Politik

Ukraine-Talk bei Maybrit Illner "Denke, dass die Ukraine Kampfflugzeuge braucht"

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Der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber James Stavridis plädiert für die Lieferung von Kampfjets.

(Foto: picture alliance / AA)

Polen will Kampfpanzer an die Ukraine liefern. Damit erhöht sich auch der Druck auf die Bundesregierung. Die muss die Lieferung von "Leopard"-Panzern genehmigen. Das sei eine Frage der Zeit, sind sich am Donnerstagabend die Gäste in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" sicher.

In der Ukraine ist der Krieg in eine neue Phase eingetreten. Militärexperten sprechen von einem Abnutzungskrieg. Dabei geht es den beiden Parteien darum, dem jeweiligen Gegner möglichst hohe Verluste an Material und Menschenleben zuzufügen.

Nach der angekündigten Lieferung von "Marder"-Schützenpanzern in die Ukraine ist nun die Forderung nach Kampfpanzern laut geworden. Polens Präsident Duda hat die Lieferung von 14 "Leopard"-Panzern in Aussicht gestellt. Dazu bedürfe es jedoch einer "ganzen Reihe von formalen Anforderungen und Genehmigungen", so Duda in der ukrainischen Stadt Lwiw. Außerdem strebt Polen die Bildung einer Koalition an, bei der auch andere Länder Kampfpanzer liefern sollen.

Damit wächst der Druck auf die Bundesregierung. Die muss die Auslieferung der deutschen "Leopard"-Panzer genehmigen. In Berlin reagiert man jedoch zurückhaltend. Es sei unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung von ihrem Nein abrücke, heißt es.

In der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" diskutieren die Gäste am Donnerstagabend darüber, wie wahrscheinlich ein Einlenken der Bundesregierung ist - und wie entscheidend Kampfpanzer für das Kriegsgeschehen sein können. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen geht davon aus, dass die Regierung in den nächsten Wochen ihre Meinung ändern wird. Unsicher ist er sich allerdings, ob dies noch vor der Konferenz der Ukraine-Kontaktgruppe am 20. Januar auf der US-Airbase in Ramstein passieren werde. Dort wollen Verteidigungsminister und ranghohe Militärs aus verschiedenen Ländern über die weitere Unterstützung der Ukraine beraten.

Das Argument der SPD, Deutschland wolle schwere Waffen nicht im Alleingang an die Ukraine liefern, gilt für Röttgen jedenfalls nicht mehr. "Der Kanzler sagt, er wolle nicht, weil es mit seinen russlandpolitischen Vorstellungen nicht in Übereinstimmung steht. Alle anderen Gründe sind vorgeschoben", sagt Röttgen bei Illner.

Schützenpanzer aktuell keine Hilfe

Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff treibt eine andere Frage um. Sie bezweifelt, dass die 40 "Marder"-Schützenpanzer, die jetzt an die Ukraine geliefert werden sollen, für den aktuellen Kriegsverlauf ausschlaggebend sind. "Wir werden wieder ein Materialgerät zwischen den ukrainischen Bodentruppen und dem russischen Feind haben. Das ist dringend nötig. Es wird aber nicht dafür ausreichen, dass die Ukrainer wieder Geländegewinne machen können. Dazu braucht es mehr", so die Wissenschaftlerin. Auch die "Leopard"-Panzer sind für Deitelhoff im Moment nicht die Lösung. "Die brauchen eine enorme Zeit, bis sie auf dem Schlachtfeld vorhanden und bedienbar sind."

Für Norbert Röttgen geht es deshalb auch vorrangig darum, "Dass wir alles tun, damit die Ukraine diesen Krieg gewinnt." Deswegen geht für Juso-Chefin Jessica Rosenthal die Diskussion um Waffenlieferungen auch nicht weit genug. Auch für sie ist der Kriegsgewinn der Ukraine wichtig. Deswegen fordert sie neben Waffenlieferungen auch humanitäre Unterstützung für das Land. Außerdem bringt sie eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ins Gespräch: "Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Sanktionen alle ausgeschöpft haben", sagt sie.

Panzer in der Zukunft wichtig

Der ehemalige Oberbefehlshaber für alle NATO-Operationen, James Stavridis, ist überzeugt, dass Panzer der Ukraine helfen werden - jedoch erst im Frühling. Dann erwartet Stavridis eine neue russische Großoffensive. "Panzer werden dazu führen, dass für die Ukrainer die Aufgabe viel leichter ist, wenn sie sich diesen Herausforderungen stellen müssen", sagt er.

Wichtig ist für Stavridis zudem die Unterstützung der Ukraine durch das Luftabwehrsystem "MIM-104 Patriot". Diese Batterien könnten von den USA und Deutschland geliefert werden und die Überlegenheit der russischen Armee in der Luft eindämmen. Stavridis: "Der Schlüssel ist, dass wir uns anstrengen müssen, dass es am Boden und bei der Luftabwehr für die Ukraine defensive Möglichkeiten gibt."

Zudem spricht sich der ehemalige US-Admiral für die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine aus. "Ich denke schon, dass die Ukraine Kampfflugzeuge braucht", sagt er. "Ich glaube, im Laufe der Zeit werden die Ukrainer mit den richtigen Werkzeugen in der Lage sein, sich wieder vorwärtszubewegen. Unsere Aufgabe muss es sein, den Ukrainern diese Werkzeuge zu geben, damit sie irgendwann gestärkt in glaubwürdige Friedensverhandlungen eintreten können. Wir wollen, dass die Ukraine frei ist."

Quelle: ntv.de

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