Panorama

Minus zehn bis plus zehn Grad "Vom Grundgefühl eher nasskalt"

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Am Wochenende vergoldet ein kleines Hoch den noch jungen Winter.

(Foto: picture alliance/dpa)

In weiten Teilen des Landes färbt sich der Boden zu Jahresbeginn weiß. Die milden Temperaturen begleiten uns die nächsten Tage, dann droht das Wetter ins Nasskalte umzuschwenken. Warum Schnee-Freunde trotzdem hoffen können, erklärt ntv-Meteorologe Björn Alexander.

n-tv.de: Der Winter scheint sich festzubeißen. Wie lange geht es mit Schnee und Eis weiter?

Björn Alexander: Bis zum Beginn der nächsten Woche hält der Winter noch durch. Anschließend stellt sich die Wetterlage um. Im Nordosten und im Bergland bleibt es dann noch am längsten kalt, während sich im Südwesten schrittweise mildere Luft durchsetzen wird.

Geht es dann schon in Richtung Frühling?

Eher nicht. Denn von frühlingshaften Temperaturen bleiben wir weit entfernt. Die Spitzenwerte kratzen am Oberrhein mal an der 10-Grad-Marke. Da die Witterung aber insgesamt unbeständig, teils auch regnerisch weitergeht, ist auch das Grundgefühl eher nasskalt.

Bringt der Wetterwechsel denn schon ein Ende der Schneechancen im Flachland? Schließlich hat es gefühlt seit Jahren nicht mehr bis runter geschneit.

Schnee verbreitet bis runter ins Flachland ist wirklich schon mal wieder was Besonderes. Denn im letzten Winter hat es tatsächlich nur selten bis in die tieferen Lagen für Schnee gereicht. Da war der Winter 2019/2020 wirklich ein absolut milder Ausreißer. Selbst in Zeiten des Klimawandels. Und nein: Die Schneechancen sind weiterhin vorhanden. Schließlich sind wir klimatologisch gesehen bald im sogenannten Hochwinter, also der eigentlich kältesten Zeit des Jahres. Außerdem hält der weiterhin nicht ausgeprägte Polarwirbel die Chancen für alle Winterfreunde im Rennen.

Wie wirkt denn der gestörte Polarwirbel bei uns?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Im Prinzip ist der Polarwirbel ein riesiges Kaltluftpolster, das um den Nordpol herum wabert. Ist das Wabern, also die Zirkulation, gestört, können sich bei uns in Mitteleuropa nördliche bis östliche Winde durchsetzen, und es kann richtig kalt werden. Denn damit dehnt sich für gewöhnlich die Kälte aus den polaren oder arktischen Breiten bis zu uns aus.

Gibt es auch wärmere Vorhersagen?

Allerdings. So gibt es bei den Langfrist-Wettermodellen derzeit kaum Ansätze, die eine solche Entwicklung bestätigen. Nach den Langfristvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes soll der Februar 2021 sogar deutlich zu warm ausfallen. Jedoch muss hier immer dazu gesagt werden, dass es sich bei diesen Monats- und Jahreszeitenberechnungen um experimentelle Vorhersagen handelt. Alles in allem bleibt es somit ein spannendes Rennen. Und sollte der Polarwirbel im Februar nochmals einen auf den Deckel bekommen, dann hätte eben auch die Winterluft bei uns noch gute Optionen.

Vorm Umschwung: Wie sind unsere Trends fürs Wochenende?

Schnee und Regen sind weitgehend durch und ein kleines Hoch setzt dem Winter die Krone auf. Vor allem am Sonntag. Doch schon am Samstag ist es öfter mal aufgelockert. Die meiste Sonne bekommt der Süden abseits von mitunter sehr zähen Nebelfeldern. Am Sonntag sieht es dann im Westen am besten aus.

Was machen unsere Temperaturen?

Die bringen es am Wochenende auf winterliche Werte zwischen minus 3 und plus 3 Grad. Nachts wird es dabei zum Teil ziemlich eisig. Verbreitet erwartet uns Frost und entsprechend kann es erneut glatt werden. Am kältesten ist es dabei im Süden. Über Schnee und unter Aufklarungen auch mit strengem Frost unter minus 10 Grad.

Und nächste Woche?

Geht es durchwachsener weiter. Wiederholt kommen von Westen Wolken mit Schnee oder Regen zu uns herein. Gleichzeitig zieht sich der Winter ganz allmählich in den Nordosten und die Hochlagen zurück. Am Montag mit einer Spanne von minus 4 Grad in Ostbayern und plus 5 Grad an der Nordsee. Der Dienstag bringt uns zwischen minus 2 und plus 6 Grad.

Wie sieht es ab Mittwoch aus?

Immer wieder wolkig mit teils kräftigem Regen, der im höheren Bergland in Schnee übergeht. Im Nordosten ist ebenfalls Schnee möglich. Denn hier bleibt es noch vergleichsweise kalt, während am Oberrhein bis 9, vielleicht auch bis zu 10 Grad zu erwarten sind. Besonders im Übergangsbereich zwischen der milderen und der kühleren Luft ist bei einer solchen Grenzwetterlage wiederholt akute Glätte denkbar.

Kräftiger Regen oder Schnee: Da werden sich die Talsperren-Betreiber freuen, oder?

Auf jeden Fall. Nimmt man die längerfristigen Vorhersagen, dann könnte der Januar 2021 am Ende sogar zu nass oder deutlich zu nass ausfallen. In Anbetracht der Trockenproblematik, die wir seit dem Dürrejahr 2018 vor uns herschieben und nach dem außergewöhnlich trockenen November 2020 sicherlich eine gute Nachricht für den Wasserhaushalt generell.

Quelle: ntv.de