Politik

Finanzpolitik neu ausgerichtet Erdogan lässt Schwiegersohn zurücktreten

imago0086257476h.jpg

Recep Tayyip Erdogan und Berat Albayrak werden sich auf politischer Ebene nicht mehr begegnen, wohl aber auf privater.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Aus gesundheitlichen Gründen tritt der Schwiegersohn des türkischen Präsidenten von seinem Amt als Finanzminister zurück. Erdogan lässt einige Tage verstreichen, ehe er dem Antrag zustimmt. Mitten in einer Finanzkrise sollen nun neue Köpfe die strauchelnde Währung stabilisieren.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den überraschenden Rücktritt seines Schwiegersohns Berat Albayrak vom Posten des Finanzministers akzeptiert. Wegen gesundheitlicher Probleme und weil er mehr Zeit mit seiner "vernachlässigten" Familie verbringen wolle, trete er von seinem Amt zurück, hatte Albayrak am Wochenende auf seinem Instagram-Account geschrieben.

Albayrak ist mit Erdogans älterer Tochter Esra verheiratet. Unklar war am Wochenende geblieben, ob Erdogan den Rücktritt seines Schwiegersohnes annehmen wird. Als Anfang des Jahres Innenminister Süleyman Soylu seinen Rücktritt ankündigte, nahm Erdogan diesen nicht an. Daraufhin zog Soylu seinen Rücktritt zurück - er ist bis heute Innenminister der Türkei.

Inmitten der Währungskrise richtet Erdogan damit die Finanz- und Geldpolitik seines Landes personell neu aus. Der neue Notenbankchef Naci Agbal kündigte an, er werde "entschlossen" alle Mittel einsetzen, um das Hauptziel Preisstabilität zu erreichen. Die Lira stoppt daraufhin vorerst ihre Talfahrt. Manche Experten setzen darauf, dass Agbal die Zinsen kräftig anheben wird. Andere geben zu bedenken, dass er ein treuer Verbündeter Erdogans sei, der wiederum ein erklärter Zinsgegner ist. Agbals Vorgänger Murat Uysal war am Samstag von Erdogan per Dekret entlassen worden.

Laut Insidern wird der geschasste Notenbankchef Uysal für den Niedergang der Lira mitverantwortlich gemacht, die dieses Jahr mehr als 27 Prozent abgewertet hat. Keine Währung eines Schwellenlandes ist im Corona-Jahr 2020 schlimmer unter die Räder gekommen. Unter Agbals Leitung hatte die Zentralbank zuletzt den Schlüsselzins bei 10,25 Prozent belassen. Analysten von Goldman Sachs und der TD Bank erwarten nun eine Erhöhung um mindestens sechs Prozentpunkte. Die nächste reguläre Zinssitzung der Notenbank steht am 19. November an.

Quelle: ntv.de, mba/rts/DJ