Politik

Material für Bombenbau? Hisbollah lagerte Ammoniumnitrat in Deutschland

Die Explosionen in Beirut sollen durch Tausende Tonnen Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein. Nun wird bekannt: Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah hatte dieselbe Chemikalie auch in Süddeutschland eingelagert - bis die Behörden Wind davon bekamen.

Fast 3000 Tonnen Ammoniumnitrat sollen die gewaltige Detonation ausgelöst haben, die am Dienstagabend die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert hatte. Bei der Chemikalie handelt es sich um ein Salz aus Ammoniak und Salpetersäure. Es wird sowohl in der Düngerherstellung verwendet als auch zur Produktion von Sprengstoff. Nun wurde bekannt: Die im Libanon ansässige Schiitenmiliz Hisbollah hatte in Deutschland ebenfalls Zugriff auf Ammoniumnitrat.

Der RTL-Terrorismusexperte Michael Ortmann kann nach eignen Informationen bestätigen, dass es in Süddeutschland Funde von Ammoniumnitrat gegeben hat. Es soll sich dabei um mehrere Hundert Kilogramm handeln. Die Behörden hätten "diesen Fund entdeckt und entsprechend auch zerstört", so Ortmann. Bereits Anfang Mai hatte "The Times of Israel" berichtet, dass Anhänger der radikal-islamischen Hisbollah in Lagerhäusern in Süddeutschland Ammoniumnitrat aufbewahrt hätten.

Laut dem Bericht soll der israelische Geheimdienst Mossad die deutschen Behörden vor den Beständen gewarnt haben. Dies soll bereits vor dem deutschen Verbot der Hisbollah im April geschehen seien. Unklar sei laut Ortmann allerdings, ob die Funde vor einigen Monaten oder deutlich über das letzte Jahr hinaus gemacht worden seien. Nicht nur der israelische, sondern auch andere Geheimdienste hätten laut Ortmann Informationen dazu geliefert.

"An Zielen mangelt es der Hisbollah nicht"

Ungewiss ist, was die Hisbollah mit dem Ammoniumnitrat, das auch zum Bau von Bomben verwendet werden kann, vorhatte. "Wenn sie Anschläge geplant hat mit diesem Ammoniumnitrat, dann ging es um Anschläge beispielsweise gegen jüdische Einrichtungen", so Ortmann. Aber auch Einrichtungen des israelischen Staates oder der USA, wie etwa Botschaften, seien ein mögliches Ziel. "An Zielen mangelt es der Hisbollah in Europa und der Welt allemal nicht."

Bei der mutmaßlichen Ammoniumnitrat-Explosion in Beirut schließt US-Präsident Donald Trump nach wie vor einen Anschlag nicht aus. Trump sagte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, es könne sich um einen "Unfall" oder um einen "Angriff" gehandelt haben. Zum jetzigen Zeitpunkt wisse dies "niemand". Am Vortag hatte der US-Präsident mit der Aussage für Wirbel gesorgt, bei den Explosionen habe es sich mutmaßlich um einen Anschlag mit einer "Art von Bombe" gehandelt. Dies hätten ihm seine Generäle nahegelegt. Laut US-Verteidigungsminister Mark Esper hingegen würden die "meisten" Quellen aber von einem Unfall ausgehen.

Durch die zwei gewaltigen Explosionen am Beiruter Hafen kamen laut den libanesischen Behörden mindestens 135 Menschen ums Leben, etwa 5000 weitere wurden verletzt. Dutzende Menschen werden noch immer vermisst. Große Teile der Stadt wurden schwer beschädigt.

Die libanesische Regierung hatte angekündigt, die Verantwortlichen für die Explosionen zur Rechenschaft zu ziehen. Sie forderte das Militär auf, die für die Lagerung des Ammoniumnitrats Verantwortlichen unter Hausarrest zu stellen. Das Lagerhaus mit dem Material war in heruntergekommenem Zustand und hatte Risse in den Wänden, wie Behördenmitarbeiter sagten. Sicherheitskräfte hatten vergangenes Jahr eine Untersuchung geführt, weil aus dem Gebäude merkwürdige Gerüche gedrungen waren. Die Untersuchung gelangte zu dem Schluss, dass das "gefährliche" Material aus der Halle entfernt werden müsse. Dies geschah aber nicht.

Quelle: ntv.de, kst/AFP