Panorama

Virtuelle Sitzung gehackt Porno stört Anhörung von Twitter-Hacker

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Laut Staatsanwaltschaft erbeuteten die Hacker mit ihrer Masche mehr als 100.000 Dollar.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Mitte Juli werden die Twitter-Konten von Bill Gates, Barack Obama und anderen Prominenten gehackt. Hinter dem Cyberangriff steckt wohl ein 17-Jähriger. Dessen erste Gerichtsanhörung findet online statt - und endet im Chaos.

Eine Online-Gerichtsanhörung in den USA mit dem 17-jährigen mutmaßlichen Drahtzieher des großangelegten Hackerangriffs auf Twitter-Konten von Prominenten ist laut Medienberichten durch die Einblendung von Rap-Musik und Pornografie gestört worden. Die Anhörung am Mittwoch fand auf der in der Corona-Krise populär gewordenen Plattform Zoom statt. Die Störungen durch Cyberangriffe waren jedoch so häufig, dass der Richter die Anhörung zeitweise aussetzte, wie die "Tampa Bay Times" berichtete.

Bei dem Termin ging es um die Höhe der Kaution für den 17-Jährigen. Diese war auf 725.000 Dollar festgesetzt worden, was etwa 630.000 Euro entspricht. Die Anwälte des Teenagers hielten das für zu hoch und versuchten in der Anhörung eine Reduzierung zu erreichen. Nach der zeitweiligen Unterbrechung wegen der Hackerattacken entschied der Richter jedoch, dass die Höhe der Kaution nicht verringert wird. Laut "Tampa Bay Times" dürfte der 17-Jährige über mehrere Millionen Dollar verfügen. Bei Ermittlungen gegen ihn seien letztes Jahr Bitcoin-Konten im Wert von vier Millionen Dollar beschlagnahmt und dem Jugendlichen später größtenteils wieder zurückgegeben worden.

Die bei der Anhörung genutzte Videokonferenz-Plattform Zoom steht bereits seit Längerem in der Kritik, nicht sicher genug gegen Hackerangriffe und Datendiebstahl zu sein. Nutzer hatten sich immer wieder darüber beschwert, dass der Dienst nicht komplett verschlüsselt ist. Diesbezüglich läuft auch eine Sammelklage gegen den Konzern in den USA. Über den aktuellen Fall zeigte sich das Unternehmen einer Sprecherin zufolge "zutiefst bestürzt", Zoom verurteile ein solches Verhalten aufs Schärfste. Wo es angebracht sei, arbeite Zoom eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Der 17-Jährige war am Freitag in Tampa im Bundesstaat Florida festgenommen worden. Er wurde von den Ermittlern als der "führende Kopf" hinter dem "Bit-Con"-Hackerangriff bezeichnet, bei dem unter anderem die Twitter-Konten von Ex-Präsident Barack Obama, Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk gekapert worden waren. Bei einem Gerichtstermin am Dienstag plädierte der junge Mann auf nicht schuldig.

Zusammen mit dem 17-Jährigen werden auch ein 19-Jähriger aus Großbritannien und ein 22-Jähriger aus Orlando in Florida von den Ermittlern wegen des Hackerangriffs von Mitte Juli beschuldigt. Auf den gekaperten Konten war ein Aufruf erschienen, binnen 30 Minuten Bitcoins zu überweisen. Angeblich sollte dies mit einer Rückzahlung in doppelter Höhe belohnt werden.

Über hundert Accounts gekapert

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Beschuldigten so Kryptowährung im Wert von mehr als 100.000 Dollar erbeutet haben. Gegen den 17-Jährigen wurden 30 Anklagepunkte eingereicht, unter anderem Betrug in zahlreichen Fällen, Missbrauch persönlicher Daten und unerlaubtes Eindringen in Computersysteme. Er werde von der Justiz angesichts der Schwere der Vergehen als Erwachsener behandelt, weswegen ihm eine längere Haftstrafe drohen könnte, erklärte der zuständige Staatsanwaltschaft Andrew Warren.

Experten zufolge hätte ein ausgefeilterer Hack - etwa durch einen gezielten Spendenaufruf oder eine politische Botschaft - noch deutlich größeren Schaden anrichten können als der recht offensichtlich verdächtige Bitcoin-Aufruf. Der Zugriff der Justiz sei das Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Bundespolizei FBI und anderen Behörden, erklärte Warren.

Twitter hatte nach dem für das Unternehmen sehr peinlichen Hack erklärt, einige Mitarbeiter seien "manipuliert" worden und die Angreifer hätten sich mit deren Login-Daten Zugriff auf interne Systeme der Firma verschaffen können. Bei der Attacke waren 130 Accounts betroffen gewesen.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP/dpa

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