Panorama

Notstand im Bundesstaat New York Virus-Angst erreicht die USA

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Testkits vom Hubschrauber abgeworfen: Die Hälfte der Untersuchten auf der "Grand Princess" hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

(Foto: picture alliance/dpa)

US-Präsident Trump befürchtet, dass das Kreuzfahrtschiff vor Kalifornien ihm seine Corona-Statistik verderben könnte. Tatsächlich ist fast die Hälfte der Getesteten positiv. Derweil wird bekannt, dass Trump mit einem Erkrankten an einer Konferenz teilgenommen hat.

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus - und wird zunehmend auch zur wirtschaftlichen Herausforderung. Der US-Bundesstaat New York verhängte den Notstand. Auch in den Bundesstaaten Kalifornien, Maine und Washington an der Westküste der USA gilt bereits der Notstand. Laut Zählungen der "New York Times" gab es in den USA bis zum Nachmittag rund 350 bestätigte Fälle und 17 Tote. Auf dem vor Kalifornien festsitzenden Kreuzfahrtschiff "Grand Princess" ist bei ersten Untersuchungen bei fast der Hälfte der getesteten Menschen eine Coronavirus-Infektion festgestellt worden. Bei 46 Tests seien 21 Infektionen bestätigt worden, teilte US-Vizepräsident Mike Pence mit, der von einer hohen Zahl an Infizierten unter den 3533 Menschen an Bord ausgeht.

Die bisher nachgewiesenen Infektionen auf der "Grand Princess" betreffen 19 Besatzungsmitglieder und zwei Passagiere. Es sollten alle Menschen an Bord getestet und bei Bedarf auf dem Schiff unter Quarantäne gestellt werden, sagte Pence, der von US-Präsident Donald Trump mit der Koordination der Maßnahmen gegen die Epidemie beauftragt worden war. Er erwartet vor allem unter den rund 1100 Besatzungsmitgliedern eine hohe Zahl an Infizierten. Die "Grand Princess" liegt seit Mittwoch vor San Francisco, nachdem bei zwei zuvor auf dem Schiff reisenden Menschen eine Coronavirus-Infektion festgestellt worden war.

Im Kampf gegen die Epidemie will Pence vier Millionen Testsets in die betroffenen Bundesstaaten liefern lassen. Erstmals wurden inzwischen auch Todesfälle von der Ostküste des Landes gemeldet: In Florida starben zwei Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19.

In der Hauptstadt Washington wurde derweil bekannt, dass ein Teilnehmer bei einer Veranstaltung mit US-Präsident Trump und seinem Vize positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurde. Wie die Organisation "American Conservative Union" via Twitter mitteilte, hatte der Mann die Jahresversammlung konservativer Aktivisten und Parlamentarier (CPAC) besucht, die vom 26. bis zum 29. Februar in der Nähe von Washington stattfand.

Dort traten auch Trump, Pence sowie andere Kabinettsmitglieder und hochrangige Vertreter des Weißen Hauses auf. Zwischen dem Infizierten und Trump oder Pence habe es aber "keine Interaktion" gegeben, weil sie nicht in derselben Halle gewesen seien, erklärten die Organisatoren. Der Infizierte wird demnach im Bundesstaat New Jersey medizinisch betreut und steht unter Quarantäne.

Weltweit 102.000 Infektionen: Fälle in China weiter rückläufig

Weltweit wurden inzwischen mehr als 102.000 amtlich gemeldete Infektionen gezählt, mehr als 3500 Menschen starben an der erstmals in China aufgetretenen Krankheit. In der Volksrepublik ging die Zahl der Neu-Infektionen allerdings den dritten Tag in Folge zurück.

Zu den größten Krisenherden außerhalb Chinas zählen Südkorea und der Iran. In Südkorea wurden zwei komplette Wohnblocks in der Millionenstadt Daegu abgeriegelt. Unter den 140 Bewohnern sind 94 Anhänger der christlichen Sekte Shincheonji Church of Jesus, mit der die meisten der knapp 6800 Infektionsfälle in Südkorea im Zusammenhang stehen. Im Iran stieg die Zahl der Todesfälle nach Angaben des Gesundheitsministeriums um 21 auf insgesamt 145. Die Zahl der Infektionen erhöhte sich binnen 24 Stunden um mehr als tausend auf insgesamt 5823.

Nächtliche Krisensitzung in Italien

Der größte Infektionsherd in Europa ist Italien, wo das Kabinett in einer nächtlichen Krisensitzung neue Maßnahmen beschloss: So begann die Regierung damit, Ärzte aus dem Ruhestand zu holen. Insgesamt sollen 20.000 neue Mitarbeiter für das Gesundheitssystem rekrutiert werden, vor allem Krankenschwestern und -pfleger. Zudem soll in den kommenden Tagen die Zahl der Betten in den Intensivstationen von 5000 auf 7500 erhöht werden.

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In Italien gibt es fast 5600 Infizierte. Die Zahl der Todesopfer war am Samstag auf 233 gestiegen. Binnen 24 Stunden wurden somit 36 Tote und 1247 Infektionen mehr gemeldet, was den höchsten Sprung seit dem ersten Auftreten des Virus in Italien bedeutet. Angesichts der Lage wird der Papst sein traditionelles Angelus-Gebet am Sonntag nicht wie üblich persönlich vom Fenster aus sprechen. Vielmehr wird der 83-Jährige in seiner Bibliothek sitzen, sein Gebet wird nach Angaben des Vatikan live auf Leinwände auf den Petersplatz übertragen.

Fast 800 Infizierte in Deutschland, sprunghafter Anstieg in Frankreich

In Deutschland ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle bis zum Nachmittag auf 795 gestiegen. Dies teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mit. Noch am Morgen hatte es die Zahl der deutschlandweiten Infektionen mit 684 angegeben. Im Laufe von einer Woche haben sich damit die Fallzahlen mehr als verzehnfacht. Am stärksten betroffen ist nach wie vor Nordrhein-Westfalen mit inzwischen 373 Fällen. Mehr als 200 davon entfallen auf den Landkreis Heinsberg, dem größten Infektionsherd in Deutschland. Viele neue Fälle wurden auch aus Baden-Württemberg gemeldet, wo inzwischen bei 170 Menschen das neuartige Coronavirus festgestellt wurde. In Bayern sind es 134.

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Die meisten anderen Bundesländer registrierten bisher nur Einzelfälle. Sachsen-Anhalt ist weiter das einzige Land, aus dem noch keine bestätigte Coronavirus-Infektion gemeldet wurde. Angesichts drohender finanzieller Belastungen für die Wirtschaft wollen die Spitzen der Koalition am Sonntagabend im Bundeskanzleramt über unterstützende Maßnahmen beraten.

Wegen der vielen Infektionen wurde Deutschland ebenso wie acht weitere Staaten von den Vereinten Nationen gebeten, die Rotation ihrer Soldaten bei UN-Friedensmissionen um drei Monate zu verlängern. So solle die Epidemie von den insgesamt 100.000 weltweit tätigen Blauhelmsoldaten ferngehalten werden, hieß es aus Diplomatenkreisen. Außer an Deutschland sei die Aufforderung unter anderem auch an China, Südkorea und Italien gegangen.

Auch in Frankreich stieg die Zahl der Infizierten sprunghaft an. Inzwischen gebe es 949 bestätigte Fälle, teilen die Behörden am Abend mit. 16 Menschen seien an der Erkrankung gestorben. Am Mittag hatten die Behörden noch erklärt, es gebe 716 bestätigte Erkrankungen und elf Tote.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa