Panorama

Trotz Priorisierung Wie man in der Impfschlange vorrückt

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Oft hilft schon etwas Eigeninitiative, damit man sich beim Impfen anstellen darf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Manch einer wartet sehnsüchtig auf einen Impftermin, wohl wissend, dass man lange noch nicht dran ist. Doch trotz klarer Regelungen zur Impfpriorisierung werden auch immer mehr Junge und Gesunde geimpft - und das ohne Tricks.

Weil es noch immer nicht genügend Corona-Impfstoff in Deutschland gibt, gilt für die Impftermine weiter eine Priorisierung. Die Reihenfolge der Impfungen ist in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt, die im Wesentlichen auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) aufbaut.

In der höchsten Prioritätsgruppe waren vor allem über 80-Jährige, die Bewohner von Pflegeheimen und Wohngruppen sowie medizinisches Personal. Mittlerweile ist man vielerorts bei der zweiten Gruppe angekommen, bei der es schon weniger auf das Alter ankommt. Sie umfasst auch die über 70-Jährigen, aber auch Kontaktpersonen von Schwangeren und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, Lehrer und Erzieher, außerdem Polizei- und Einsatzkräfte.

Wer nicht zu diesen Gruppen gehört, also beispielsweise um 40 Jahre alt ist und weitgehend gesund, muss noch Geduld aufbringen. Allerdings finden sich durchaus Möglichkeiten, auch ohne eine der von der STIKO aufgezählten Indikationen bereits an einen Impftermin zu kommen. Recherchen des Berliner "Tagesspiegels" [€] zeigen, dass es gleich mehrere Schlupflöcher gibt, um die Impfberechtigung nachzuweisen.

Vielleicht eine Kontaktperson?

Da ist zum einen die Indikation: bis zu zwei enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Personen. In vielen Fällen werden so beispielsweise die Kinder hochbetagter Eltern geimpft, die noch weitgehend selbständig zu Hause leben. Die Zeitung berichtet aber auch von Fällen, in denen Nachbarn bei Hochbetagten klingeln, um sich bescheinigen zu lassen, dass sie ihre Pflegepersonen sind. Das ist, wenn es keine anderen Pflegenden aus dem persönlichen Umfeld gibt, legal, wenn auch möglicherweise moralisch zweifelhaft. Das gleiche Muster greift bei Kontaktpersonen von Schwangeren. Auch hier können zwei Personen angegeben werden, häufig ist einer der beiden der künftige Vater. Platz zwei fiel im Beispiel der Zeitung an eine impfumtriebige Freundin, deren Name lediglich beim betreuenden Gynäkologen hinterlegt werden musste.

Auch Eigeninitiative erweist sich offenbar in vielen Fällen als durchaus hilfreich. Denn kaum jemand hat irgendwo seinen dringenden Impfwunsch hinterlegt. Wer sich nun also beispielsweise bei seinem Hausarzt meldet, könnte einen Vorteil gegenüber denjenigen haben, die genau das nicht tun. Auch Flexibilität hilft vermutlich, beispielsweise, wenn man bereit ist, sich kurz vor der Schließzeit der Praxis noch mit Impfstoff immunisieren zu lassen, der sonst weggeworfen werden müsste.

Vor allem die Einschränkungen für den Astrazeneca-Impfstoff, der nur noch für über 60-Jährige empfohlen wird, schafft zusätzliche Möglichkeiten. Denn die Impfung damit ist auch für Menschen unter 60 durchaus möglich, nach entsprechender Aufklärung und unter Einbeziehung eventueller Risikofaktoren. Da in vielen Regionen auch die über 60-Jährigen oft schon geimpft sind, ist nun vor allem Astrazeneca-Impfstoff verfügbar, wenn ihn denn jemand aktiv will.

Reise mit Piks

Und dann wäre da noch die ausländische Lösung. In vielen Ländern kommen die Impfungen schneller voran als in Deutschland. In Großbritannien haben bereits mehr als 32 Millionen Menschen eine erste Impfung erhalten - das ist deutlich mehr als die Hälfte der Erwachsenen. Gut 7,5 Millionen wurde bereits die für den kompletten Schutz notwendige zweite Dosis gespritzt. Auch Israel durchbricht in diesen Tagen die Marke von 5 Millionen Zweitimpfungen, hinzu kommen Hunderttausende genesene Menschen. In anderen europäischen Ländern kommen zudem chinesische oder russische Impfstoffe zum Einsatz, die in Deutschland oder der EU bisher nicht zugelassen sind. Aus dieser Ausgangslage entwickeln sich dem "Tagesspiegel" zufolge Modelle für einen regelrechten Impftourismus.

Einige Firmen werben demnach bereits mit Impfpauschalreisen. Es gebe Pakete nur für die Impfung mit Übernachtung in einer Luxusunterkunft oder auch Reisen, die auch eine medizinische Versorgung vor Ort beinhalten, falls der Kunde die immunisierende Spritze nicht verträgt. Aus Serbien gibt es mehrere Medienberichte, nach denen eine einheimische Prepaid-Telefonnummer ausreichte, um sich impfen zu lassen. Inzwischen hat die Regierung den Impftourismus gestoppt. Besonders für Wohlhabende dürfte sich aber über kurz oder lang immer wieder ein Weg auftun, eine Reise mit dem Impfen zu verbinden.

Allerdings steigen auch in Deutschland mittlerweile die Chancen, bald geimpft zu werden. Laut Impfmonitoring des RKI haben am Dienstag 530.537 Menschen in Deutschland eine Impfdosis erhalten. Davon entfielen 464.701 auf Erstimpfungen und 65.836 auf Zweitimpfungen. Das sind insgesamt über 80.000 Impfungen mehr als am Dienstag vor einer Woche. Damit sind mittlerweile knapp über 14 Millionen Bundesbürger mindestens einmal geimpft worden. Rund 5,2 Millionen haben bereits eine zweite Impfung erhalten. Der 40-jährige Gesunde aus dem Beispiel würde laut einem Impfrechner bei einer Impfrate von 3.861.823 pro Woche und einer Impf-Bereitschaft von 66 Prozent die erste Impfdosis zwischen Ende Mai und Mitte August erhalten. Die zweite Impfung wäre dann zwischen Mitte Juni und Anfang September fällig.

Quelle: ntv.de, sba

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