Politik

Strategie für Öffnung wackelt Spahn bestellte bisher keine Tests

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Antigen- und Selbsttests sollen Öffnungsschritte begleiten.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Deutschland hofft auf Lockerungen, Bund und Länder feilen an einem Öffnungskonzept. Das basiert vor allem auf einer umfassenden Teststrategie. Die versprochenen Schnell- und Selbsttests hat das Gesundheitsministerium allerdings noch gar nicht bestellt.

Beim Corona-Gipfel in Berlin diskutieren Bund und Länder über mögliche Lockerungsschritte in den nächsten Wochen. Neben den Inzidenzwerten basiert das Konzept auf einer umfassenden Teststrategie und massig verfügbaren Schnell- und Eigentests. Nach Informationen von RTL und ntv sind die dafür vorgesehenen Tests aber noch gar nicht in großem Maß vorhanden: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn soll bislang keine Bestellung von Selbsttests in Auftrag gegeben haben. Zudem verzögere sich die Lieferung der vom Bund georderten Schnelltests.

Spahn hatte im Februar geplant, ab dem 1. März kostenfreie Antigen-Schnelltests für alle Bürger zur Verfügung zu stellen - etwa in Testzentren, Arztpraxen oder Apotheken. Am 16. Februar twitterte er, die Tests seien "mittlerweile ausreichend am Markt verfügbar". Sein Vorhaben wurde wenige Tage später im Corona-Kabinett gestoppt.

Wie groß der Bedarf an Schnelltests überhaupt ist, darüber ist man sich in den Bund-Länder-Beratungen noch nicht im Klaren. Laut Teilnehmerkreisen wird dieser jedoch höher geschätzt als in den Planungen des Gesundheitsministeriums veranschlagt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Es soll eine Taskforce geben, die sich um die Bestellung kümmert.

Kanzlerin Angela Merkel habe vorgerechnet, dass der monatliche Bedarf bis zu 150 Millionen Schnelltests betragen könne - je nachdem wie viele Menschen sich testen ließen und welche Öffnungsschritte man mit Tests verbinde. Hersteller hätten in Gesprächen angegeben, bis zu 40 Millionen Stück pro Woche zu liefern, heißt es weiter. Im März könnten Schnelltests aber noch knapp sein. Über die Finanzierung soll man sich zumindest einig sein - der Bund will ab Montag die Kosten dafür übernehmen.

Im Zuge des bevorstehenden Mangels an Tests habe man sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in den laufenden Beratungen zwischen Bund und Ländern bereits darauf geeinigt, der Wirtschaft keine formelle Testpflicht aufzuerlegen. Unternehmen sollten ursprünglich als "gesamtgesellschaftlichen Beitrag" ihren am Arbeitsplatz anwesenden Beschäftigten pro Woche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest machen.

Freier Verkauf startet am Samstag

Erste Corona-Schnelltests zur Selbstanwendung sollen unterdessen bereits am Samstag bundesweit in den freien Verkauf kommen. Aldi Nord und Aldi Süd kündigten an, dass Kunden die in Deutschland produzierten Tests dann an der Kasse bekommen können. Zunächst ist die Abgabemenge auf eine Packung pro Kunde begrenzt. Eine Packung kostet rund 25 Euro. Sie enthält fünf Tests, deren Ergebnis nach dem Nasenabstrich in 15 Minuten vorliegen soll. Die Erkennungsrate liegt den Angaben zufolge bei 96 Prozent.

Auch Discounter-Konkurrent Lidl und die Supermärkte von Rewe und Edeka haben das Thema auf dem Schirm. Die Drogeriemarktketten Rossmann und dm wollen mit dem Verkauf am nächsten Dienstag beginnen. Apotheken wollen die Produkte ebenfalls anbieten.

Quelle: ntv.de, mba/dpa/rts

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