Politik

MPK lockert überraschend stark Die 35 gilt nicht mehr

233949632.jpg

Merkel musste sich den Ländern beugen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool)

Die 35er Inzidenz als Obergrenze unterhalb derer Lockdown-Lockerungen möglich sind, ist tot. Bund und Länder bereiten den Weg, schon ab Montag in vielen Landesteilen zu öffnen. Im Gegenzug soll mehr getestet und geimpft werden.

Die Fraktion der Lockerungs-Befürworter setzt sich offenbar durch beim noch immer laufenden Corona-Gipfel von Bund und Ländern. Der Mehrstufenplan für einen Weg aus dem Lockdown sieht, so der Verhandlungsstand am späten Abend, Öffnungen schon ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 vor anstatt 35. Damit könnten etwa ab Montag bereits in deutlich mehr Landkreisen auch Geschäfte, die nicht dem täglichen Bedarf zugerechnet werden, Museen, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten öffnen. Bei einer Inzidenz bis 100 öffnen ab kommenden Montag Geschäfte nur für Einzeltermine, Kultureinrichtung nur mit Vorbuchung und Kontaktnachverfolgung. Ob Lockerungen in einer Kommune mit Inzidenzen unterhalb dieser Oberwerte wirklich kommen, entscheiden die Länder.

Nach ntv-Informationen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Lockerung abgelehnt und einen Beibehalt der Obergrenze 35 gefordert. Die Kanzlerin konnte sich damit aber nicht durchsetzen, auch wenn sie nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters unter anderem den Hamburger Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher auf ihrer Seite hatte. Beide fürchten demnach, dass Deutschland mitten in den Anstieg der Ansteckungszahlen hinein öffnet und alle Lockdown-Erfolge zunichte macht.

Unstrittig sind Lockerungen bei den Kontakten noch am Montag: Dann dürfen wieder zwei Hausstände mit insgesamt fünf Personen älter als 14 Jahren zusammenkommen. Getrennt wohnende Paare gelten dabei ab dann als ein Hausstand. Der Lockdown gilt grundsätzlich weiterhin bis 28. März und kann auch wieder auf den laufenden Stand angezogen werden, wenn die Inzidenzwerte wieder die 100 knacken. Die 35er Obergrenze ist nicht gänzlich verschwunden: Wird dieser Wert unterschritten, sollen sich auch drei Hausstände treffen dürfen.

Kino und Theater noch im März?

In einem vierten Öffnungsschritt, frühestens ab dem 22. März, könnten schon wieder so etwas wie Normalität einziehen. Bei einer Inzidenz unter 50 in einem Landkreis soll die Außengastronomie öffnen dürfen genauso wie Theater-, Konzert-, Opernhäuser und auch Kinos. Bei einer Inzidenz bis 100 ginge das nur mit tagesaktuellen Negativergebnissen von Schnell- oder Selbsttests. Auch für den Sport sind umfangreiche Lockerungen vorgesehen. Kontaktsportarten könnten unter einer 50er-Inzidenz ab 22. März wieder im Freien ausgeübt werden. Die in einem früheren Entwurf verhandelte Öffnung von Ferienhäusern und -wohnungen ist dagegen erstmal vom Tisch und soll erst bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz wieder debattiert werden.

Die Teilnehmer vereinbarten zudem eine Teststrategie, die noch bis Anfang April die Einführung von einem Schnelltest pro Woche für Kinder und Betreuer in Schulen und Kitas vorsieht. Alle Bundesbürger sollen sich zudem einmal die Woche kostenlos per Schnelltest prüfen lassen können. Firmen werden vorerst nicht verpflichtet, ihren Mitarbeitern Schnelltests anzubieten, werden aber dazu ermutigt.

Zudem soll das Impfen beschleunigt werden. Hierzu werden ab April die niedergelassenen Ärzte eingebunden. Zudem sollen die Länder möglichst keine Impfdosen für Zweitimpfungen mehr zurückhalten und die Intervalle zwischen Erst- und Zweitimpfung möglichst strecken.

Quelle: ntv.de, shu

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.