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Prozess gegen Sven Lau "Die Salafisten-Szene sortiert sich neu"

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Sven Lau versteht es, zu manipulieren und zu instrumentalisieren. Manche in der Szene haben sich daher von ihm distanziert.

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Ab heute steht der prominente Salafisten-Prediger Sven Lau vor Gericht. Thomas Mücke leitet das Violence Prevention Network, einen Verein, der mit ideologisch gefährdeten Menschen und extremistisch motivierten Gewalttätern arbeitet. Er kennt die salafistische Szene und die propagandistische Wirkung, die das Verfahren entfalten kann. Aber: "Es gibt einige, die auf Distanz zu Lau gegangen sind", sagt er im n-tv.de-Interview.

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Thomas Mücke

n-tv.de: Heute startet der Prozess gegen Sven Lau. Wie wird das in der Salafisten-Szene aufgenommen?

Thomas Mücke: Wir wissen natürlich nicht immer genau, was in der salafistischen Szene besprochen wird. Das Verfahren ist aber kein Thema bei den Personen, mit denen wir es zu tun haben. In der Szene ist allen klar, dass Leute wie Lau irgendwann mal vor Gericht stehen.

Sven Lau ist eine prominente Figur. Welche Rolle spielte er bis zu seiner Verhaftung?

Lau ist Anhänger des extremistischen Salafismus. Er versuchte, über die Religion hinaus eine politische Ideologie einzuführen, die gegen Demokratie und Menschenrechte gerichtet war. Lau gehörte immer zu denjenigen, die gesagt haben, Demokratie und Islam seien nicht miteinander vereinbar. Und er hat immer wieder versucht, junge Menschen zu rekrutieren. Viele von ihnen sind in die Kampfgebiete ausgereist. Lau war eine der charismatischsten Persönlichkeiten, die es da gibt, und er ist natürlich hochgefährlich gewesen.

Lau sitzt seit Ende 2015 in Untersuchungshaft. Welche Rolle spielt er heute noch?

Er hat noch immer Einfluss auf die Szene. Und der Prozess gegen ihn wird von einigen zur Propaganda benutzt. Nach dem Motto: "Seht ihr, wir werden verfolgt. Muslime werden in dieser Gesellschaft nicht gewollt." Es gibt aber auch einige, die kritisch geworden und auf Distanz zu Lau gegangen sind. Sie haben erkannt, dass er jemand ist, der andere manipulieren und instrumentalisieren kann.

Salafisten nutzen Prozesse häufig, um sich als Verfolgte des Staates darzustellen. Wie lässt sich das verhindern?

Dem ist schwer entgegenzuwirken. Alles, was man tut, kann für Propaganda verwendet werden. Man muss aber deutlich machen, dass vor dem Gesetz alle gleich sind. Das ist die wichtigste Botschaft: Alle Beteiligten verhalten sich rechtstaatlich.

Gibt es Personen, die Laus Rolle eingenommen haben?

Dass es neue Protagonisten gibt, die sich nach vorne drängen, ist erst einmal nicht sichtbar. Die Szene ist vorsichtig geworden, der Ermittlungsdruck sehr stark.

Ist die Szene also zerschlagen?

Die Szene sortiert sich neu: Wir merken das zum Beispiel an Pierre Vogel, der sich deutlich vom IS und den Anschlägen in Europa distanziert hat. Er versuchte so, die verunsicherten Menschen zu erreichen. Seine Botschaft war: "Der Terror war falsch, ihr müsst der richtigen Sache folgen. Und die richtige Karawane führe ich an." Aber das ist rein taktischer Natur.

Mit Thomas Mücke sprach Johannes Graf

Quelle: n-tv.de

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