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Missbrauch und Belästigungen Skandal erschüttert Nobelpreis-Akademie

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Die Schwedische Akademie in Stockholm ist für die Auswahl der Literaturnobelpreisträger zuständig.

(Foto: imago/imagebroker)

Ein hochrangiger Kulturfunktionär soll über Jahre Frauen an der Schwedischen Akademie belästigt oder missbraucht haben. Die für die Auswahl der Literaturnobelpreisträger zuständige Einrichtung kappt die Beziehungen zu dem Mann. Dieser streitet alles ab.

Der Skandal um sexuelle Übergriffe und Belästigungen hat nun auch die renommierte Schwedische Akademie erreicht, die für die Auswahl der Literaturnobelpreisträger zuständig ist. Nach Enthüllungen der Zeitung "Dagens Nyheter", wonach ein der Akademie nahestehender hochrangiger Kulturfunktionär über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Frauen oder Töchter von Akademiemitgliedern und Mitarbeiterinnen belästigt oder missbraucht haben soll, beschloss die Akademie, alle Beziehungen zu dem Mann zu kappen.

Insgesamt 18 Frauen berichteten "Dagens Nyheter" diese Woche, wie sie von dem Mann, der zu den einflussreichsten Funktionären der schwedischen Kulturszene zählt, belästigt und in einem Fall sogar vergewaltigt worden seien. Seinen Namen nennt die Zeitung nicht, doch ist er nach ihren Angaben mit einer Schriftstellerin mit "engen Verbindungen zur Akademie" verheiratet. Laut einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" soll es sich um den französischstämmigen Jean-Claude Arnault handeln, wie die Zeitung mit Verweis auf den Fernsehsender TV 4 schrieb.

In Stockholm betreibt der mutmaßliche Sex-Verbrecher demnach eine Kulturstätte, die von der Akademie mitfinanziert wird und in der auch immer wieder Lesungen von Literaturnobelpreisträgern stattfanden. Vor allem dort sollen einige der Übergriffe stattgefunden haben, aber auch in Wohnungen in Stockholm und Paris, die ihm von der Akademie zur Verfügung gestellt wurden.

In Stockholmer Wohnung vergewaltigt

Eine der Zeuginnen berichtete der Zeitung, wie sie von dem Mann in einer Wohnung in Stockholm vergewaltigt wurde, eine andere, wie er sie während eines Nobel-Banketts begrapschte. Die Vorwürfe reichen über einen Zeitraum von 20 Jahren bis heute.

Die Schriftstellerin Elise Karlsson berichtete der Nachrichtenagentur AFP, wie sie im Jahr 2008 im Alter von 27 Jahren zum Opfer des Mannes wurde. Sie habe plötzlich seine Hände auf ihrem Hintern gespürt, ihm gesagt, er solle sie nicht betatschen und ihn geohrfeigt. Bevor sie geflüchtet sei, habe der Mann ihr noch gedroht, dass sie keine Arbeit mehr finden würde.

Da ihre Arbeit damals sehr unsicher gewesen sei, habe sie sich niemandem anvertrauen können, berichtete Karlsson. Es sei aber bekannt gewesen, dass er sich vor allem "junge und verletzliche" Opfer gesucht habe, fügte sie hinzu. Auch andere Frauen berichteten, sie hätten lieber geschwiegen, als ihre Karriere zu riskieren, da sie von seinen engen Kontakten zu Verlegern, Produzenten, berühmten Regisseuren oder Komponisten wussten.

Affäre könnte dem Nobelpreis schaden

Nach den Worten des Verlegers Svante Weyler begünstigte die Intransparenz um die Entscheidungen der Schwedischen Akademie, die auch für weitere Preise und Stipendien zuständig ist, dieses "Gesetz des Schweigens": "Viele hängen vom guten Willen der Akademie ab, aber da niemand weiß, was diesen guten Willen beeinflusst, zieht man es vor, nichts zu sagen."

Der Direktor der Nobelstiftung, Lars Heikenstein, sagte "Dagens Nyheter", er befürchte bereits, die Affäre könnte "dem Nobelpreis schaden". Die ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, sagte nach der Krisensitzung, weibliche Mitglieder, Familienmitglieder oder Mitarbeiterinnen seien Opfer einer "unerwünschten Intimität oder unangemessenen Verhaltens" des Mannes gewesen. Kulturministerin Alice Bah Kuhnke bedauerte, ihm 2015 einen hohen königlichen Orden verliehen zu haben - damit erhärtet sich der Verdacht, dass es sich bei dem mutmaßlichen Frauenpeiniger tatsächlich um Jean-Claude Arnault handelt, der 2015 der Nordstjärneorden erhielt.

Der Beschuldigte selbst wollte sich auf Anfrage von AFP nicht äußern. Gegenüber "Dagens Nyheter" hatte er zuvor alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Quelle: n-tv.de, kst/AFP

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