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Die Tafel ist zumeist der Mittelpunkt des Klassenzimmers - zum Unmut der Schüler.
Die Tafel ist zumeist der Mittelpunkt des Klassenzimmers - zum Unmut der Schüler.(Foto: picture alliance / Peter Endig/d)
Freitag, 15. September 2017

Ministerium, Lehrer oder WLan: Wer bremst die Schule im digitalen Zeitalter?

Künftig wird der Schulunterricht viel besser die Chancen des digitalen Wandels nutzen. Da ist sich einer Studie zufolge die Mehrheit der Pädagogen sicher. Derzeit aber gibt es viele Gründe, weshalb das Klassenzimmer noch analog ist. Nicht alle sind technischer Natur.

Lehrer werden in den kommenden Jahren nach Ansicht beinahe aller Schulleiter digital gut ausgebildet sein. Zudem werden sich die technische Unterstützung in Schulen und die pädagogische Hilfe im Umgang mit neuen Lernmaterialien verbessert haben, wie aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Und das wird dringend nötig sein: Zwar glauben acht von zehn Schülern, dass sie mit Youtube und Wikipedia erfolgreicher und aktiver lernen. Doch nimmt ihnen dies derzeit kaum ein Lehrer ab. Obendrein verweisen Pädagogen mehrheitlich auf technische und administrative Hürden.

So bemängeln laut der Erhebung drei von vier Lehrern die Unzuverlässigkeit der Medientechnik. Und dann sehen sich 60 Prozent der Lehrer nach eigenem Bekunden allein auf weiter Flur - ohne verfügbare technische Hilfe weit und breit. Zwei Drittel sorgen sich um zu hohe Kosten für Hard- und Software. Nur einer von drei Lehrern ist mit der WLan-Qualität im Schulgebäude zufrieden. Für 20 Prozent ist drahtloses Internet im Klassenraum hingegen nur ein unerfüllter Traum. Und immerhin 58 Prozent der Pädagogen machen ungeklärte Fragen zum Lizenz- oder Datenschutz geltend. Und so bezeichnet sich in der Befragung nur jeder siebte Lehrer als versierte Nutzer digitaler Medien.

Wird der Schüler besser oder die Administration?

Immerhin meinen gut 70 Prozent der Lehrer und Schulleiter, dass digitale Medien die Attraktivität der Schule steigern. Doch nicht mal jeder vierte Lehrer glaubt, dass digitale Medien ihre Schüler besser machen. Von ihren Chefs ist es nicht einmal jeder fünfte. Nur acht Prozent von ihnen messen der Digitalisierung eine strategische Bedeutung zu. Entsprechend gibt es kaum Konzepte zum Einsatz der digtialen Inhalte. Doch immerhin einen Nutzen verspricht sich auch die Mehrheit der Lehrer von ihr: Die administrativen Aufgaben werden sich wohl besser bewältigen lassen.

Der Einsatz der Politik darf sich nach Ansicht von Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, nicht auf leistungsstärkeres WLan und bessere Ausstattung begrenzen. "Der sinnvolle Einsatz digitaler Medien muss selbstverständlich in der Weiterbildung und Pflichtprogramm in jedem Lehramtsstudium werden." Digitalisierung dürfe für Lehrkräfte nicht als zusätzliche Belastung erscheinen, sondern sollte Teil der pädagogischen Arbeit sein.

Derzeit aber entscheiden der Studie zufolge Lehrer zumeist selbst, ob und welche digitalen Medien zum Einsatz kommen. Entsprechende Weiterbildung müssen sie sich überwiegend selbst organisieren. Alles in allem bleibt das große Potenzial der Digitalisierung als Treiber strategischer Schulentwicklung ungenutzt, urteilt die Studie.

Geld, Konzepte und WLan

Doch das ließe sich durch weitere Schritte ändern: Schulen bräuchten ein flexibles Budget für Weiterbildungen, fordern die Studien-Autoren. Unumgänglich ist die Verankerung des digitalen Wandels in den Schulkonzepten. Zudem soll über ein Gütesiegel zur Kennzeichnung von Lernmaterialien diskutiert werden. Und schließlich ist eine hochwertige technische Ausstattung unumgänglich. Dazu gehören auch verfügbare Fachleute.

Und was machen die Schüler? Sie greifen zum Lernen in der Freizeit mehrheitlich auf Videos und frei zugängliche Nachschlagewerke zurück. Zudem sind die Berührungsängste dabei kleiner als bei ihren Lehrern. Denn die nutzen Materialien am liebsten, wenn sie kostenlos sind - und klagen dann über den Zeitaufwand für die Suche nach geeigneten Inhalten. Immerhin teilen die Pädagogen selbst erstelltes Material mit ausgewählten Kollegen - allerdings in ausgedruckter Form.

Die Studie "Die Schulen im digitalen Zeitalter" liefert nach Angaben der Bertelsmann Stiftung eine umfassende und repräsentative empirische Datenbasis zum Stand des digitalisierten Lernens. Insgesamt wurden rund 2000 Schüler, Lehrer und Schulleitungen sowie Experten aus Politik und Verwaltung befragt.

Quelle: n-tv.de