Panorama

Randale in Berlin-Mitte Polizei beendet "Köpi"-Räumung - 53 Festnahmen

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Ein Polizist versucht sich Zugang zum Wagencamp zu verschaffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Räumung des Wagencamps "Köpi" in Berlin-Mitte holt die Polizei knapp 40 Menschen vom Gelände. Es gibt zahlreiche Festnahmen - auch unter Demonstranten mit denen die Beamten an einander geraten. Eigentümer-Vertreter können das Gelände betreten.

Bei der Räumung des linksautonomen Wagencamps "Köpi" im Berliner Bezirk Mitte hat die Polizei am heutigen Freitag 38 Bewohner vom Gelände geholt. Bei ihnen seien die Personalien aufgenommen worden. Zudem habe es 53 zeitweise Festnahmen gegeben. Das schließe die Demonstranten rund um das Gelände an der Köpenicker Straße mit ein. Begleitet von Polizisten betrat am frühen Nachmittag eine Gerichtsvollzieherin das Gelände.

Schon vor der Räumung war es zu Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei rund um das abgesperrte Gelände gekommen. Es waren 2000 Polizisten im Einsatz, zu 700 Berliner Beamten kamen Bundespolizisten aus anderen Bundesländern. Reporter vor Ort beobachteten, wie Beamte und Unterstützer des Projekts aneinander gerieten. Die Polizei hatte in Seitenstraßen Hunderte Beamte und Räumgerät zusammengezogen.

Die Bewohner hatten erklärt, sie würden am "Tag X" nicht "kampflos" aufgeben. Das Wagencamp präsentierten sie als autonomen, von Profitgier bedrohten Freiraum und als Zuhause für Dutzende Menschen. Ihr Anwalt Moritz Heusinger sagte am Freitag, die Bewohner seien "am Rande des Nervenzusammenbruchs" und fürchteten um ihre Lebensgrundlage. Eine Sprecherin des Projekts rief vor Beginn der Polizeiaktion per Megaphon, ein Vormarsch auf das Gelände würde Menschenleben gefährden. Man lasse sich "das nicht gefallen", sagte sie und beschimpfte die Polizei. Vom Gelände stieg auch Rauch auf.

Linksfraktion: Wertsteigerung durch Räumung des Objekts

Aus Sicht der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus hätte die Eskalation durchaus vermieden werden können. Der Eigentümer habe das Grundstück über Makler zum Verkauf angeboten und sich in Verhandlungen bereit gezeigt, es an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen, teilte die Linksfraktion mit. Kaufpreis, Kaufvertrag und Notartermin hätten bereits festgestanden. "Dann ließ der Eigentümer die Verhandlungen platzen." So wolle "der Immobilienkonzern hier offenbar den Wert seines Spekulationsobjektes durch eine Räumung erhöhen lassen", mutmaßte die Linksfraktion.

Das Wagencamp auf einem Gelände an der Köpenicker Straße gilt als eines der letzten Symbolprojekte der linken Szene in Berlin. Auf dem rund 2600 Quadratmeter großen Grundstück neben einem seit 1990 besetzten Haus am ehemaligen Mauerstreifen wohnen etwa 40 Menschen in Bauwagen. Der Grundstückseigentümer hatte mit Hinweis auf eine Baugenehmigung im Juni erfolgreich auf Räumung geklagt. Einen Eilantrag der Bewohner zum Stopp der Zwangsvollstreckung wies das Berliner Kammergericht am Mittwoch ab. Die Polizei betonte, dass sie nur im Zuge der Amtshilfe tätig geworden sei.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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