Politik

Nahles' Abschiedsworte Das war deutlich

22e84b09b213d870d0313efb33468297.jpg

Am Dienstag verabschiedet sich Nahles noch in der Fraktion - dann war es das.

(Foto: REUTERS)

Andrea Nahles verabschiedet sich von der SPD. Als sie die Vorstandssitzung im Willy-Brandt-Haus verlässt, sagt sie noch ein paar Worte. Und die klingen nach "Auf Nimmerwiedersehen".

Am Morgen ist Andrea Nahles noch einmal ins Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg gekommen, um dem Parteivorstand nun auch offiziell mitzuteilen, dass sie von ihrem Posten als Parteichefin zurücktreten wird. Nach nicht mal einer Stunde verlässt sie die Sitzung wieder und gibt ein kurzes Statement ab. Danach ist klar: Nahles wird sich hier so schnell nicht wieder blicken lassen. Sie ist fertig mit der Politik.

Die offensichtliche Erschöpfung versucht Nahles mit einem Lächeln zu kaschieren. "Guten Tag! Ich habe mich gerade im Parteivorstand der SPD verabschiedet", sagt sie. "Ich bin zurückgetreten." Mehr hat sie nicht zu sagen zu dem politischen Beben, das sie gestern mit ihrer Ankündigung, sich zurückzuziehen, ausgelöst hat. Dann bedankt sie sich noch bei den Journalisten für die "gute Zusammenarbeit", sagt "machen Sie's gut" und geht.

Als gestern bekannt wurde, dass Nahles nicht nur Partei- und Fraktionsvorsitz abgeben will, sondern auch ihr Bundestagsmandat, interpretierten das nicht wenige so: Sie will mit der Politik nichts mehr zu tun haben. Mit ihrem 20-sekündigen Statement hat sie nun einen grünen Haken hinter diese Vermutung gesetzt.

Denn sie erklärt weder ihre Beweggründe noch beantwortet sie Fragen - die es ja zuhauf gegeben hätte. Es klingt gar so, als habe sie auch dem Parteivorstand keine Erklärung abgegeben, ihre Entscheidung nicht erläutert. Sie habe sich, sagte sie, ja bloß "verabschiedet". Kein Wort über die Zukunft der Partei, ihre möglichen Nachfolger, kein optimistischer Ausblick auf die Zukunft der Sozialdemokratie - dafür war sie ja sonst immer zu haben. Am Ende hat sie mehr Positives über die Arbeit der anwesenden Journalisten zu sagen als über ihre eigene Partei. Das ist insofern bemerkenswert, als Nahles nicht unbedingt ein Liebling der Medien war.

Als Nahles heute die SPD-Zentrale verlässt, wirkt sie wie jemand, der persönlich gekränkt ist und keine Kraft mehr hat. Schon gestern wurden die ersten selbstkritischen Stimmen in der Partei laut, man dürfe so wie Nahles behandelt wurde, "nicht mit Menschen umgehen". Von "Mobbing" ist inzwischen die Rede. Das politisch aufzuarbeiten, ist nicht mehr ihre Sache. Sie setzt sich in ihre Limousine, fährt ab und wird voraussichtlich nicht mehr wiederkommen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema