Panorama

Maskerade des Verbrechens So sucht Europol die gefährlichsten Frauen

Sie werden wegen Mordes, Drogenhandels, Geldwäsche und Betrugs gesucht: Europas schlimmste Straftäterinnen. Mit einer besonderen Aktion, die an eine Kunstinszenierung erinnert, will Europol die Gesichter bekannt machen und hofft auf die entscheidenden Hinweise.

Mit einer neuen Kampagne ruft Europol die Bevölkerung zur Mithilfe beim Aufspüren der meistgesuchten Verbrecherinnen Europas auf. Von den 21 Personen der Most-Wanted-Kampagne sind in diesem Jahr 18 Frauen. "Verbrechen kennt kein Geschlecht", heißt die Aktion der europäischen Polizeibehörde in Den Haag. Gesucht werden die Frauen wegen Verbrechen wie Mord, Menschenhandel, Betrug oder Raub.

Eigentlich sucht die Behörde der Europäischen Union deutlich mehr Täter. Aber die 21 Auserwählten haben mit ihren Straftaten vermutlich werbeträchtigen Stoff geliefert. Wie etwa Hilde van Acker aus Belgien, die zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt worden ist. Die inzwischen 56-Jährige soll 1996 einen Mann getötet haben und seit dem Urteilsspruch 2011 auf der Flucht sein.

Seit zwei Jahren ist laut Europol Jessica Esohe Edosomwan auf der Flucht. Sie wird in Frankreich gesucht und soll Teil eines kriminellen Netzwerks sein, das dort den Menschenhandel koordiniert. Ihr Prozess soll eigentlich in diesem Monat stattfinden.

Die 20-jährige Lettin Angelina Sacjuka ist zu fast vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie soll eine Frau so zusammen geschlagen haben, dass diese an den Folgen starb. Zusammen mit einem Komplizen versteckte sie die Leiche unter einem Laubhaufen.

Bewusstsein für weibliche Täter stärken

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Europol versteckt die Gesichter der Gesuchten erst hinter Masken. Nur wer klickt und weiter scrollt, wird mit dem Klarbild belohnt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Europol will mit dieser Kampagne nach eigenen Angaben Bewusstsein dafür schaffen, dass es Täterinnen gibt. "Frauen sind genau wie Männer in der Lage, schwere Verbrechen zu begehen", betonen die Ermittler. In den vergangenen Jahrzehnten sei die Zahl der Frauen, die kriminell würden, gestiegen - wenn auch langsamer als die vergleichbare Zahl bei den Männern.

Auf der Website sind die Fotos der Gesuchten zunächst mit Masken verdeckt. Beim Draufklicken wird das Gesicht enthüllt, zusätzlich werden Informationen zur Person und zu den ihnen angelasteten Verbrechen sichtbar.

Tipps können anonym abgegeben werden

Von einer "Maskerade des Verbrechens" spricht Europol. Tipps zu den Gesuchten können direkt auf der Website anonym hinterlassen werden. Sie werden dann an die entsprechenden nationalen Ermittler weitergegeben.

Seit drei Jahren läuft die Most-Wanted-Aktion von Europol. Bisher wurden nach Europol-Angaben 69 der Gesuchten festgenommen. In mindestens 21 Fällen sei der entscheidende Tipp über die Website gekommen.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa