Panorama

Verzweiflung in Texas US-Klinik schickt Patienten zum Sterben heim

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Viele US-Bundesstaaten haben das Coronavirus nie richtig eingedämmt.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Drei Wochen lang verzeichnet Starr County keinen einzigen Corona-Fall. Doch nachdem die Einschränkungen fallen, wird das einzige Krankenhaus des Bezirks mit Patienten überschwemmt. Nun legt ein sogenannter Todes-Ausschuss fest, wer behandelt wird und wer nicht.

Im texanischen Starr County nimmt die Corona-Krise dramatische Züge an. Die Lokalzeitung "Forth Worth Star-Telegram" berichtet, dass das einzige Krankenhaus des Bezirks, das Starr County Memorial Hospital, damit beginnen wird, Covid-19-Patienten, bei denen keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht, zum Sterben nach Hause zu schicken. Damit solle sichergestellt werden, dass das Krankenhaus seine begrenzten Behandlungsmöglichkeiten auf diejenigen Patienten konzentriert, die geheilt werden können.

Demnach befindet sich Starr County, wenige Wochen nachdem der texanische Gouverneur Greg Abbott gegen den Willen der lokalen Behörden nahezu alle Corona-Einschränkungen aufgehoben hat, an einem gefährlichen "Wendepunkt": Das Krankenhaus werde mit Covid-19-Patienten überflutet, heißt es in dem Bericht. Nachdem der Bezirk am Anfang der Pandemie etwa drei Wochen lang gar keinen Fall registriert hatte, ist die Zahl nach dem Ende des Lockdowns in Texas auf aktuell 92 per 100.000 Einwohner pro Tag nach oben geschnellt.

Die acht Intensivbetten des Krankenhauses seien schnell belegt gewesen, sagt Jose Vasquez, der Gesundheitschef des Bezirks in dem Bericht. Anschließend seien die Kapazitäten auf 17 und dann noch einmal auf 29 erhöht worden. Inzwischen habe Gouverneur Abbott die Armee angewiesen, in Bezirken wie Starr County medizinische Hilfe zu leisten. Trotzdem müssten täglich Patienten in andere Bezirke und sogar in andere Bundesstaaten verlegt werden, sagt Gesundheitschef Vasquez. Aber auch dort gebe es kaum noch freie Betten. Deshalb sei die neue Regelung notwendig.

"Wir sind verzweifelt"

Texas gehört zusammen mit Kalifornien und Florida derzeit zu den schlimmsten Coronavirus-Hotspots in den USA. Allein in den vergangenen sieben Tagen sind nach Zählung der "New York Times" 64.588 Infektionen in dem "Lone Star State" nachgewiesen worden. Zu den besonders betroffenen Regionen gehört Starr County ganz im Süden des Bundesstaats an der mexikanischen Grenze mit 1700 bestätigten Infektionen und 17 bestätigten Todesfällen bei etwa 61.000 Einwohnern. Mindestens 32 weitere Todesfälle seien bereits bekannt, müssten aber noch bestätigt werden, sagte Vasquez.

Deshalb soll nun ein sogenannter Todes-Ausschuss Kriterien für die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte festlegen, um die begrenzten medizinischen Ressourcen bestmöglich zu verteilen. Dazu gehört laut Bericht auch die Frage, welche Patienten die besten Chancen auf Genesung haben. "Wir sind verzweifelt", sagte Vasquez. "All jene Patienten, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit so gut wie keine Chancen auf eine Verbesserung ihres Zustandes bestehen, sind besser dran, wenn sich ihre Familien in ihrem Zuhause um sie kümmern, als wenn sie Tausende Kilometer entfernt allein im Krankenhaus sterben." Nach der dramatischen Verschlechterung der Situation gilt in Starr County mittlerweile erneut eine Ausgangsbeschränkung für die Bevölkerung.

Quelle: ntv.de, chr

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