannt.

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Mit Dauerregen und Stürmen erreichte "Haiyan" Vietnam.

(Foto: AP)

"Haiyan" schwächte sich nach Angaben der Meteorologen inzwischen deutlich ab und erreichte Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern. "Wir sind froh, dass der Sturm nicht so schlimm war wie zunächst befürchtet", sagte Francis Markus, Sprecher des Roten Kreuzes. Dennoch mussten landesweit mussten 600.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Auch die bei Touristen populäre Ha Long-Bucht war betroffen. "Touristen sind nicht zu Schaden gekommen und nicht in Gefahr", sagte der Vizedirektor der Tourismusbehörde in der Provinz Quang Ninh, Tran Van Luan. Die Bootsausflüge in die Bucht seien schon am Sonntag eingestellt worden. Am Dienstag gehe der Betrieb weiter. In der Region beginnt gerade die Hochsaison. Dort werden nach Angaben der Behörde täglich 2000 ausländische Touristen erwartet.

Tote und Zerstörungen in China

Tote und Zerstörungen gab es auch in der südchinesischen Provinz Hainan. Mindestens drei Menschen starben, als heftiger Sturm und sintflutartige Regenfälle auf die östlich von Nordvietnam gelegene Inselprovinz niedergingen, wie das Büro für Zivile Angelegenheiten der Region mitteilte. Eine siebenköpfige Crew eines Frachtschiffs galt nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua als vermisst. 39.000 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden. Auch die nahe gelegenen südchinesischen Provinzen Guangxi und Guangdong wurden laut der Agentur von den Ausläufern "Haiyans" getroffen.

"Haiyan" war der gewaltigste Taifun, der je Land erreicht hat. Am Freitag war er mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern auf die ostphilippinischen Inseln Leyte und Samar getroffen und hinterließ eine Schneise der Verwüstung über Hunderte Kilometer. Präsident Benigno Aquino warf nach einem Besuch im Katastrophengebiet die Frage auf, warum die Behörden nicht mehr Menschen vorher in Sicherheit gebracht haben.

Die Polizei hat inzwischen Hundertschaften zur Verstärkung nach Tacloban geschickt. Dort soll eine Ausgangssperre verhängt werden, berichteten Lokalmedien. "Die Leute sagen, die Situation zwingt die Menschen zu Verzweiflungstaten", sagte Polizeisprecher Reuben Sindac im Fernsehen. "Wir haben Verständnis, aber wir können keine Anarchie akzeptieren."

Hilfsgüter aus aller Welt

Angesichts des verheerenden Ausmaßes der Katastrophe wurde weltweit Hilfe mobilisiert. Die Bundesregierung sagte 500.000 Euro Soforthilfe zu, die EU-Kommission drei Millionen Euro. Auch andere Regierungen sowie zahlreiche Hilfsorganisationen leiteten Unterstützungsmaßnahmen ein. Insgesamt waren mehr als vier Millionen Menschen von den Auswirkungen des Wirbelsturms betroffen.

Im Hafen von Tacloban kam nach Angaben des Roten Kreuzes am Sonntagabend ein Versorgungsschiff mit 140 Tonnen Hilfsgütern an. Aus Frankfurt wurden am Sonntag 25 Tonnen Hilfsgüter nach Manila geflogen, darunter Decken, Zelte und Medizintechnik der Hilfsorganisationen World Vision und I.S.A.R Germany. Auch Experten des Technischen Hilfswerks THW waren auf dem Weg.

Die Katastrophe sollte auch auf dem in Indien beginnenden Treffen der sogenannten Asem-Runde mit mehr als 30 Außenministern aus Asien und Europa thematisiert werden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sicherte dort den Philippinen weitere deutsche Unterstützung zu.

Auch die USA sagten umfangreiche Hilfsleistungen zu. In das Krisengebiet sollen Soldaten und militärische Ausrüstung entsandt werden, wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilte. Der Fokus liegt nach Angaben der Armee zunächst auf Such- und Rettungsmaßnahmen sowie der logistischen Unterstützung. Ein Expertenteam sei vor Ort, um die benötigte Unterstützung abzuschätzen, sagte ein Militärsprecher.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich bestürzt über das Ausmaß der Zerstörung. Er sei "tief betrübt" über die Opfer des Unwetters und den Schaden, den der Taifun angerichtet habe, erklärte Obama. 90 Soldaten und Matrosen einer Eingreiftruppe sowie zwei Flugzeuge wurden den Angaben zufolge bereits am Samstag aus Japan in die Krisenregion verlegt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP

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