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Großeinsatz im Westen von Berlin Polizei räumt Botschaft von Kamerun

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Nächtliche Aufregung in der Ulmenallee im Berliner Ortsteil Westend: Die Polizei sichert das idyllisch gelegene Gebäude der Botschaft von Kamerun ab.

(Foto: dpa)

Heikler Polizeieinsatz in der deutschen Hauptstadt: Unbekannte dringen in die diplomatische Vertretung des afrikanischen Staats Kamerun ein. Beamte umstellen das Gebäude. Die Botschaftsbesetzer stellen politische Forderungen.

Die Botschaft der Republik Kamerun in Berlin-Westend ist in der Nacht besetzt worden. Sieben Männer und eine Frau drangen laut Polizei in das Gebäude ein. Geiseln nahmen die Botschaftsbesetzer nicht. Mit der Aktion wollten sie nach eigenen Angaben eine politische Aussage treffen. Weitere Einzelheiten dazu nannte die Polizei nicht. Allerdings gab es eine ähnliche Aktion auch in der kamerunischen Botschaft in Frankreich.

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Staatschef von Kamerun seit 1982: Paul Biya.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Berlin rückte die Polizei mit einem großen Aufgebot in der Ulmenallee an, sie brachte die Menschen aus der Botschaft und nahm ihre Personalien auf. Der Einsatz konnte am frühen Morgen beendet werden. Bei dem Einbruch in das Gebäude kam es zu Sachschäden unter anderem in den Büros. Verletzte wurde niemand. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

Eine ähnliche Aktion gab es dieses Wochenende auch in Paris: Dort protestierten die Aktivisten gegen Präsident Paul Biya und seine umstrittene Wiederwahl. Rund 50 Demonstranten drangen in die Botschaft Kameruns ein. Sie übertrugen von dort live via Facebook Videos davon, wie sie unter anderem Porträts von Staatschef Paul Biya zerstörten. Nach zwei Stunden vertrieb die Pariser Polizei die Demonstranten, die anschließend vor dem Gebäude weiter protestierten.

Der 85-jährige Präsident hatte sich Anfang Oktober für eine siebte Amtszeit bestätigen lassen. Die Oppositionspartei Bewegung für die Wiedergeburt Kameruns (MRC) des unterlegenen Kandidaten Maurice Kamto erkannte die Wahl des seit 36 Jahren herrschenden Staatschefs unter Verweis auf Wahlbetrug nicht an und hält seither regelmäßig ungenehmigte Proteste ab. In dem mehrheitlich frankophonen Vielvölkerstaat gibt es zudem eine erstarkende Unabhängigkeitsbewegung der englischsprachigen Minderheit.

"Das Land befindet sich derzeit aufgrund gewalttätiger sezessionistischer Bestrebungen in den beiden englischsprachigen Regionen Nordwest und Südwest, in denen circa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung leben, in einer innenpolitischen Krise", heißt es in einem Überblick des deutschen Auswärtigen Amtes. Ob die Besetzung der Botschaft in Berlin damit in einem Zusammenhang steht, ist jedoch bisher unklar.

Eng mit Deutschland verbunden

Die diplomatische Vertretung von Kamerun liegt im Westen der Hauptstadt in einer durch freistehende Mehrfamilienhäuser und ehemalige Stadtvillen geprägten Wohngegend. Der Ortsteil Berlin-Westend liegt rund sieben Kilometer westlich des Brandenburger Tors. Deutschland und Kamerun sind historisch eng miteinander verbunden. Bis zum Ersten Weltkrieg war das heutige Staatsgebiet an der zentralafrikanischen Atlantikküste Teil des deutschen Kolonialreichs.

In Kamerun leben heute Schätzungen zufolge rund 23,3 Millionen Menschen, die mehrheitlich Englisch oder Französisch sprechen. Hauptstadt des Landes ist Jaunde mit rund zwei Millionen Einwohnern. In der Fläche ist das größtenteils in der tropischen Klimazone liegende Staatsgebiet rund ein Drittel größer als Deutschland. Im Grenzgebiet zu Nigeria sind islamistische Milizen der Terrororganisation Boko Haram aktiv.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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