Panorama
Grauer Himmel: Spaziergänger am 27. Dezember in Moritzburg (Sachsen) vor dem Leuchtturm am Ufer des Großteichs.
Grauer Himmel: Spaziergänger am 27. Dezember in Moritzburg (Sachsen) vor dem Leuchtturm am Ufer des Großteichs.(Foto: dpa)
Freitag, 29. Dezember 2017

Bis zu 200 Liter Regen: Zu Silvester Frühling - dann Hochwasser

Der Winter steckt - wenn man so will - zunächst in den USA und Kanada fest. Hierzulande grüßt zum alten Jahr nochmal der Frühling. Doch eine milde Silvesternacht lässt auch etliche Flüsse anschwellen. Und auch das neue Jahr beginnt eher unwinterlich, sagt n-tv Wetterexperte Björn Alexander.

Bei uns kommt der Winter - wenn überhaupt - ja nur in kleinen Happen. Das sieht in den USA derzeit ganz anders aus.

So ist es. In den USA und Kanada erlebt man zum Teil einen Winter wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Am Eriesee beispielsweise mit Rekordschneemengen. Binnen 24 Stunden sind dort bis zu 1,35 Meter Schnee gefallen. Nachts sinken die Temperaturen in North Dakota und Minnesota (USA) oder in Manitoba, Ontario und Quebec (Kanada) zur Zeit auf minus 20 bis an die minus 40 Grad. Selbst wenn es bei uns mal richtigen Winter gibt, so ist das im Vergleich dazu doch eher ein lauer Abend.

Und was macht der Winter bei uns? Kommt da noch was?

Potenziell natürlich. Denn der kalendarische Winter hat ja gerade erst begonnen und wird uns noch bis März begleiten. Mittelfristig gesehen beschäftigt uns aber jetzt nach wie vor erst einmal das Ausbleiben von Hochdruckgebieten sowie das daraus resultierende mal kühler und mal sehr milde Achterbahnwetter und die Folgen in Form von teils kräftigem Regen mit weiter ansteigenden Pegelständen an den Flüssen und Strömen.

Was erwartet uns?

n-tv Meteorologe Björn Alexander stellt eine milde Silvesternacht in Aussicht.
n-tv Meteorologe Björn Alexander stellt eine milde Silvesternacht in Aussicht.

Die Modelle rechnen recht übereinstimmend in den nächsten 8 bis 10 Tagen flächendeckend im Westen und Süden mit 50 bis 100 Liter, in den Weststaulagen - also Schwarzwald, Vogesen, westliche Mittelgebirge - hier vor allem Sauerland - bis zu 200 Liter!! Der Boden ist nach dem nassen Herbst und Frühwinter weitgehend gesättigt, aus Lagen oberhalb etwa 800 Meter kommt reichlich Schmelzwasser dazu.

Mit welchen Auswirkungen?

Eine mittlere Hochwasserlage an Rhein, Saar, Mosel sowie abgeschwächt Donau, Neckar, Main scheint sehr wahrscheinlich. In Köln und Trier können die Pegelstände bis mehr als 8 Meter betragen. Ein großes Hochwasser an Rhein und Mosel ist möglich. Selbst am bayerischen Alpenrand müssen wir die Flüsse im Auge behalten, weil nach den großen Schneemengen nun massives Tauwetter einsetzt mit Regen teilweise bis knapp 2000 Meter! 

Dann schauen wir doch mal auf das Wetter zum Jahreswechsel: wie wird es am Silvesterwochenende?

Im Osten und Süden fällt am Samstag anfangs noch etwas Schnee mit Glätte, aus Westen legt sich aber bereits ab den frühen Morgenstunden ein breites und in Weststaulagen auch intensives Regengebiet übers Land. Dabei steigt die Schneefallgrenze rasch über 1000 Meer. Und auch in den Bergen setzt massives Tauwetter ein. Dazu stürmische Böen und nachmittags einzelne kurze Gewitter. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 2 Grad an der Oder sowie am Bayerischen Wald und bis zu 14 Grad am Rhein.

Und tagsüber am Silvestertag?

Das alte Jahr geht mit ersten Frühlingsgefühlen zu Ende: Subtropische Warmluft lässt die Temperaturen verbreitet über 12 Grad ansteigen, mit Sonne im Süden und Südwesten sogar auf über 15 Grad. Dazu fällt in der Nordhälfte zeitweise Regen, im Süden und Südosten bleibt es aber trocken und es scheint länger die Sonne. Der Wind bringt weiterhin stürmische Böen mit.

Wie wird die Silvesternacht?

Besonders in einem Streifen vom Rhein über die Mitte bis nach Berlin und Brandenburg fällt immer wieder Regen. Im Nordosten und im Südosten stehen die Chancen auf einen trockenen Jahreswechsel dagegen gut. Insgesamt ist es sehr mild bei 6 bis 10 Grad, am Alpenrand 3 Grad. Außerdem weht nach wie vor ein teilweise kräftiger Südwestwind mit einzelnen stürmischen Böen im Bergland. 

Was bringt uns das neue Jahr?

Im neuen Jahr wird es wieder etwas kühler, das wechselhafte, sehr windige und niederschlagsreiche Wetter bleibt uns aber wahrscheinlich die ganze erste Woche erhalten. Und dementsprechend spitzt sich - wie eingangs geschildert - die Hochwassersituation zunächst einmal weiter zu bzw. die Pegelstände werden sich auf einem hohen bis sehr hohen Niveau einpendeln. 

Welche Temperaturen wird es geben?

An Neujahr 4 bis 10 Grad und die Schneefallgrenze sinkt in den Mittelgebirgen wieder auf 800 Meter. Dienstag werden es 3 bis 9 Grad und Schnee fällt in der Mitte oberhalb von 500 Meter, bevor es am Mittwoch mit 4 bis 10 Grad abermals milder weitergeht. Damit steigt die Schneefallgrenze auch wieder auf 800 Meter.

Quelle: n-tv.de