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Kratzen im Hals und Husten? Warum nicht jeder einen Corona-Test braucht

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Jeder Test ist nur eine Momentaufnahme.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Habe ich das Coronavirus schon oder nicht? Das ist sicher eine interessante Frage. Für die Bekämpfung der Pandemie ist dieses individuelle Interesse allerdings nicht besonders hilfreich.

Noch ist die Grippe- und Erkältungszeit nicht vorüber. Wer jetzt gerade hustet, fragt sich möglicherweise besorgt, ob er noch erkältet ist oder sich schon mit dem Coronavirus angesteckt hat. Mit absoluter Sicherheit kann das nur ein Corona-Test beantworten. Aber wie und wo wird getestet?

Laut einer Umfrage der Krankenkasse Barmer wünscht sich jeder Fünfte einen Corona-Test auch ohne konkreten Verdacht. Für die Testung in einem Labor muss jedoch weiterhin ein begründeter Verdachtsfall vorliegen. Dafür ist es nicht ausreichend, Anzeichen einer akuten Atemwegsinfektion zu haben, sondern man sollte auch Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Infizierten gehabt haben oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sein. Diese Vorgaben stammen vom Robert-Koch-Institut und dienen vor allem dazu, die wahrscheinlich an Covid-19 Erkrankten von denen zu unterscheiden, die vermutlich nur einen grippalen Atemwegsinfekt haben. So sollen die vorhandenen Testkapazitäten sinnvoll genutzt werden.

Die Symptome können Laien wahrscheinlich ohnehin nicht gut auseinanderhalten, denn sie sind bei Covid-19, Grippe oder Erkältung relativ ähnlich: Fieber, Müdigkeit, trockener Husten, Glieder- und Kopfschmerzen. Covid-19 befällt vor allem die unteren Atemwege, die Hauptsymptome sind Fieber, Husten und Atemnot, in einigen Fällen auch Durchfall. Ein Anzeichen könnte zudem ein mehrtägiger Geruchs- und Geschmacksverlust sein, von dem fast alle der rund 100 befragten Infizierten im Kreis Heinsberg berichteten. Trotzdem erkranken viele Menschen vermutlich weitgehend symptomfrei.

Rachenabstrich und PCR

Wer grippeähnliche Symptome hat und eine der anderen Voraussetzungen erfüllt, sollte nicht einfach zum Hausarzt gehen, sondern sich dort telefonisch anmelden. In den meisten Praxen gibt es inzwischen für diese Patienten einen speziellen Ablauf, für den Termine vergeben werden. In den meisten Bundesländern kann man sich auch mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.

Für den Test wird ein Abstrich im tiefen Rachen gemacht. Dort ist die Viruslast wenige Tage nach der Ansteckung erfahrungsgemäß am höchsten. Für die Entnahme der Tests sind zum Teil spezielle Drive-ins oder Zugänge zu Krankenhäusern eingerichtet worden. Es ist aber auch möglich, den Abstrich in der Hausarztpraxis oder beim Patienten zu Hause zu entnehmen. Da bisher noch kein Schnelltest zugelassen ist, wird das entnommene Material dann in virologischen Speziallabors untersucht. Der Erreger wird dabei mithilfe einer speziellen PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion) nachgewiesen.

Der eigentliche Testablauf im Labor dauert lediglich drei bis fünf Stunden, wegen der vielen Tests und der hinzukommenden Transportzeiten dauert es gerade jedoch oft mehrere Tage bis zu einem Ergebnis. Diese Tage sollten die Getesteten auf jeden Fall zu Hause ohne unnötige soziale Kontakte verbringen. Nach Angaben von Hausärzten sind die meisten Tests immer noch negativ.

Klare Prioritäten

Da der Test zum Zeitpunkt des Ergebnisses aber schon wieder einige Tage zurückliegt, könnte man mittlerweile trotzdem infiziert sein. Statt sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen, gilt es, alle wichtigen Hygieneregeln weiter penibel einzuhalten. Sollte man positiv getestet worden sein, muss man auf jeden Fall eine 14-tägige Quarantäne einhalten. Aber auch das heißt nicht, dass man schwer erkrankt. Der WHO zufolge nehmen rund 80 Prozent der Fälle einen milden Verlauf.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, betonte in seinem Briefing am Montag noch einmal, dass in Deutschland schon jetzt sehr viel getestet wird. Die Kapazitäten werden derzeit noch weiter ausgebaut. Wieler zufolge werden derzeit gezielt drei Gruppen getestet: Erkrankte, mögliche Kontaktpersonen von Erkrankten und medizinisches Personal. Dabei gehe es immer noch in erster Linie darum, die ausreichend vorhandenen Tests strategisch einzusetzen, um die Ausbreitung der Infektionen einzudämmen.

Quelle: ntv.de