Politik

Ein Leben für die Politik Andrea Nahles, die Kontroverse

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Nahles wurde 2017 als erste Frau zur Vorsitzenden der SPD gewählt.

(Foto: imago/Klaus W. Schmidt)

SPD-Chefin Andrea Nahles beendet ihre politische Karriere. Diesen Schritt geht sie nicht leichtfertig. Es ist nicht der erste Rückschlag in ihrem Leben, den sie hinnehmen muss.

Andrea Nahles hat ihr Leben in den vergangenen 20 Jahren vor allem der Politik gewidmet. Ein Rückblick auf ihre Biografie zeigt, dass sie es nicht immer leicht hatte. Die ehemalige Chefin der SPD musste schon einige Rückschläge meistern. Als Tochter eines Maurermeisters und seiner Frau wird Andrea Nahles vor 48 Jahren geboren. Sie wächst katholisch in Weiler in der Vulkaneifel auf, später will sie Hausfrau oder Bundeskanzlerin werden. Zumindest steht das in der Abschlusszeitung des Gymnasiums, das Nahles besuchte. In dieser Zeit tritt die junge, engagierte Frau bereits mit 18 Jahren in die SPD ein. Es ist ein wichtiger Schritt für sie, wie sich später herausstellt.

Zu Schulzeiten muss die Politikerin viel einstecken. Sie verletzt sich bei einem Sportunfall schwer und muss sich insgesamt acht Mal an der Hüfte operieren lassen. Seitdem gilt sie zu 50 Prozent als schwerstbehindert. Auch ein Autounfall bei einem Urlaub in Schweden wirft Nahles körperlich aus der Bahn. Eine große Narbe auf ihrer Stirn erinnert bis heute daran. Doch diese Art Rückschläge scheinen Andrea Nahles nicht zurückzuwerfen, sondern ihr Durchsetzungsvermögen zu stärken.

Ihre Abschlussarbeit an der Uni schreibt sie nach Politik- und Germanistik-Studium über "Die Funktion von Katastrophen in Liebes-Romanen". Während des Studiums arbeitet Andrea Nahles als Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten. Beruflich orientiert sich die spätere SPD-Chefin aber erst einmal in Richtung Wirtschaft. Zusammen mit Michael Guggemos leitet Nahles das Hauptstadtbüro der IG Metall. 1995 folgt dann der erste große, politische Erfolg: Sie wird zur Bundesvorsitzenden der Jusos gewählt. Oskar Lafontaine bezeichnet sie damals als "Gottes Geschenk an die SPD".

Erfolgreiche Jahre

Die nächste Hürde, die Nahles nimmt, ist die Wahl zum Vorsitz des SPD Kreisverbandes Mayen-Koblenz. Diesen Posten hat sie für zehn Jahre. So lange ist die Sozialdemokratin auch mit dem Gewerkschaftsfunktionär Horst Neumann zusammen. Doch dann tritt der Kunsthistoriker Marcus Frings in ihr Leben. Es folgt die Hochzeit und 2011 die Geburt der gemeinsamen Tochter. Doch das Glück hält nicht lange. Heute ist Andrea Nahles alleinerziehende Mutter einer Achtjährigen, lebt auf einem Bauernhof in Weiler, wo schon ihre Urgroßeltern lebten.

Der politische Aufstieg beginnt 1998 als Bundestagsabgeordnete, dann wird Nahles SPD-Generalsekretärin und schließlich Bundesministerin für Arbeit und Soziales. 2017 übernimmt sie den Fraktionsvorsitz der SPD. Rund 90 Prozent der Abgeordneten stimmen für Andrea Nahles. Es folgt nur ein paar Monate später der größte Schritt ihrer Karriere. Das SPD-Präsidium schlägt sie als Nachfolgerin von Martin Schulz für den Parteivorsitz vor. Sie wird gewählt, zwar mit einem schlechten Schnitt von nur 66 Prozent der Stimmen, aber dennoch: Sie ist die erste Frau, die diesen Posten in der SPD hält.

Kontroverse Aussagen

Andrea Nahles ist eine Politikerin mit Ecken und Kanten. Viele ihrer Aussagen sollten provozieren, aufrütteln und Diskussionen anregen. Ihre dafür gewählten Worte trafen nicht immer den Nerv der Zeit, doch geredet wurde. Wie etwa 2013, als sie die berühmte Liedzeile aus Pippi Langstrumpf "Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt" im Bundestag anstimmt, verbunden mit Vorwürfen gegen die Bundesregierung.

Oder ein Jahr später, als die Sozialdemokratin über die Rente mit 63 Jahren sagte: "Für die Leute machen wir das, verdammte Kacke nochmal." Für diese Aussagen gab es viel Kritik - nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von ihren Parteigenossen - doch Nahles machte unbeirrt weiter, entschuldigte sich hier und da für Entgleisungen, ballte dennoch die Faust wie zur Kampfansage in ihren Reden im Bundestag. Diese Frau zeigte keine Schwäche.

Nun hat sie sich entschieden, alle politischen Ämter niederzulegen, sich zurückzuziehen aus der Welt, die in den vergangenen 20 Jahren womöglich auch ihr Zuhause geworden ist. Nun wird sie das eigene politische Scheitern verarbeiten müssen. Aber eine wie Nahles, die wird auch das wieder überstehen.

Quelle: ntv.de

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