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Studie zu frühkindlicher Bildung Deutschland fehlen über 100.000 Erzieher

Kinder liegen und sitzen in einer Kindertagesstätte während einer Lesestunde auf dem Boden. Foto: Monika Skolimowska/Archivbild

In der Kita soll eine Erzieherin nicht mehr als 8 Kinder betreuen.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Die Trendwende bei der Qualität von Krippen- und Kitaplätzen ist in den meisten Bundesländern immer noch unzureichend. Daran ändern auch das Gute-Kita-Gesetz und Hunderttausende neue Stellen nichts. Der Knackpunkt bleiben fehlende Erzieher in ganz Deutschland.

Für eine ideale Betreuung von Kleinst- und Kleinkindern ist die Personalstruktur deutschlandweit noch immer unzureichend. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle "Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung.

Rein rechnerisch verbesserte sich die Situation zwar leicht: Während 2013 eine pädagogische Fachkraft für 4,6 Kinder in einer Krippe zuständig war, reduzierte sich 2018 die Arbeitsbelastung auf 4,2 Kleinstkinder unter drei Jahre. Ähnlich gestaltet sich die Entwicklung bei Kindern in Kindertagesstätten von 3 bis 7 Jahren. Dort kamen vor sechs Jahren 9,6 Kinder auf eine Fachkraft, während sie inzwischen nur 8,9 Kinder betreuen muss. Als anzustrebenden Wert geben die Experten der Bertelsmann-Stiftung einen Betreuungsschlüssel von 3 Krippen- beziehungsweise 7,5 Kita-Kindern auf einen Pädagogen an.

Die Belastung für gut ausgebildete Erzieher und Pädagogen schwankt dem Bericht zufolge je nach Bundesland erheblich. Das Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern liegt mit aktuell 13,2 Kita-Kindern pro Pädagoge auf dem letzten Platz, obwohl es im Vergleich zu 2013 einen deutlichen Qualitätssprung nach vorne verzeichnen kann. Damals lag die Quote noch bei 14,9 Kindern pro Erzieher.

Idealwerte erreicht nur ein Bundesland

Thüringen und Bremen haben sich im Fünf-Jahres-Vergleich im Hinblick auf ihren Betreuungsschlüssel sogar verschlechtert. Die Quote in Thüringen stieg von 11,2 auf 11,6 Kinder. Bremen lag 2013 bei 7,7 und liegt aktuell bei 8,3 Kindern auf eine Betreuungsperson. Lediglich der Spitzenreiter Baden-Württemberg hält die Empfehlungen der Experten ein.

Seit 2008 haben sich die Rahmenbedingungen erheblich verbessert: Insgesamt wurde deutlich mehr Personal eingestellt – rund 380.000 Erziehern im Jahr 2008 stehen heute gut 580.000 gegenüber. Trotzdem ergibt sich laut Analyse ein Fachkräftemangel von aktuell über 100.000 Erziehern, wenn man von dem empfohlenen Betreuungsschlüssel ausgeht. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, bedauert diese Entwicklung und kritisiert auch die jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung: "Das Gute-Kita-Gesetz ist eine vertane Chance", so Dräger. "Es fehlen im Gesetz bundesweit einheitliche Standards für die Personalausstattung, damit überall kindgerechte Betreuungsverhältnisse und gleiche Arbeitsbedingungen realisiert werden können."

Die Bertelsmann-Stiftung erhebt jährlich das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme und wertet dafür unter anderem Daten der Statistischen Bundes- und Landesämter aus. Der Personalschlüssel gilt als eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Kitas.

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Quelle: n-tv.de, tro

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