Politik

40 aufreibende Stunden Charles III. bewältigt erste Königsetappe

Nach dem Tod der Queen verbringt der neue König Charles III. eine Nacht auf Schloss Balmoral. Dann tritt er die Rückreise nach London an, wo er sich seinen Untertanen stellt und auch Körperkontakt nicht scheut. In seiner mit Spannung erwarteten ersten Rede deutet er die Vision für seine Regentschaft an.

Am Abend nach der ersten Ansprache von König Charles III. liegen fast 40 intensive Stunden hinter dem neuen britischen Monarchen. Es begann mit dem Bekanntwerden des sich verschlimmernden Gesundheitszustands von Queen Elizabeth II. am Donnerstagmittag. Vermutlich war Charles bereits früher informiert. Dann folgte der Tod seiner Mutter. Diese und all ihre Leistungen nahmen dann eine zentrale Rolle ein in der ersten Ansprache von König Charles III. an seine Untertanen, die im britischen Fernsehen übertragen wurde, aber auch durch viele Sendeanstalten anderer Länder.

In der Ansprache versprach der neue britische König, seinem Land nach dem Vorbild seiner Mutter sein ganzes Leben lang zu dienen. "Dieses Versprechen eines lebenslangen Dienstes erneuere ich heute für Sie alle", betonte er. Zuvor hatte Charles am Buckingham-Palast die Hände zahlreicher Menschen geschüttelt und Premierministerin Liz Truss zu einer ersten Audienz empfangen.

Briten zwischen Trauer und Euphorie

Nach einer Nacht auf Schloss Balmoral in Schottland, wo Elizabeth II. ihre letzten Stunden verbrachte, war der 73-jährige Charles am Nachmittag als König nach London zurückgekehrt. Bei der Ankunft am Buckingham-Palast wurde er von tausenden Menschen begrüßt. Eine Frau küsste seine Hand, eine andere sogar seine Wange. An der Seite von Königsgemahlin Camilla ging Charles an Bergen von Blumensträußen vorbei, die trauernde Menschen vor dem Palast niedergelegt hatten.

In Großbritannien hatte am Freitagmorgen eine tagelange Staatstrauer begonnen. Kultur- und Sportveranstaltungen wurden abgesagt, Kaufhäuser blieben geschlossen, selbst die Mitarbeiter von Bahn und Post sagten ihre Streiks ab. Auch die Spiele der Fußball-Liga Premier League am Wochenende wurden verschoben.

An der Londoner St. Paul's-Kathedrale, an der Westminster Abbey und an Kirchen im ganzen Land erklang zum Gedenken an die Queen Glockengeläut. Am Londoner Tower und weiteren Orten im Vereinigten Königreich wurden 96 Salutschüsse abgefeuert, einer für jedes Lebensjahr der Königin.

"Eine der größten Anführerinnen, die die Welt je erlebt hat"

In einer Parlamentssitzung zu Ehren der Queen würdigte Premierministerin Truss Königin Elizabeth II. als "eine der größten Anführerinnen, die die Welt je erlebt hat". Bei einem Gedenkgottesdienst in der St. Paul's-Kathedrale, an dem auch Truss teilnahm, wurde die britische Nationalhymne zum ersten Mal offiziell mit dem an den neuen König angepassten Titel "God Save the King" gesungen. Am Samstag wird Charles offiziell zum König ausgerufen. Dies ist eine der nächsten wichtigen Wegmarken. Eine andere ist das Begräbnis der Queen, welches laut Vermutung von Beobachtern am 19. September stattfinden soll.

In seiner Ansprache sagte Charles, er werde sich bemühen, allen Menschen im Vereinigten Königreich und in den Commonwealth-Ländern "mit Loyalität, Respekt und Liebe zu dienen". Er kündigte zudem an, dem neuen Thronfolger Prinz William und dessen Frau Catherine die Titel Prince und Princess of Wales zu verleihen. Es sei ihm selbst eine "große Ehre" gewesen, diesen Titel jahrzehntelang zu tragen.

Charles erwähnte in der Ansprache aber auch seine "Liebe" zu seinem jüngeren Sohn Harry und dessen Frau Meghan, die sich im April 2020 von ihren royalen Pflichten im Königshaus zurückgezogen hatten und in die USA ausgewandert waren.

Zum Abschluss richtete der König noch einige persönliche Worte an seine verstorbene Mutter: Er bedankte sich bei seiner "lieben Mama" für "Ihre Liebe und Hingabe an unsere Familie und an die Familie der Nationen, denen sie all die Jahre so fleißig gedient habe".

Biden kündigt sich für Begräbnis an

Wie der Buckingham-Palast mitteilte, gilt für den König und die königliche Familie nun eine ausgedehnte Trauerzeit, die erst eine Woche nach der Beisetzung der Queen endet. Zu der Trauerfeier in der Westminster Abbey werden Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter von Königshäusern aus der ganzen Welt erwartet. Am Freitag kündigte bereits US-Präsident Joe Biden seine Teilnahme an. Anschließend wird die Queen in der King George VI.-Kapelle auf Schloss Windsor beigesetzt, wo bereits ihr im vergangenen Jahr verstorbener Mann Prinz Philip bestattet ist.

Nach einer Aufbahrung im Holyrood-Palast in Edingburgh sollen die sterblichen Überreste der Königin am Dienstag nach London überführt werden, wo der Sarg anschließend in Westminster Hall aufgebahrt wird. Die Behörden erwarten, dass mehr als eine Million Menschen am Sarg der Queen vorbei defilieren werden.

Quelle: ntv.de, mpe/AFP

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