Politik

Bittere Folgen von Trumps Druck Entgleitet den USA die Corona-Pandemie?

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Vize Pence (l.) und der Gouverneur von Arizona, Ducey, sind inzwischen Maskenträger.

(Foto: AP)

In den USA steigen die Corona-Fallzahlen wieder deutlich. Vor allem Trump hatte darauf gedrungen, die Beschränkungen zu lockern. Doch das rächt sich jetzt. Vier Monate vor der Wahl ändert sich im Lager des US-Präsidenten die Stimmung.

Nur noch wenige Tage, dann haben die USA ihre ohnehin mehr als tragische Corona-Bilanz um einen weiteren "Meilenstein" ergänzt. Schon in der zweiten Juli-Woche wird das Land mehr als drei Millionen nachgewiesene Infektionsfälle vermelden müssen. Beinahe täglich melden einzelne Bundesstaaten neue Rekorde. Derzeit breitet sich Sars-CoV-2 ins Landesinnere aus. Besonders betroffen sind Arizona, Florida, Texas, Georgia, aber auch erneut Kalifornien. Inzwischen sind es landesweit mehr als 50.000 Fälle pro Tag.

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Mittlerweile gehen führende Gesundheitsexperten davon aus, dass sich diese Zahl auf bis zu 100.000 erhöhen wird. Derzeit sind 2,7 Millionen Fälle bekannt. Erst ein Drittel gilt als genesen. Fast 130.000 Menschen haben die Erkrankung nicht überlebt. Täglich kommen mehrere Hundert Todesopfer hinzu. Der bevorstehende Unabhängigkeitstag mitsamt seinen Feierlichkeiten, Familienfesten und Grillpartys am Samstag dürfte die Ausbreitung weiter anheizen.

Dabei schien das Land die Ausbreitung im Griff zu haben. Viele Staaten meldeten im Mai und in der ersten Junihälfte sinkende Fallzahlen. Damit einher gingen erste Lockerungen der Beschränkungen. Vor allem drängte US-Präsident Donald Trump angesichts verheerender Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten auf ein Wiederanfahren der Wirtschaft. Restaurants, Bars und Kinos öffneten wieder - und die Infektionen nahmen zu. Betroffen sind vor allem Jüngere, weswegen diese Orte nun auch wieder im Zentrum neuerlicher Beschränkungen stehen. Setze sich die Entwicklung so fort, "werden wir überschwemmt", zitiert die New York Times den Geschäftsführer eines Krankenhauses im Miami. Zuletzt meldeten laut "Guardian" 40 Staaten steigende Zahlen, 14 sogar Rekordwerte, vier von zehn änderten ihre Öffnungs-Strategie.

Nervosität an Trumps Basis steigt

Einen gewohnt alternativen Blick auf die Faktenlage hat derweil US-Präsident Donald Trump. "Das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden", sagte er dem Fernsehsender Fox Business. "Ich bin sehr besorgt", sagte dagegen jüngst der Direktor des nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci. "Wir bewegen uns in die falsche Richtung."

Und eine Entwicklung dürfte auch Trump beunruhigen: Zunehmend sind es vor allem die Hochburgen der Republikaner, in denen das Virus wütet. Vier Monate vor der Präsidentschaftswahl steigt nun auch die Nervosität unter Trumps Parteigängern: Sieben von zehn Befragten gaben in der jüngsten Umfrage an, sie seien persönlich besorgt. Bei den Demokraten sind konstant neun von zehn Befragten in Sorge.

Inzwischen treten die Bundesstaaten reihenweise bei der langsamen Lockerung der Beschränkungen wieder auf die Bremse - oder verschärfen die Beschränkungen wieder. Zuletzt verfügte Kalifornien in 19 besonders stark betroffenen Bezirken, darunter auch Los Angeles, dass Restaurants ihre Innenbereiche wieder schließen müssen. Das gelte auch für den Betrieb von Kinos, Weingütern, Museen und Zoos. Die Einschränkungen sollen mindestens drei Wochen gelten. Am kommenden Feiertagswochenende bleiben die Strände in den dicht besiedelten Räumen um Los Angeles und San Francisco dicht.

Texas ordnete die Schließung von Bars an, Pennsylvania erließ eine Maskenpflicht. Arizonas Gouverneur beschränkte die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen bis Ende Juli wieder auf 50 - und das nur eine Woche nach einem Auftritt von Trump mit zahlreichen Zuschauern. Auch hier sollen Bars und Kinos geschlossen bleiben. Trump hatte den Staat zuvor für seine Lockerungspläne gelobt.

Auch in Teilen Floridas sollten die Strände geschlossen bleiben. In der Stadt Jacksonville, wo Trump im August bei einem Parteitag zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden soll, gilt in öffentlichen Gebäuden teils eine Maskenpflicht. Nevada verschob die nächste Stufe seiner Lockerungen auf Ende Juli. New Jersey setzte die geplante Erlaubnis für Restaurants, Gäste wieder in geschlossenen Räumen bewirten zu dürfen, aus.

#realmenwearmasks

Bislang scheint sich Trump indes auf die Debatte rund um die Proteste und Unruhen in den Städten zu konzentrieren. Am Wochenende twitterte er etliche Fahndungsplakate. Sein Gesundheitsminister Alex Azar spielt weiter die Bedeutung der Zunahme der Neuinfektionen herunter. Das durchschnittliche Alter der neu Infizierten liege unter 35 Jahre, sagte er CNN. Deswegen nehme die Zahl der Todesopfer nicht so stark zu. Vizepräsident Mike Pence sieht das Land inzwischen viel besser auf die Pandemie vorbereitet. Grund für die jüngsten Anstiege sei, dass sich junge Menschen nicht an die Richtlinien hielten.

Dennoch rückt das Thema Masken zunehmend in den Fokus. Inzwischen trägt Pence sie regelmäßig. Zudem empfiehlt er, von Trump zum Corona-Beauftragten ernannt, den US-Bürgern das Tragen einer Bedeckung für Mund und Nase. Der frühere US-Vize, Dick Cheney, ließ sich auf Twitter schon vor Tagen damit ablichten und das Foto mit dem Hinweis versehen, "echte Männer tragen Masken".

Gleichwohl hält der Präsident nichts von einer landesweiten Maskenpflicht - und wird dafür immer wieder kritisiert. Bei Fox sagte er, es gebe in den USA genug Orte, an denen ausreichend Abstand eingehalten werden könne. Er selbst habe aber keine Probleme damit, eine Maske zu tragen. "Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe", sagte er.

Masken sollen nun auch am berühmten Denkmal von Mount Rushmore in South Daktoa, wo die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag im Beisein Trumps stattfinden, ausgeteilt werden. Zugleich rief Gouverneurin Kristi Noem die Menschen zum Kommen auf. "Wir haben den Leuten, die Bedenken haben, gesagt, dass sie zu Hause bleiben können", sagte die Republikanerin dem Sender Fox News. Die Menschen sollten kommen, um zu feiern, um "die Freiheiten zu genießen, die wir in diesem Land haben".

Quelle: ntv.de, mit dpa