Panorama

Vier Tote an einer Ampel SUV-Unfall in Berlin noch nicht aufgeklärt

780f8d2cd699f32643892f0e42fd4663.jpg

Kerzen erinnern an die vier Toten des schweren Verkehrsunfalls in Berlin.

(Foto: dpa)

Warum starben vier Menschen? Was passierte wirklich an diesem Freitagabend in Berlin-Mitte? Der schwere Unfall, bei dem ein SUV auf den Gehweg raste, beschäftigt eine ganze Ermittlungsgruppe. Noch immer gibt es mehr Fragen als Antworten.

Steht inzwischen die Unfallursache fest?
Nein, die Ermittlungen laufen noch. Die Polizei durchsuchte bereits am Freitag die Wohnung des Fahrers. "Dabei wurden Beweismittel sichergestellt. Sie müssen jetzt ausgewertet werden", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

*Datenschutz

Welchen Ermittlungsansatz verfolgt die Polizei?
Schon direkt nach dem Unfall gab die Mutter des Fahrers den Hinweis, ihr Sohn könnte einen epileptischen Anfall gehabt haben. Die Frau hatte auf dem Beifahrersitz gesessen. Mit dieser These hängt auch die Hausdurchsuchung zusammen.

Lässt sich das nicht medizinisch klären?
Prinzipiell schon. Allerdings sagte der Fahrer, gegen den wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, bisher bei der Polizei nicht aus. Von der Staatsanwaltschaft hieß es inzwischen, der Anwalt des Mannes habe eine Erklärung abgegeben und darin bestätigt, "dass eine akute gesundheitliche Problematik Ursache des Unfall gewesen sein könnte". An die Patientenakte des Mannes kommt die Polizei nicht heran, weil für die Akte wegen der ärztlichen Schweigepflicht ein sogenanntes Beschlagnahmeverbot gilt. Nur der Fahrer kann die Akte freigeben. Das hat er aber bislang nicht getan. Aufschluss könnten aber die bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Beweismittel, wie beispielsweise Medikamente oder Rezepte geben.

Was ist überhaupt passiert?
Das Auto war am 6. September kurz nach 19 Uhr an der Invaliden- Ecke Ackerstraße in Berlin-Mitte auf den Gehweg gerast. Dabei erfasste es vier an einer Ampel wartende Fußgänger und schleuderte durch einen Zaun auf ein Baugrundstück. Vier Menschen starben noch an der Unfallstelle.

Was könnte noch die Unfallursache gewesen sein?
Außer menschlichem Versagen wird auch untersucht, ob der Unfallwagen, ein Porsche SUV, möglicherweise ein technisches Problem hatte. Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls aufklären und kann unter anderem auf Dashcam-Aufnahmen eines Taxifahrers zurückgreifen. Ein Aufruf, weitere Filme oder Fotos von dem Unfall hochzuladen, blieb bislang ohne Ergebnis. Allerdings wurden noch einmal ausführlich Zeugen vernommen, die am Unfalltag lediglich kurz Kontakt mit der Polizei hatten. Ein Vorsatz wird ausgeschlossen.

Wer sind die Opfer?
Die Toten sind ein drei Jahre alter Junge und seine 64-jährige Großmutter, außerdem zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren. Der kleine Junge lebte mit seiner Familie ganz in der Nähe der Unfallstelle, ebenso wie nach RTL-Informationen der Unglücksfahrer. Bei dem 28-jährigen Toten handelt es sich um einen Doktoranden der britischen Cambridge-Universität, der 29-Jährige war sein Partner. Die beiden hatten Medienberichten zufolge einen Umzug nach Berlin vorbereitet. Verletzt wurden in dem SUV der 42-jährige Fahrer, seine sechsjährige Tochter und seine Mutter.

Gibt es denn schon Konsequenzen aus dem Unfall?
Ein Anwohner startete einen Aufruf im Internet, in dem die Einrichtung einer Tempo-30-Zone, Zebrastreifen und Ampeln zur Verkehrsberuhigung für die Umgebung des Unfallortes gefordert wird. Die Onlinepetition haben schon über 10.000 Menschen unterschrieben. Der Verkehr in der Invalidenstraße habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, schrieb der Initiator, ein mehrfacher Vater. Sichere Wege für Schul- und Kita-Kinder seien dringend nötig. Der Vorfall löste eine Debatte über Beschränkungen der schweren Fahrzeuge in Innenstädten aus. Auf der Plattform "Weact.Campact" wurde eine Petition gegen SUVs in Städten gestartet, die bislang von rund 6500 Personen unterstützt wird. Am vergangenen Freitag versammelten sich rund 100 Menschen in einer Kirche in Berlin-Mitte, um der Todesopfer zu gedenken.

Quelle: n-tv.de, sba