Politik

Ein Jahr nach Halle Haseloff: Stolz, dass Juden bei uns leben

Zum ersten Jahrestag des rechtsextremen Anschlags von Halle sieht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Synagogen in Deutschland besser geschützt als vor einem Jahr. Doch er fordert mehr als Sicherheit - und Stolz auf jüdisches Leben in Deutschland.

Ein Jahr nach dem Anschlag in Halle geht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff davon aus, dass Juden in Deutschland sicherer leben als zuvor. "Da bin ich mir ziemlich sicher. Natürlich kann Politik nie 'hundert Prozent' sagen, aber dass wir auf jeden Fall sicherer sind als vor einem Jahr, in Sachsen-Anhalt, aber auch in ganz Deutschland, das kann ich, denke ich, sagen", so der CDU-Politiker im "Frühstart" von ntv. Man habe einheitlich in allen Bundesländern eine deutlich überarbeitete Sicherheitskonzeption entwickelt und setze sie nach und nach um.

Bei einer Kabinettssitzung am kommenden Dienstag in Halle will Haseloffs Landesregierung das eigene Konzept gemeinsam mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt unterzeichnen. Man wolle außerdem ein Programm zur Entwicklung und Unterstützung von jüdischem Leben beschließen. Dazu gehöre Kulturförderung und Aufnahmebereitschaft. Auch unter dem Eindruck des Attentats müsse gegenüber Juden klar werden, dass sie nicht nur herzlich willkommen, sondern eine Bereicherung seien, so Haseloff. "Dass sie zu uns gehören, dass sie ein Bestandteil dieses gesellschaftlichen Lebens sind. Sie haben das klare Signal von uns, dass wir stolz sind, dieses jüdische Leben bei uns zu haben."

Der Ministerpräsident lobte die Hallenser für ihren Umgang mit der Tat. "Ich bin froh, dass wir dort eine große Solidarität der Menschen untereinander, für die jüdische Gemeinde, für die jüdischen Gemeinden insgesamt auch im Lande und darüber hinaus für die Opfer erlebt haben. Ich bin stolz, dass diese bürgerliche Gemeinschaft so zusammengehalten hat." Am 9.Oktober 2019 hatte der Rechtsextreme Stephan B. eine Synagoge angegriffen, war allerdings an der massiven Eingangstür gescheitert. Danach erschoss er auf der Straße eine Frau und in einem Döner-Imbiss einen Mann.

Den Anschlag bezeichnete Haseloff bei ntv als "Zäsur", die man sich deutlicher nicht vorstellen könne. "Die Perfidie, die Brutalität und die sogenannten Antriebskräfte dieses Täters, die sind sowas von unvorstellbar, dass es das ganze Land und auch die Stadt Halle regelrecht durchschüttelt hat und völlig neue Fragen und Diskussionen erzeugt hat."

Als Lehre aus dem Anschlag und dem bisherigen Gerichtsprozess gegen Stephan B. sieht Haseloff die Verantwortung jedes einzelnen, bei Verdacht früher einzuschreiten. "Wir müssen den Menschen klarmachen, dass man auch im privatesten Bereich Verantwortung trägt, auch für Personen, die scheitern, die sich als Loser fühlen, unversöhnt und unzufrieden, sich versuchen so abzureagieren, dass sie Aggressionen gegen andere Personen, Menschengruppen, Religionen, Minderheiten loslassen."

Quelle: ntv.de, psc